Inklusion

Iserlohn: Wie auch Rollstuhlfahrer tanzen können

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Ab dem 23. September wird es einen inklusiven Tanzkurs in der Brabeckschule geben. 

Ab dem 23. September wird es einen inklusiven Tanzkurs in der Brabeckschule geben. 

Foto: Miriam Mandt-Böckelmann / IKZ

Iserlohn.  Nicht mit den Füßen, aber mit den Herzen: Ein Tanzkurs für Rollstuhlfahrer wird ab Freitag in Iserlohn angeboten. Wie das genau funktioniert.

Udo Dumbeck aus Eitorf ist ein viel beschäftigter Mann als Vorsitzender des Vereins „Tanzen Inklusiv in Nordrhein-Westfalen“: Er macht nicht nur Öffentlichkeitsarbeit für das Inklusive Tanzen, er reist auch durchs Land, um beim Aufbau neuer Tanzgruppen zu helfen und die bestehenden Ortsgruppen, wie auch jene in der Waldstadt, zu unterstützen. „Alles fing 1993 mit einer Ortsgruppe in Bonn an“, erzählt Dumbeck. „Später kamen immer mehr hinzu, heute wird in mehr als zehn Städten inklusiv getanzt.“

Dumbecks Verein kümmert sich um mehr als den sogenannten Rolli-Tanz: Es gibt viele weitere Tanzgruppen, bei denen Menschen mit diversen geistigen und körperlichen Handicaps mitmachen können. „Es gibt regelmäßige Wochenend-Veranstaltungen, in deren Rahmen dann auch Wettbewerbe für Menschen mit geistiger Behinderung veranstaltet werden“, erzählt er.

„Fußgänger“ und „Rollis“ tanzen gemeinsam

Denn: „Inklusion und Tanzen passen perfekt zusammen – und das wollen wir bekannter machen. Wir wollen uns nicht verstecken und gehen bewusst in die Öffentlichkeit“. Ganz wichtig: Beim Inklusiven Tanz tanzen „Fußgänger“, so nennt es Dumbeck, und „Rollis“ gemeinsam – und damit alle den gleichen Wissensstand haben, finden regelmäßig – und jetzt auch in Iserlohn (siehe Infobox) – von ausgebildeten Trainern angeleitete Tanzkurse für Anfänger statt. Dazu willkommen sind Paare, aber auch Einzelpersonen, für die sich dann in der Gruppe ein Tanzpartner findet. „Oft tanzen auch Eltern mit ihren Kindern“, weiß Dumbeck.

Einzige Voraussetzung: „Die Tänzerin oder der Tänzer müssen ihren Rollstuhl selbstständig bewegen können – entweder mit Muskelkraft oder mit dem Elektroantrieb, der per Joystick gesteuert wird“, erklärt der Vorsitzende. Warum diese Einschränkung? „Wir wollen niemanden ausschließen, aber der inklusive Tanz ist eine sehr raumgreifende und sportliche Erfahrung. Für Menschen, die ihren Rollstuhl nicht selbstständig bewegen können, gibt es spezielle Sitztanzgruppen.“

Was Dumbeck wichtig ist: „Beim Inklusiven Tanz geht es gleichberechtigt zu. Man muss sich aufeinander verlassen können. Macht einer der Partner seinen Part nicht, dann funktioniert es nicht.“ Und das bedeute eben auch, dass der Fußgänger „den Rolli eben nicht durch die Gegend schiebt“, sagt der Tanzlehrer und Übungsleiter Rehabilitationssport, der selbst im Rollstuhl sitzt.

Auch der soziale Aspekt ist ein wichtiger Faktor

Der Anspruch in den Gruppen sei durchaus hoch: „Es geht darum, Musik ohne Füße zu interpretieren. Denn Tanzen hat nichts mit den Füßen zu tun, sondern mit dem Herz.“ Neben dem gemeinsamen Tanzen komme in den Inklusiven Tanzgruppen auch der gesellschaftliche Aspekt nicht zu kurz: „Die Mitglieder gehen zusammen aus, unternehmen etwas zusammen – das ist viel besser, als immer nur alleine zuhause zu sitzen.“ Und das wichtigste: „Tanzen macht einfach Spaß!“

>>> So können Rollstuhlfahrer dabei sein

Der Kurs richtet sich an Rollstuhlfahrer sowie Fußgänger ohne Vorkenntnisse und vermittelt die Grundlagen und Figuren verschiedener Paartänze wie zum Beispiel Disco-Fox und Langsamer Walzer sowie Reihentänze.

Anmelden können sich dabei sowohl Paare als auch Einzelpersonen.

Im Anschluss des Tanzkurses besteht die Möglichkeit in die feste Tanzgruppe des Vereins zu wechseln.

Veranstaltungsort ist die Brabeckschule, Eingang Elisabethstraße. Parkplätze stehen auf dem Schulhof zur Verfügung, die Einfahrt ist für Berechtigte möglich und die Turnhalle ist ebenerdig zu erreichen.

Beginn: 23. September, 17.45 Uhr/14-tägig (sieben Termine), Kosten: 5 Euro/Person je Termin.

Kontakt: Udo Dumbeck, E-Mail: dumbeck@TanzenInklusiv.de, 0177/2 33 33 22.

Initiator und Ausrichter des Tanzkurses ist der Verein „Tanzen Inklusiv in Nordrhein-Westfalen“. Gefördert wird der Kurs durch das Programm „1000x1000“ des LSB Nordrhein-Westfalen und des Landes Nordrhein-Westfalen.

Weitere Informationen unter: www.tanzeninklusiv.de

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