Corona-Krise

Iserlohner Tafel-Unterstützer sollen sich bitte melden

Um so wenig Kontakt wie möglich zu haben, reichen die Helfer, die aus Eigen- und Fremdschutz mit Gesichtsmaske und Einmalhandschuhen ihre Arbeit verrichten, die Tüten aus den Fenstern des künftigen Pubs heraus.

Um so wenig Kontakt wie möglich zu haben, reichen die Helfer, die aus Eigen- und Fremdschutz mit Gesichtsmaske und Einmalhandschuhen ihre Arbeit verrichten, die Tüten aus den Fenstern des künftigen Pubs heraus.

Foto: Michael May / IKZ

Iserlohn.  Die „Iserlohn hilft“ verzeichnet immer mehr Bedürftige und braucht daher dringend Lebensmittel.

Wie sehr die Hilfe gebraucht wird, merken die rund 15 Ehrenamtlichen immer schon früh an den drei Ausgabetagen pro Woche. „Der Erste fragte schon um 12.30 Uhr nach. Eine halbe Stunde später warteten dann schon welche auf der Straße, und schließlich haben wir, weil der Andrang immer größer wurde, schon deutlich früher als 14.30 Uhr angefangen, die ersten Tüten rauszureichen“, berichtete Sylvia Olbrich.

Gemeinsam mit Martin Luckert und Svenja Finke (Fridays for Future/Friedensplenum) hat die sonst in der Flüchtlingshilfe Engagierte „Iserlohn hilft“ ins Leben gerufen. Seit knapp zwei Wochen bieten sie damit in einer WhatsApp- sowie in einer Facebook-Gruppe (mit Stand gestern fast 1300 Mitgliedern) in der Corona-Krise nicht nur ein Forum für Nachbarschaftshilfe, sondern verteilen aus den Räumen des künftigen Pubs „The New Crown“ auch Lebensmittel an die Kunden der Iserlohner Tafel, die bekanntlich seit zehn Tagen geschlossen ist. Jeweils rund 100 Tüten vor allem mit Obst, Gemüse, Brot und Molkereiprodukten aus 20 Geschäften wurden bislang pro Ausgabetag zunächst an einem anderen Ort gepackt und dann an der Oststraße 32 verteilt. „Die Kunden zeigen zumeist von sich aus direkt ihren Tafel-Ausweis“, erzählt Svenja Finke. „Und man spürt stets, wie dankbar die Menschen für diese Unterstützung sind“, ergänzt Martin Luckert.

Kunden können mit „Kauf eins mehr“-Aktion helfen

Das große Problem sei jetzt allerdings, dass sich das Hilfsangebot immer mehr herumspreche und der Zustrom an Kunden immer größer werde – die Tafel versorgte schließlich regelmäßig bis zu 1500 Iserlohner, Letmather und Hemeraner –, zugleich aber die Lebensmittel-Menge nicht mehr zunehme, im Gegenteil. „Wir bitten daher noch einmal dringend alle Geschäfte, die sonst von der Tafel angefahren werden, sich bei uns zu melden, damit wir während der ,CariTa­sche’-Schließung diese Aufgabe übernehmen können“, sagt Martin Luckert. Auch Gastronomen, die jetzt nicht mehr öffnen dürften bzw. würden, aber noch verderbliche Ware abzugeben haben, sollten sich bitte unter 0176/ 21972564 (Sylvia Olbrich), 0179/8255196 (Svenja Finke) oder 01590/ 6139970 (Martin Luckert) melden.

Mit einer neuen Aktion hat indes Lebensmittel-Händler Paul Nowak in seinem „Marktkauf“ an der Osemundstraße und seinem „Edeka“ in Letmathe darauf reagiert, dass auch er aktuell an die Initiative leider weniger als sonst an die Tafel abzugeben habe. Weil eben viel mehr gekauft werde. „Generell ist genug Ware da“, kann Nowak beruhigen. „Es rollt nur nicht so wie gewohnt“, verweist er zugleich auf einen der vielen Vorteile des sonst grenzenlosen Europas. „Kauf eins mehr“ lautet die Bitte an seine Kunden, die die Sachen an der Information zugunsten von „Iserlohn hilft“ abgeben können. Für den Kaufmann mit dem großen Herz ist die Unterstützung der Tafel seit 2009 nicht nur Ehrensache: „Das ist doch Nachhaltigkeit pur, wenn ich das, was meine Kunden nicht mehr kaufen oder ich nicht mehr an den Mann bringen kann, was aber dennoch viel zu schade zum Wegwerfen ist, so zur Verfügung stelle.“ Und er geht natürlich mit gutem Beispiel voran und verspricht Martin Luckert bei der Abholung der Waren zusätzlich unter anderem eine größere Menge Schokolade zu Ostern: „Denn wir müssen doch dafür sorgen, dass die Menschen nicht das Lächeln aus dem Gesicht verlieren.“

Wie wichtig die Unterstützung von „Iserlohn hilft“ ist, betont Tafel-Kundin Elvira Löhr. Die 62-Jährige, die früher als Reinigungskraft bei der Stadt gearbeitet hat, an der Lungenkrankheit COPD leidet und Hartz IV bekommt, ist mit den letzten Lebensmitteln aus der Tafel bis jetzt „so eben über die Runden“ gekommen und nun sehr dankbar für die Hilfe. Und sie findet es vor allem toll, wie viele junge Menschen sich bei der Initiative engagieren. Das hat auch der WDR so gesehen und aus dem Helferteam Christian Kiangala ausgewählt, der stellvertretend den Ehrenamtspreis „Ehrwin“ überreicht bekam. Zu sehen ist das am Samstag, 28. März, um 19.30 Uhr in der landesweiten Lokalzeit-Ausgabe.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben