Kultur

Iserlohn sagt „No“ zum Brexit

Das WDR-Funkhausorchester begeisterte im Parktheater.

Foto: Michael May

Das WDR-Funkhausorchester begeisterte im Parktheater. Foto: Michael May

Iserlohn.   Anlässlich des Public-Viewings der „BBC Last Night of the Proms“ verwandeln sich Parktheater und Alexanderhöhe in einen Zauberberg mit Feen und Kobolden.

Es ist nicht wirklich das klassische Theaterpublikum, das da bereits am Nachmittag das Spielhaus auf der Alexanderhöhe belagert – Feen, Elfen, Kobolde und Magier in wallenden Mänteln. An der Seite, hinter einem viel zu kleinen Gebüsch, zwängt sich gerade ein Mann mit Stelzen in so etwas wie ein Baumkostüm, es könnte aber auch eine überdimensionale Pusteblume sein. Ist aber eigentlich auch nicht so wichtig, nur Spaß soll es machen.

Samstag, 16.30 Uhr: Vor dem Parktheater steigt Rauch auf, es ist ein ungewöhnlicher Termin im Kalender der Spielstätte. Die „BBC Last Night of the Proms“ soll hier am Abend live übertragen werden. Zuvor spielt das WDR-Funkhausorchester, doch bis es soweit ist, gehört hier zunächst den Fantasie-Gestalten die Bühne.

Mehr Rauch, mehr Nebel – und die Elfen sind unterwegs

Der Baum, respektive die überdimensionale Pusteblume, hat es inzwischen in sein Kostüm geschafft und lächelt tapfer. Der Musikverein „Die Waldstädter“ und die „58th Scottish Volunteers Pipes and Drums“ sorgen für Stimmung. Mehr Rauch, mehr Nebel – es werden Leuchtstäbe verteilt – und kleine Elfen der Ballettschulen Bauer und Sauerlandpark bemalen die Gesichter von Besuchern in den britischen Nationalfarben rot, weiß und blau. Gegen 17 Uhr feuert der IBSV Salutschüsse in den sonnigen Himmel, bevor die Gäste ins Theater dürfen.

Die „Prom Night“ wird zum sechsten Mal vom WDR mit einem „Public Viewing“ begleitet. Das Spektakel in der Londoner Royal Albert Hall ist eine Mischung aus Klassik und Klamauk – und hat so international Fans gefunden. Verkleidungen gehören da für viele dazu – nicht nur in Iserlohn.

Bislang fand die Übertragung stets in der Dortmunder DASA-Ausstellung statt. „Wir wollten einfach mal etwas Neues probieren“, sagt Sylvia Schmeck, die Organisatorin vom WDR.

Nun also die Premiere in Iserlohn. Die Gäste kommen auch aus der weiteren Region – so etwa die Frau im grünen Feen-Kostüm mit Blumenkrone und ihr Mann, stilecht mit britisch-distinguierter Fliege und Jacket gewandet, weil für einen Kobold eindeutig zu groß.

Amelia und Jan Micheel aus Bochum sind zum dritten Mal bei der Übertragung dabei. „Wir haben eine Affinität zu England“, sagt sie. „Es ist einmalig, diese Mischung aus klassischem Konzert – und plötzlich marschieren die mit Flaggen und Pressluftflöten umher“, sagt er. „Da ist egal, ob man atheistisch, republikanisch oder sonst wie gesinnt ist – am Ende ist man in Britannien-Stimmung.“ Lob gibt es für das Vorprogramm, das sich Theaterchef Johannes Josef Jostmann – kostümtechnisch irgendwo zwischen Sultan und Fledermaus unterwegs – ausgedacht hat.

Ab 18 Uhr spielt dann das WDR-Orchester auf, das musikalisch über jeden Zweifel erhaben ist. Die Leitung hat Wayne Marshall, natürlich ein Brite. Das Kulturradio überträgt live, Iserlohn grüßt den Sektor, Jörg Lengersdorf führt gekonnt durch den Abend. Zwischendurch Nachrichten, in London wird gegen den Brexit demonstriert. Das Votum der Iserlohner dürfte ein klares „No“ sein.

Um 20.15 Uhr beginnt im Theater die Übertragung aus London. Schön ist das, doch das Drumherum ist hier sicher genau so wichtig: „Man wird mit einbezogen. Das ist toll“, fasst „Blumenfee“ Birgit Büchner aus Hemer den Reiz der Veranstaltung zusammen.

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