Kirche

Iserlohner Pfarrerin mit großem Fest verabschiedet

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Mit einem Präsentkorb und außerdem noch mit einem Gips-Abdruck der „Fußspuren“, die Pfarrerin i. R. Helga Dietz in der Maria-Magdalena-Gemeinde hinterlassen hatte, dankten das Presbyterium, Pfarrerin Watermann (re.) und Pfarrer Christian Meyer (2. v. li.) der Ruheständlerin.

Mit einem Präsentkorb und außerdem noch mit einem Gips-Abdruck der „Fußspuren“, die Pfarrerin i. R. Helga Dietz in der Maria-Magdalena-Gemeinde hinterlassen hatte, dankten das Presbyterium, Pfarrerin Watermann (re.) und Pfarrer Christian Meyer (2. v. li.) der Ruheständlerin.

Foto: Torsten Lehmann / IKZ

Iserlohn.  2020 war Helga Dietz offiziell entpflichtet worden, jetzt sagte die Maria-Magdalena-Gemeinde noch mal Dank mit einem großen Fest.

Das war schon ein Bild mit Symbol-Charakter: Groß aufgefahren hatte die Maria-Magdalena-Gemeinde am Freitagabend in der Iserlohner Heide.

Hatte ein Festzelt für 200 Gäste und einen Bierwagen aufgebaut – auch für das Gemeindefest zum „50+1“-jährigen Bestehen des Martin-Luther-King-Hauses, das am nächsten Tag unter anderem mit Musik von „!jaSicher“, mit Spielen für Kinder und einem Lagerfeuer begangen wurde.

Vor allem aber war das ganze Drumherum am Vorabend inklusive Büfett, Musik von Andy Schade und Gästen sogar aus der Elias-Partnergemeinde in Berlin dazu da, um eine wirklich verdiente Pfarrerin nach 32 Jahren in der Gemeinde und einem Jahr nach ihrer offiziellen Entpflichtung noch mal im großen Rahmen angemessen in den Ruhestand zu verabschieden. Und was macht Helga Dietz, die an diesem Abend ja im Mittelpunkt stehen soll? Sie setzt sich kurz vor Beginn des insgesamt mehr als zweistündigen Programms kurzerhand einfach an den Rand einer der Bierbänke und fragt so bescheiden wie sie ist: „Ist hier noch Platz?“

Dass es ihr stets nicht um sie selbst, sondern in besonderer Weise um die Menschen in ihrer Gemeinde

ging, die Zuspruch, Trost und Hilfe brauchen – das war schon bei der Entpflichtung durch Superintendentin Martina Espelöer im September 2020 deutlich geworden, und das zog sich auch jetzt wie ein roter Faden durch die Reden. „Du warst vor allem den Menschen nahe und hast viele sehr einfühlsam begleitet“, sagte Pfarrer Christian Meyer. Das Leid anderer habe sie immer sehr bewegt. Ohne jedes Ansehen der Person sei sie denen „immer mit viel Mitgefühl und auf Augenhöhe begegnet“. Gerade der Hombruch, wo manche in schwierigen Verhältnissen und in Einsamkeit leben würden, habe ihr immer sehr am Herzen gelegen. Neben unzähligen Besuchen auch in Krankenhäusern und Altenheimen habe sie sich vor allem auch in der Flüchtlingsarbeit stark engagiert und maßgeblich 2017 das Kirchenasyl im Martin-Luther-King-Haus für einen älteren Mann aus Aserbaidschan mitorganisiert. „Du warst dir auch nie zu schade, handfest mit anzupacken an ganz vielen Stellen“, sagte Meyer und betonte, dass Helga Dietz vielen, und auch ihm in vielem, ein Vorbild sei. „Du hast deinen Pfarrdienst immer mit großer Ernsthaftigkeit und Verantwortung, aber auch immer mit ganz viel Freude ausgeübt“, verwies er auf die humorvolle Seite der Pfarrerin: „Die gehörte einfach zu dir.“

Von der bekamen die Gäste später auch noch zwei Kostproben: bei einer knapp vierminütigen Rede, die Helga Dietz nur mit Wörtern gestaltete, die mit ihren Initialen beginnen, und beim Duett mit ihrem Kollegen Pfarrer i. R. Gerhard Zywitz. Zur Melodie von „Atemlos“ präsentierte „Die Rentnergang“ „Voll relaxt“. Wobei direkt klar war, dass das gar nicht ihr neues Lebensabschnittsmotto ist, da unter anderem das Engagement als Mentorin im „NesT“-Projekt für Flüchtlinge weiter bzw. jetzt erst richtig losgeht. „Wir können dankbar sein, eine so tolle Pfarrerin so lange hier in der Gemeinde haben zu dürfen“, stellte Christian Meyer fest und fand es „wunderbar“, dass Helga Dietz auch künftig in der Heide wohne.

„Du hast hier Spuren hinterlassen und wirst es auch weiterhin tun“, freute sich Meyers Kollegin Gabriele Watermann. Und sie wusste auch, warum Helga Dietz so gut zuhören könne: „Das Ohr am Menschen zu haben in der Seelsorge“, hätten sie beide in der Predigerausbildung bei Peter Bunkowski in Wuppertal gelernt, wo Dietz zu einem der ersten Jahrgänge gehörte und Watermann im letzten dabei war. Helga Dietz habe dazu eine „riesengroße Begabung“: „In der Gegenwart von ihr fühlt man sich so wohl, dass man auch bereit ist zu erzählen.“ Sie verwies noch einmal darauf, dass Helga Dietz der Gemeinde seinerzeit zu ihrem weiblichen Namen verholfen habe. „Auch wenn sich das vielleicht ein wenig komisch anhört: Man merkt, dass die ganze Gemeinde deinen Geist atmet, merkt, wie du hier segensreich und prägend gewirkt hast. Wir sind dir sehr denkbar.“

David Bastian, Leiter des Quartierstreffs und Vorsitzender der Stadtteilgemeinschaft, verwies auf die Gemeinsamkeiten ihrer beider, niederschwelligen Arbeit: „Wir möchten Menschen verbinden, Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten beseitigen und kämpfen für eine bessere Welt – alle drei Dinge hast du mit deinem Wirken in diesem Stadtteil ein gutes Stück nach vorne bringen können.“ Karl-Heinz Markiewicz betonte für die katholische Nachbargemeinde ihre Verdienste um die Ökumene, und noch weitere Redner schilderten in teils persönlichen Worten, was sie mit Helga Dietz verbindet und das für immer.

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