Coronakrise

Iserlohner Handelshaus gehen die Cantuccini nicht aus

Oliver Angenendt (re.) und Robin Ochmann im Lager ihres Unternehmens in Sümmern:  Der Backwaren-Nachschub aus Italien funktioniert trotz Corona-Krise ohne große Probleme, obwohl das Land stark betroffen ist.

Oliver Angenendt (re.) und Robin Ochmann im Lager ihres Unternehmens in Sümmern: Der Backwaren-Nachschub aus Italien funktioniert trotz Corona-Krise ohne große Probleme, obwohl das Land stark betroffen ist.

Foto: Tölle Studios

Iserlohn.  Das Sümmeraner Unternehmen Aktuell Vertriebs-GmbH vertreibt italienische Gebäckspezialitäten. Lieferprobleme mit der Importware gibt es nicht.

Cantuccini, Amarettini, Grissini – wer diese italienischen Spezialitäten in deutschen Supermärkten kauft, weiß oftmals nicht, dass die Ware zu einem großen Anteil aus dem Ursprungsland auf dem Umweg über Sümmern die Regale erreicht hat. „Sicherlich 75 bis 80 Prozent kommen von uns“, sagt Oliver Angenendt, zusammen mit Robin Ochmann Geschäftsführer der Firmen Aktuell Vertriebs-GmbH und der Vertriebsagentur OSM mit Sitz in Sümmern. Bekannter dürfte der Markenname von einem der von ihnen vertriebenen Produkte sein: Belli Cantuccini. 60 bis 65 Prozent ihres Sortimentes, schätzt Angenendt, kommen aus Italien und dort hauptsächlich aus Norditalien – und damit aus dem mittlerweile am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Land.

Doch das Geschäft mit den süßen oder salzigen Knabbereien – allesamt haltbare Produkte, die man auch bevorraten kann – läuft entgegen möglicher Erwartungen mit nur geringen Einschränkungen weiter. „Die große Herausforderung ist eigentlich die Logistik, also die Ware von Italien nach Deutschland zu bekommen“, erzählt Oliver Angenendt. Zwar haben in Italien alle nicht lebensnotwendigen Produktionsbetriebe mittlerweile schließen müssen, doch für die Lebensmittelindustrie gelten Ausnahmen. „Die haben produziert“, sagt der Diplom-Ökonom, der noch am Sonntag direkten Kontakt zu seinen Geschäftspartnern hatte und von einer ganz engen Zusammenarbeit trotz des Ausnahmezustandes im gesamten Land berichtet. Angenendt spricht von sieben bis acht Familienunternehmen, deren Produkte mithilfe der Iserlohner in die Regale der Lebensmittelhändler kommen. „Die Italiener tun ihr Möglichstes. Sie erleben das schon über Wochen“, sagt Angenendt.

„Die kriegen es trotzdem noch gewuppt, die Produktion am Laufen zu halten.“ Bei 80 Prozent der Bestellungen laufe es problemlos, bei den übrigen komme es zu Verzögerungen von drei bis fünf Tagen bei der Lieferung, jedenfalls derzeit.

Den Aufwand im Hintergrund kennen die beiden Chefs nicht

Auch wenn die Geschäftsführer durchaus wissen, wie die von ihnen vertriebenen Produkte hergestellt werden – über die aktuelle Lage in den Betrieben haben sie keine Kenntnis, berichtet Oliver Angenendt. „Wir kommunizieren auf Inhaberebene“, sagt er. Sicherlich sei vieles automatisiert, doch welcher Aufwand im Hintergrund nötig ist, um den Betrieb am Laufen zu halten, um die Schichten in der Produktion zu besetzen, kann er nicht sagen.

Rund 25 Lastzüge wöchentlich bringen die schon beim Hersteller fix und fertig verpackten Spezialitäten in das Lager in Sümmern, von wo sie den Weg zu den Verteilzentren der Handelsketten antreten. Beim Transport von Italien nach Iserlohn arbeiten die Geschäftsführer Angenendt und Ochmann mit der Letmather Spedition Winner zusammen, was Angenendt als „große Unterstützung“ bezeichnet, weil das Unternehmen alles daran setze, die Waren termingerecht zu befördern, teilweise auch auf der Schiene. Doch habe es auch schon an den Grenzen lange Wartezeiten gegeben. Allerdings, so Angenendt weiter, sorgten die logistischen Voraussetzungen auch für erhöhte Kosten.

Auf die veränderte Situation durch die Coronakrise reagiert die Firma Aktuell scheinbar antizyklisch. „Wir nehmen deutlich mehr Ware ab“, sagt Oliver Angenendt. Und das Unternehmen bekommt sie auch. Die Hersteller in Italien belieferten langjährige Partner wie die Sümmeraner bevorzugt und ließen stattdessen kleinere Aufträge erst einmal liegen. So entsteht ein Warenpuffer, um für den Einzelhandel lieferfähig zu bleiben. Dafür hat die Aktuell Vertriebs-GmbH extra ein externes Lager angemietet.

Angenendt stellt nicht nur eine gute Nachfrage nach süßem Gebäck fest, auch Brot und brotähnliche Produkte – etwa Grissini-Stangen, Mini-Hamburger-Brötchen oder Bio-Baguettebrote aus seinem Sortiment – würden offensichtlich derzeit mehr gekauft. „Der Handel ist froh über jede Lieferung“, sagt der Geschäftsführer und berichtet davon, dass sich die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel derzeit besonders partnerschaftlich gestalte. Vertragsstrafen, die sonst gegebenenfalls fällig werden, wenn Ware nicht zum bestellten Zeitpunkt geliefert wird, seien ausgesetzt worden. Und das ziehe sich durch die gesamte Handelslandschaft. Alles würde für die Versorgungssicherheit getan, bei Süßem und Salzigem aus Italien ebenso wie andernorts bei den Grundnahrungsmitteln. Leere Regale in den Läden seien nur Momentaufnahmen, sagt Angenendt. „Wir können da nur unseren Beitrag leisten.“

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