Corona-Pandemie

Iserlohner Kliniken: Ohne Indikation kein Test

e Intensivstation des St.-Elisabeth-Hospitals wird derzeit für Corona-Patienten frei gehalten – es laufen nur geplante Operationen, für die keine Intensivbehandlung erforderlich ist.

e Intensivstation des St.-Elisabeth-Hospitals wird derzeit für Corona-Patienten frei gehalten – es laufen nur geplante Operationen, für die keine Intensivbehandlung erforderlich ist.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Die Notaufnahmen der Iserlohner Krankenhäuser unterschiedlich hoch belastet.

Einen dringenden Appell richtet das evangelische Agaplesion-Krankenhaus Bethanien zum Wochenende an die Bürger. „Bei fehlender medizinischer Indikation dürfen wir Sie nicht auf Corona testen!“ Das ist auf einem Flyer zu lesen, der eigens gedruckt wird, um das medizinische Personal zu entlasten. Getestet werden dürfen in Kliniken nur diejenigen, die Kontakt zu Infizierten hatten, aus einem Risikogebiet zurückgekehrt sind oder eindeutige Symptome aufweisen.

Bethanien-Sprecherin Tine Droste betont im Gespräch mit unserer Zeitung, dass dies eine Vorgabe und keine hauseigene Entscheidung sei. Die Notaufnahme sei dieser Tage durch besorgte Bürger dermaßen überlastet, dass die Mitarbeiter sich während ihres achtstündigen Dienstes mehr durch Telefonate als durch die Behandlung „normaler“ Notfälle gebunden seien. Für Nachfragen rund um die Pandemie rät sie zu Anrufen beim Gesundheitstelefon des Märkischen Kreises (02351/9667272), bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (116117) oder beim NRW-Gesundheitsministerium (0211/91191001).

Regeln sind teils hart,aber unumgänglich

Täglich haben sich die Bethanien-Verantwortlichen dieser Tage getroffen, um die neuesten Entwicklungen abzusprechen. „Wir sind nach wie vor gut vorbereitet, haben bisher ausreichend Material und bislang keine bestätigten Corona-Fälle im Haus“, erzählt Tine Droste. Die Situation im durch das Besuchsverbot „leeren“ Haus sei gespenstisch, aber auch dieser Schritt sei eben erforderlich gewesen. Es gebe nur ganz wenige Ausnahmen, in denen Besucher eingelassen würden. Wenn eine Frau ein Kind zur Welt bringe, dürfe der Partner selbstverständlich dabei sein. Danach allerdings müsse auf Telekommunikation ausgewichen werden. „Das ist richtig, richtig schlimm, das wissen wir. Aber in der Regel werden die Frauen ja nach 48 Stunden wieder entlassen“, weißt Tine Droste um die harten Regeln, die die derzeitige Situation erfordere.

„Wir wollen Besucher, Patienten und Mitarbeiter schützen“, betont die Sprecherin. Das Team sei sehr motiviert und engagiert, verzichte beispielsweise freiwillig auf freie Tage oder biete den sonst eher unüblichen Wechsel auf andere Stationen an.

Anders als in der Bethanien-Notaufnahme stellt sich aktuell die Lage im St.-Elisabeth-Hospital dar. Dr. Markus Berghoff, Ärztlicher Direktor der Katholischen Kliniken im Märkischen Kreis und auch zuständig für deren Mendener Haus, sagt: „In der Notaufnahme ist weniger los, die Menschen haben wohl Angst.“ Doch diejenigen, die kämen, würden zu seiner Verwunderung teils dicht gedrängt stehen.

„Mit Augenmaß“wird operiert

Seit dem letzten Gespräch mit der Heimatzeitung habe sich in den beiden katholischen Krankenhäusern nicht viel geändert. „Wir haben zwei Infektionsbereiche ausgewiesen: Verdachtsfälle kommen in die gelbe Zone, und bestätigte Fälle – davon hatten wir bisher noch keinen – in die rote Zone“, erklärt Dr. Berghoff. Weiterhin würden geplante Operationen, die nicht intensivpflichtig sind, „mit Augenmaß“ vorgenommen. „Ruhig und gut vorbereitet“ seien die Mitarbeiter der beiden Häuser. Doch Dr. Berghoff weiß auch: „Man kann nur bis zu einer gewissen Kapazität planen. Bis jetzt haben wir im Märkischen Kreis noch Glück gehabt, aber man weiß ja nicht, wie sich die Zahlen entwickeln.“

Die immer wiederkehrende Frage, warum nicht das Marienhospital reaktiviert werde, beantwortet Dr. Berghoff mit dem Hinweis, dass vor allem fehlendes Personal ein Ausschlusskriterium sei. „Ich könnte keine Abordnung dorthin schicken, dann müssten wir andere Abteilungen schließen“, erklärt er. Ausreichend Material wie Schutzmasken oder Desinfektionsmittel sei bei den Katholischen Kliniken im Märkischen Kreis dagegen vorhanden.

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