Familien

Iserlohner Beratungstelle nach wie vor von Familien gefragt

Torsten Filthaut und sein Team kümmern sich bei der Familien- und Erziehungsberatung der Caritas um etwa 900 Personen.

Torsten Filthaut und sein Team kümmern sich bei der Familien- und Erziehungsberatung der Caritas um etwa 900 Personen.

Foto: Jennifer Katz

Iserlohn.  Die Familien- und Erziehungsberatungsstelle der Caritas kümmert sich zunehmend um spielsüchtige Kinder und Jugendliche.

Ungebrochen hoch ist die Nachfrage bei den Angeboten der Familien- und Erziehungsberatung des Caritas-Verbands Iserlohn, Hemer, Menden, Balve. Der Jahresbericht 2019 verdeutlicht dies, die Zahlen waren höher als zuvor. „Und das in allen Städten“, sagt Leiter Torsten Filthaut.

891 Personen haben er und sein Team während des vergangenen Jahres betreut, davon 372 in Iserlohn und 166 in Hemer. 77 Prozent der Klienten wurde innerhalb von 14 Tagen ein Erstgespräch angeboten. Jedoch, so steht es im Jahresbericht, hat sich die Wartezeit zwischen dem Erstgespräch und der kontinuierlichen Weiterberatung verlängert. So mussten 22,5 Prozent der Ratsuchenden länger als ein Vierteljahr auf Folgetermine warten. 2019 hatten sich mit steigender Tendenz Familien in Krisensituationen in den Beratungsstellen angemeldet, bei denen das Angebot einer zeitnahen Hilfe notwendig war. „Damit erklärt sich, dass mehr Klienten als zuvor innerhalb eines Monats einen Folgetermin oder auch mehrere erhielten, was sich allerdings negativ auf die Gesamtzahlen auswirkt“, erklärt Filthaut.

Doch was verbirgt sich hinter den Zahlen? Der Beratungsstellenleiter sagt: „Ungebrochen hoch ist der Anteil der Familien, die uns vor, während oder nach einer Trennung beziehungsweise Scheidung aufsuchen.“ In diesem Bereich werde deutlich, dass es zwar Gruppenangebote für Kinder gebe, allerdings keine für die Erwachsenen. „Es fehlt vor allem so eine Art Crashkurs, in dem es darum geht, die Bedürfnisse der Kinder zu berücksichtigen.“ Nach dem Vorbild Dänemarks, wo Paare erst geschieden werden, wenn sie die Teilnahme an einem Informationskurs nachweisen, möchte das Caritasteam ein solches Seminar auf freiwilliger und kostenfreier Basis initiieren.

Eine Neuerung des vergangenen Jahres zielt ebenfalls auf die Bedürfnisse von Kindern ab. „TreffSicher“ richtet sich jedoch an Eltern mit psychischen Erkrankungen, besteht aus zwölf Treffen und wird an vielen Standorten in Deutschland und der Schweiz bereits realisiert.

Auch Kinder sind bereits spielsüchtig

Auffällig im Bericht 2019: Die Anzahl spielsüchtiger Kinder und Jugendlicher steigt. Sie sitzen jedoch nicht an Automaten in Spielhallen, sondern vor Computern, sind also auch medienabhängig. „Dabei ist immer exzessiveres Spielen in den meisten Fällen nicht das Grundproblem, sondern die Konsequenz aus bereits bestehenden, ungünstigen Faktoren. Jugendliche, die sich immer mehr hinter ihren Bildschirm zurückziehen, geben an, sich im realen Leben überfordert, niedergeschlagen, gescheitert, hässlich oder isoliert zu fühlen. Diesen schlechten Gefühlen setzen insbesondere Onlinespiele etwas entgegen, indem sie Spielern unmittelbare Anerkennung, Motivation und Erfolgserlebnisse liefern“, erklärt Torsten Filthaut. Auch deswegen haben er und seine Kollegen sich im vergangenen Jahr an einer speziellen Schulung rund um dieses Thema „fit“ machen lassen.

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