Kunstprojekt

Iserlohn: Jagdhaus in der Obergrüne wird zum Lautsprecher

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An einem alten Jagdhaus in der Obergrüne sind überdimensionale Lautsprecher angebracht, die am Samstag erklingen werden.

An einem alten Jagdhaus in der Obergrüne sind überdimensionale Lautsprecher angebracht, die am Samstag erklingen werden.

Foto: Stefan Faber / IKZ

Iserlohn.  Ein besonderes Musikerlebnis erwartet Iserlohn: An einem Jagdhaus sind überdimensionale Lautsprecher installiert, die Samstag erklingen werden.

Ein altes Jagdhaus im Wald mit großen quadratischen Lautsprechern, die in die Fenster montiert sind. Gibt es nicht? Gibt es doch. Und zwar in einem alten Jagdhaus in der Obergrüne. Verantwortlich dafür ist der Künstler und Komponist Rochus Aust.

Sein Projekt heißt „Pop Up Audio Architecture“, zusammen mit seinem Ensemble „Re-Load Futura“ hat er ein überdimensionales Klangensemble aus großen „Quadraphonen“ installiert. Nach Köln und Paris haben interessierte Zuhörer am Samstag gleich zweimal die Möglichkeit, der Klanginstallation in Iserlohn zu lauschen.

Idee entsteht aus der Not

Zwei Jahre bestimmte die Corona-Pandemie den Alltag der Menschen. „Künstlerkollegen gingen in die Knie, Institutionen machten zu, kleine Orte gingen kaputt. Long Covid gibt es nicht nur als Folge einer Corona-Erkrankung, in der Künstlerszene herrscht es auch mental vor“, sagt Rochus Aust, der nach den Einschränkungen etwas Neues schaffen möchte.

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Das Publikum habe sich ebenfalls verändert. „Die Leute kommen einfach nicht mehr zu Veranstaltungen, weil sie es nicht mehr gewohnt sind, irgendwo hinzugehen“, sagt er. Dieser Zustand sei tödlich für die Kunst.

„Also wollte ich etwas Neues, etwas Spannendes schaffen.“ Gesagt – getan. Im vergangenen Jahr entwickelte er die Idee, an besonderen Orten ein besonderes Erlebnis zu erschaffen. „Wir müssen neue Ohren gewinnen“, sagt der 53-Jährige.

Versteckte Künstler

In der Obergrüne hat er „Quadraphone“ in die Fenster eines alten Fachwerkhauses gebaut. Im Haus werden Künstler sitzen, die live ihre Musik spielen. Teilweise kommt die Musik auch vom Band. Es wird also geheimnisvolle Musik erklingen, ohne, dass die Zuhörer die Musiker sehen.

Was der Zuhörer aus dem Erlebnis macht, liegt dabei in seinen eigenen Händen. „Menschen werden spazieren gehen und aus der Ferne zuhören. Einige werden gezielt kommen. Wie positioniere ich mich, ist die Frage. Höre ich der Musik nur zu? Denke ich darüber nach, wo die Musik herkommt? Wie viel ist Maschine? Wie viel ist Haus? Wie viel ist Mensch?“ Diese Fragen beantworte jeder Zuhörer alleine für sich, so Aust.

Familiäre Verbindungen in die Waldstadt

Warum er aber gerade dieses alte Fachwerkhaus mitten im Wald für sein Projekt ausgewählt hat, nachdem er bereits in Paris, Berlin und Köln zu hören war, beantwortet er so: „Ich bin direkt daneben aufgewachsen, daher kenne ich dieses Haus noch aus meiner Kindheit.“

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Aust greift bei der Installation auf vorhandene Dinge zurück. Die „Quadraphone“ hatte er bereits für ein Festival in Düsseldorf entwickelt. „Mir geht es in diesem Projekt darum, Vorhandenes neu zu kombinieren. Ich habe geschaut, wo geht was, was geht und wie mache ich es“, erzählt er. „Wir begeben uns auf die Suche nach nachhaltig bespielbaren Orten, Räumen oder Architekturen, die sich in Besonderheit, Akustik und visueller Kraft als temporäre Spielstätten eignen.“

>>> Die Termine

Am Samstag, 6. August, ist die Klanginstallation um 17 Uhr und um 19 Uhr jeweils für rund 20 Minuten zu hören.

Das alte Jagdhaus befindet sich an der Grüner Talstraße 62 in der Obergrüne. Es liegt aber etwas versteckt im Wald. Interessierte können an der Feuerwehr Obergrüne parken. Dann geht es zu Fuß weiter: Um das Haus zu finden, muss man hinter der Feuerwehr und vor den beiden Garagen der Hausnummer 70 in den Wald gehen.

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