Handwerk

Iserlohner Charlie Bücker lässt mit Erfolg Torten sprechen

Bernd Bücker freut sich sehr, dass sein Sohn Charlie gewonnen hat und hofft jetzt, dass er auf Bundesebene mehr Glück hat als er 1987.

Bernd Bücker freut sich sehr, dass sein Sohn Charlie gewonnen hat und hofft jetzt, dass er auf Bundesebene mehr Glück hat als er 1987.

Foto: Lehmann

Iserlohn/Koblenz.  32 Jahre, nachdem sein Vater den Landeswettbewerb der Konditoren in NRW gewonnen hat, war Charlie Bücker in Rheinland-Pfalz erfolgreich.

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An seinen allerersten Besuch in der Backstube kann sich Charlie Bücker gar nicht erinnern. Kein Wunder, war er doch schon wirklich von ganz klein auf mit seinem Opa Karl-Heinz und seinem Vater Bernd dort, wo bis heute im Hause Spetsmann all die süßen und auch pikanten Köstlichkeiten entstehen. Und der Wunsch, diese auch einmal selber beruflich herzustellen, war auch schon sehr früh da. Die ersten Schritte, um die 80-jährige Familientradition fortsetzen zu können, hat der junge Iserlohner, der heute seinen 23. Geburtstag feiert, jetzt getan, und zwar mit genauso großem Erfolg wie sein Vater vor 32 Jahren: Nach der bestandenen Gesellenprüfung im Mai hat Charlie Bücker nun den Landes-Leistungswettbewerb der Konditoren von Rheinland-Pfalz gewonnen.

Während Bernd Bücker 1987 seine Ausbildung in Herne im Café Wiacker gemacht und dann beim Landesentscheid in Bielefeld erfolgreich war, ist sein Sohn für die Ausbildung nach Rheinland-Pfalz gegangen, und zwar ins Café Baumann. Denn das gehört wie auch das Café Spetsmann seit mehr als 20 Jahren dem Erfa-Kreis, einem Vergleichsring, in dem die Konditoren sich austauschen und aus dem 2014 der „Innovationskreis deutscher Konditormeister“ hervorgegangen ist, besser bekannt als „Selektion 1774“. Und gute Tradition ist es auch, dass die zwölf darin verbundenen Meister ihre eigenen Söhne zur Ausbildung zu den Kollegen schicken, gehören sie alle doch zu den führenden der Branche in ganz Deutschland. Und nachdem Jean-Paul Warnecke seinen Sohn Felix bis vor zwei Jahren von Bernd Bücker ausbilden ließ, ging Charlie jetzt nach Koblenz.

Von Koblenz aus waren auch die Heimspiele auf Schalke drin

„Auch weil der Betrieb ungefähr so groß ist wie unserer und man auch dort noch komplett alles selber herstellt.“ Spezialität des Hauses seien übrigens die Schokoladentafeln mit Firmenlogos, für die die Formen selber hergestellt werden. Zudem, und auch das sei nicht verschwiegen, bot die Distanz von 200 Kilometern Charlie Bücker die auch gern von ihm genutzte Möglichkeit, seiner Fußball-Fan-Leidenschaft zu frönen und bei den Heimspielen auf Schalke dabei zu sein. Im Mittelpunkt seiner vergangenen drei Lebensjahre standen aber die Grundlagen des Konditoren-Handwerks – mitsamt der Notwendigkeit, auch mal um ein Uhr morgens mit der Arbeit in der Backstube zu beginnen –, und die erlernte Charlie Bücker aber so gut und gründlich, dass er letztlich mit nur einem Punkt Abstand zur landesweit besten Kollegin die Gesellenprüfung ablegte und sich dadurch für den Wettbewerb qualifizierte. Dass der Landesentscheid diesmal bei der Handwerkskammer in Koblenz stattfand, kam ihm gelegen, konnte er sich so auch noch mal in seinem Ausbildungsbetrieb auf den entscheidenden Tag vorbereiten.

„Hörst du das Gras wachsen?“ lautete das Motto des Wettbewerbs, übrigens nicht nur für die vier Teilnehmer aus den drei Kammerbezirken in Rheinland-Pfalz, sondern bundesweit, so wie auch die Anforderungen die gleichen sind, um die selben Ausgangsvoraussetzungen für den Bundeswettbewerb zu schaffen. In acht Stunden mussten zwei Mousse-Torten, je zehn Hohlkörper-, Schnitt- und „aufdressierte“ Pralinen, zwei verschiedene Marzipanfiguren in jeweils dreifacher Ausfertigung sowie 15 „Fours“ hergestellt werden. Zur Motto-Frage durften sich die Teilnehmer hingegen schon vorher Gedanken machen und Charlie Bückers Antwort lautete: „Ich höre das Gras wachsen und lasse Torten sprechen.“ Aber nicht nur die: Für das Schaustück, den Blickfang des Wettbewerbsbeitrags, besorgte er sich zuvor im Internet eine Modellhand aus der Schmuckbranche und ein Silikonohr, die die Formen für die lauschenden Körperteile aus Schokolade wurden.

Das Wichtigste beim Wettbewerb sei dann die erste halbe Stunde gewesen: „Wenn man weiß, was man tut, nimmt das einiges an Nervosität, und dann läuft das schon.“ Und so war er am Ende sogar eine halbe Stunde früher mit den „Maracuja-Mousse-Torten mit Himbeerspiegel und Mandelboden“, mit Sahne-Amaretto-, Knuspernougat- und Grand Marnier-Pralinen und den süßen „Fours“, die man ohne Messer und Gabel mit nur zwei Bissen genießen können muss, fertig und überzeugte damit die Jury auf ganzer Linie. Vom 16. bis 19. November steht nun der Bundeswettbewerb in Bielefeld an, und da möchte es Charlie Bücker aber nicht so machen wie einst sein Vater. Denn der hatte nach dem Landessieg richtig Pech auf Bundesebene, als ihm eine Viertelstunde vor Abgabeschluss die Torte ins Rutschen geriet und nicht mehr zu halten war. . .

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