Coronavirus

Iserlohner Chefärztin: „Kinder brauchen andere Kinder“

Leere Kita-Flure: Für die Jüngsten bedeutet die Schließung der Einrichtungen auch die Gefahr, wichtige Fortschritte in der Entwicklung zu verpassen.

Leere Kita-Flure: Für die Jüngsten bedeutet die Schließung der Einrichtungen auch die Gefahr, wichtige Fortschritte in der Entwicklung zu verpassen.

Foto: Sina Schuldt / dpa

Iserlohn.  Dr. Jila Schauerte hält Kita- und Schulöffnungen für unerlässlich, da sonst Schäden drohen.

Geschlossene Kindertagesstätten und Grundschulen – diese Entscheidung zu Beginn der Corona-Krise war aus Sicht von Dr. Jila Schauerte richtig. Doch jetzt würde sich die Chefärztin der Kinderklinik am evangelischen Agaplesion-Krankenhaus Bethanien wünschen, dass die Einrichtungen schnellstmöglich wieder komplett geöffnet würden.

„Ich finde es relativ gewagt, kein Augenmerk auf die psychische Gesundheit von Kindern zu legen“, sagt sie. Und: „Kinder brauchen andere Kinder!“ Auch wenn die Jüngsten keinen Wirtschaftsfaktor darstellten, so seien sie schließlich „unsere Zukunft“. Der fehlende Kontakt zu Gleichaltrigen könne beispielsweise Entwicklungsverzögerungen nach sich ziehen. Und Dr. Jila Schauerte sieht auch die Gefahr häuslicher Gewalt. „Auf psychischer Ebene. Der Geduldsfaden reißt eben schneller, wenn die ganze Familie über längere Zeit nur zusammenhockt.“ Oder wenn neben dem Homeoffice auch noch die Aufgaben für Grundschulkinder zu beaufsichtigen seien. Aus ihrem Freundeskreis weiß die Medizinerin von Müttern, die derzeit kaum zum Schlafen kommen, weil sie Kinderbetreuung, Homeschooling und die eigene Arbeit unter einen Hut bekommen müssen.

Kleine stecken sich bei Großen an

„Wenn schon keine Kontakte in Kitas oder Grundschulen möglich sind, dann sollten Treffen mit Freunden oder Spielplatzbesuche ermöglicht werden“, sagt sie. Jila Schauerte spricht sich jedoch deutlich für einen schnellstmöglichen Übergang in den „Normalbetrieb“ der Einrichtungen für die Kleinsten aus. Denn einerseits gebe es erste Studien unter anderem aus Island, die zeigten, dass sich Kinder fast ausschließlich bei Erwachsenen mit dem Coronavirus ansteckten und nicht umgekehrt. Und wenn es tatsächlich zur Infektion komme, würden Kinder deutlich weniger Symptome zeigen als Erwachsene. „Es kommt auch auf die Viruslast an, die in Ischgl sehr hoch gewesen muss. Von Kindern geht eher eine geringe Last aus“, so die Chefärztin.

Im Bethanien-Krankenhaus habe es bisher einen kleinen Patienten, der sich mit Corona infiziert hatte, gegeben. Doch der Befund sei eher zufällig gestellt worden: Das Kind wurde wegen eines bestehenden Stoffwechseldefekts eingeliefert, kurz zuvor habe es Fieber gehabt. Daher sei es auf Corona getestet worden. Der Verlauf sei jedoch unauffällig gewesen, so dass der Patient schnell in die häusliche Quarantäne entlassen werden konnte.

Lockdown war anfangs richtig und wichtig

Daher wünscht sich Dr. Jila Schauerte, selbst Mutter zweier Söhne, dass „Kinder erstmal zu Kitas und Grundschulen zugelassen werden, und dass man dann guckt, was passiert“. Dass der Lockdown anfangs sinnvoll war, um die Neuinfektionen zu bremsen, stehe außer Frage, aber jetzt müsse es schnell wieder für die Mädchen und Jungen losgehen.

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