Wirtschaft

Iserlohner Unternehmer hat Ärger in Leipzig

Heinrich Schnatmann, Vorstand des Internationalen Bildungs- und Sozialwerkes in Hennen, betreibt Einrichtungen mit 1800 Beschäftigten. In Leipzig hat der Iserlohner Ärger, weil er Kindertagesstätten verkauft. Foto:Frank Jungbluth

Heinrich Schnatmann, Vorstand des Internationalen Bildungs- und Sozialwerkes in Hennen, betreibt Einrichtungen mit 1800 Beschäftigten. In Leipzig hat der Iserlohner Ärger, weil er Kindertagesstätten verkauft. Foto:Frank Jungbluth

Iserlohn.   Beim Internationalen Bildungs- und Sozialwerk hadert Vorstandschef Schnatmann mit seinen Filialen.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tochterunternehmens in Leipzig war es ein Schock: Die Post aus der Zentrale der Iserlohner Unternehmensgruppe „Internationales Bildungs- und Sozialwerk“ war unerfreulich. 100 Beschäftigte von drei Kindertageseinrichtungen in der sächsischen Messestadt müssen am 31. Juli gehen. Sie verlieren ihre Arbeit. Für Heinrich Schnatmann, Vorstandschef des Sozialwerkes und Betreiber des Senioren-Wohnheimes St. Martin in Hennen, ist es ein „normaler Vorgang“, wenn ein Geschäftsbetrieb endet, eine GmbH „liquidiert wird“, wie er sagt.

In Leipzig dagegen ist der Protest lautstark, und Cornelia Falken, Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Leipzig spricht von „Einschüchterungsversuchen aus Iserlohn“ und „mehr als fragwürdigen Methoden“ beim Umgang des Bildungs- und Sozialwerkes mit den Beschäftigten.

„Auch die Eltern sind aufgebracht, seit klar ist, dass die Einrichtungen aufgegeben werden sollen“, sagt Gewerkschafterin Falken. 600 Kinder sind betroffen, und die Medien in Leipzig befürchten, dass die Kleinen demnächst auf der Straße stehen müssten. „Wir haben zahlreiche Bewerbungen für die Übernahme der Einrichtungen. Ich bin sicher, dass wir bald zu einer guten Entscheidung kommen“, sagt der Iserlohner Vorstandschef Heinrich Schnatmann. Der emeritierte Professor (67) lebt seit 40 Jahren in Iserlohn. Er stammt aus dem Münsterland und hat seit der Wende ein weitverzweigtes Unternehmensgeflecht mit Standorten in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen aufgebaut. 1800 Beschäftigte zählt er zusammen. „Die Geschäfte gehen gut, wir eröffnen demnächst eine Einrichtung für Senioren in Essen, weitere Standorte sind geplant“, sagt er.

Die Gewerkschaftsvorsitzende Falken bezweifelt das. „Ich vermute, dass hinter der Auflösung des Geschäftsbetriebes in Leipzig auch stecken kann, dass es eine finanzielle Schieflage des Gesamtunternehmens gibt“, erklärt sie.

Für den Iserlohner Unternehmer Schnatmann ist das kein Thema. „Ich muss mich sehr wundern. Wir konzentrieren uns auf andere Aufgaben. Kindertagesstätten werden nicht mehr Bestandteil unseres Unternehmens sein.“

Der Versuch, einen Betriebsrat für die Einrichtungen in Leipzig zu gründen, sei der Anfang des Konfliktes gewesen, will GEW-Bezirksvorsitzende Falken wissen. „Wir haben mit der Unternehmensspitze von da an nur noch über Anwälte gesprochen. Man wollte die Betriebsratswahlen behindern und verhindern. Deshalb, so glaubt Falken, wolle Schnatmann die Filialen in Sachsen loswerden. „Die Stadt“, sagt sie, „wird so vor große Probleme gestellt. Man kann nicht so einfach neue Plätze schaffen oder die Einrichtungen reibungslos übergeben. Deshalb sind die Eltern der 600 Kinder auch in großer Sorge.“

Auffällig sei, so Falken, dass es in keiner Einrichtung des Internationalen Bildungs- und Sozialwerkes einen Betriebsrat gebe. Das stimmt, sagt Vorstand Schnatmann. Man habe aber überall Sprecher des Personals, mit denen man rede.

Von einer kurzfristigen Aktion bei der Auflösung der Trägergesellschaft für die Kindertageseinrichtungen in Leipzig, so Schnatmann in Hennen, könne allerdings keine Rede sein. „Wir haben das zuständige Jugendamt der Stadt Leipzig vor einem halben Jahr informiert. Ich habe den Eindruck, die Botschaft ist dort nicht angekommen.“

Schnatmanns Unternehmen, das seinen Ursprung und die Zentralverwaltung in Leipzig hat, vereinigt gut 50 Einrichtungen unterschiedlichster Art in Deutschland. In Thüringen betreibt man Berufsförderungszentren unter der Dachmarke „Kyffhäuser Bildungs- und Sozialwerk e.V.“, in Bad Frankenhausen sogar eine höhere Berufsfachschule. Arbeitslose mit Behinderungen werden qualifiziert und vermittelt, außerdem hat sich das Unternehmen auch auf die Therapie autistischer Kinder spezialisiert.

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