Rathaus I

Iserlohn: Die Hürde Denkmalschutz scheint zu fallen

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Dunkle Wolken: Formal bleibt das Rathaus I zunächst weiterhin ein Denkmal. Da aber eine Sanierung als technisch unmöglich erachtet wird, dürfte ein Abriss dennoch genehmigungsfähig sein.

Dunkle Wolken: Formal bleibt das Rathaus I zunächst weiterhin ein Denkmal. Da aber eine Sanierung als technisch unmöglich erachtet wird, dürfte ein Abriss dennoch genehmigungsfähig sein.

Foto: Michael May

Iserlohn/Münster.  Auch beim Rathaus I stehen die Vorzeichen immer stärker auf Abriss.

Nachdem das Schicksal von Schillerplatz-Parkhaus und Karstadt-Immobilie praktisch besiegelt ist, stehen nunmehr auch beim Rathaus I die Vorzeichen immer stärker auf Abriss. Denn die bislang größte Hürde bei den Überlegungen, sich von dem Objekt zu trennen, der Denkmalschutz, ist offenbar genommen. Das berichtete am Mittwoch Stadtbaurat Thorsten Grote auf Nachfrage der Heimatzeitung. Denn inzwischen sei mit dem LWL in Münster bezüglich des Denkmalschutzes eine sogenannte „Benehmensherstellung“ erzielt worden. In der Sache bedeutet das: Die Behörde in Münster hält die Ausführungen der Stadt Iserlohn, was die technische Unmöglichkeit einer Sanierung anbelangt, für „plausibel und nachvollziehbar“.

Zwar behält das Rathaus I bis auf Weiteres seinen Status als Denkmal, auf Basis der „Benehmensherstellung“ könnte das Objekt dann aber im Rahmen der Prüfung eines Abrissantrages erfolgreich von der Denkmalliste genommen werden. Ein kleiner Rückblick auf die Historie: Eigentlich wäre die Stadt Iserlohn auf Basis des Denkmalschutzes gezwungen gewesen, das „Denkmal Rathaus I“ zu erhalten und weiter zu betreiben. Im Rahmen der Brandschutzthematik waren aber immer größere Zweifel aufgekommen, inwieweit das überhaupt zu leisten ist. Denn ein Ergebnis im Rahmen des gutachterlich begleiteten Prozesses, so Grote, sei es gewesen, dass eine zwingend erforderliche brandschutztechnische Sanierung nur im Rahmen einer Totalsanierung, also eines vorherigen Rückbaus auf das Betonskelett, möglich wäre. Und selbst das, so der Stadtbaurat, würde noch nicht reichen. Die durchgängig fehlenden zweiten Rettungswege beziehungsweise mit Mängeln behafteten ersten Rettungswege würden auch Eingriffe in das Betonskelett erfordern. Und die notwendigen statischen Nachweise würde man nur „bis zur Oberkante des Fundaments“ bekommen, sagt Grote. Denn dann komme noch der problematische Baugrund dazu. Und ein Bodengutachter habe erklärt, grünes Licht könne es nur durch eine zusätzliche Ertüchtigung des Baugrundes geben, konkret etwa in Gestalt von 20 bis 30 Meter tiefen Betonpfählen, die durch die Bodenplatte hindurch gesetzt werden müssten. Das Ergebnis von Rücksprachen mit diversen Büros, so Grote, sei es gewesen, dass das technisch nicht möglich sei. Denn die dazu benötigten Großgeräte mit sehr viel Kraftentfaltung könnten im Untergeschoss des Rathauses mit einer Deckenhöhe von rund 2,10 Meter nicht eingesetzt werden.

Berufung auftechnische Unmöglichkeit

Es ist also diese „technische Unmöglichkeit“, die die Stadt Iserlohn als Hauptgrund anführt, von einer Sanierung des Rathauses I Abstand nehmen zu wollen. Ob der geschilderten Gegebenheiten gäbe es natürlich auch reichlich wirtschaftliche Gründe, die gegen eine Sanierung sprächen. Aber anders als bei privaten Eigentümern, wo der Denkmalschutz ja die Einschränkung der wirtschaftlichen Zumutbarkeit kennt, könnte sich die Stadt Iserlohn darauf nicht berufen, da die öffentliche Hand Denkmäler unabhängig von dem nötigen finanziellen Aufwand erhalten müsse. Insofern ist es wohl ausschließlich die technische Unmöglichkeit, auf die sich die Stadt Iserlohn berufen kann, dies auch so getan hat – und was nun auch so vom LWL in Münster grundsätzlich akzeptiert worden ist.

Grundvoraussetzung für einen Abriss ist zunächst einmal, dass das Gebäude leergezogen ist. Bei diesem Prozess gibt es weitere Fortschritte, aber auch Verzögerungen. Nachdem schon früh die Schulverwaltung zum Wiesengrund umgezogen ist, und auch der Umzug vom Ressortbüro Generationen und Bildung einschließlich Jugendamt ins Hansahaus sowie die weitgehende Ausgliederung des Bereiches Sicherheit und Ordnung in Räumlichkeiten des GGT-Komplexes abgeschlossen sind, werden demnächst die Einheiten EDV und Zentrale Dienste folgen, ebenfalls in Richtung GGT-Komplex. Vor dem Umzug ins Rathaus II steht die Kämmerei, die aktuell im obersten noch betriebenen Geschoss des Rathauses I (4. Etage) untergebracht ist. Im Laufe des Jahres sollen auch das Bürgerbüro samt Einwohnermeldeabteilung ins Rathaus II kommen, auf Ebene des Eingangs Werner-Jacobi-Platz. Damit, so Stadtbaurat Thorsten Grote, wären die publikumsträchtigsten Einheiten, aber auch die aus Brandschutzsicht in den sensibelsten Räumlichkeiten untergebrachten Einheiten aus dem Rathaus I ausgelagert.

Soweit die Fortschritte, nun zu den Verzögerungen: In der ehemaligen Realschule Bömberg, in die die Bauverwaltung ausgelagert werden soll, um weiteren Platz im Rathaus II zu schaffen, hat sich baulich noch nichts getan, vielmehr konnte die Ausschreibung immer noch nicht abgeschlossen werden. Als Gründe nennt Grote, dass es erhebliche inhaltliche Nachfragen von grundsätzlich interessierten Firmen gegeben habe, sich aber auch das Interesse, in dem Objekt tätig zu werden, insgesamt in Grenzen halte. Ziel, so Grote, sei es nun, Ausschreibung und Vergabe im Frühjahr abzuschließen, bezugsfertig wären die Räume in der ehemaligen Realschule Bömberg demnach im Frühjahr 2022. Dann könnte die letzte „Rochade“ erfolgen, um im Ergebnis das Rathaus I endgültig leerziehen zu können.

Klärung einerkünftigen Rathaus-Struktur

Und dann? Grote plädiert dafür, zeitnah mit einer Abrissplanung für das Rathaus I zu beginnen, damit die „Niederlegung“ im Anschluss an die Leerräumung starten kann. Jedenfalls solle das Rathaus I nach Möglichkeit nicht für längere Zeit ein Dasein als „Ruine“ mitten im Stadtzentrum fristen. Aufgabe sei es natürlich auch, sich frühzeitig Gedanken über die künftige Nutzung des Grundstücks zu machen.

Zur Rathaus-Frage macht Stadtbaurat Thorsten Grote noch eine grundsätzliche Bemerkung. In einer längerfristigen Betrachtung werde es wohl nicht ohne einen Neubau zumindest für Teile der Stadtverwaltung gehen. Dazu soll in Kürze weiterer externer Sachverstand hinzugezogen werden. So solle auch geklärt werden, was für Iserlohn in Sachen Rathaus die passende Struktur ist. Die Rathaus-Frage im Zusammenhang mit der geplanten Neubebauung des Schillerplatz-Areals zu lösen, sei dabei eine Option unter mehreren.

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