Brauerei

„Iserlohner“ wird abgebaut

Die Gärtanks der Iserlohner Brauerei werden in die Ukraine verkauft.

Foto: Privat

Die Gärtanks der Iserlohner Brauerei werden in die Ukraine verkauft. Foto: Privat

Iserlohn.   12 Gärtanks zu je 2500 Hektoliter werden aus der stillgelegten Brauerei abgebaut. Sie werden in die Ukraine verfrachtet. Uman Piwo gärt darin.

Während man hier bei uns nur noch in Erinnerungen an das herbe, süffige Blonde aus Iserlohn schwelgen kann, knallen in Uman im Oblast Tscherkassy im Zentrum der Ukraine die Kronkorken. Zwölf alte Gärtanks aus der Iserlohner Brauerei, die hier 30 Jahre lang zuverlässig unser Iserlohner vergoren haben. Künftig kommt aus diesen Tanks, wenn sie die 3800 Kilometer weite Reise unbeschadet überstanden haben, ukrainisches Blondes mit Iserlohner Ursprung, wie Christian Rolinck, im Prinzip Nachlassverwalter der Reste der Brauerei, berichtet.

Rolinck sagt, es bereite ihm nach wie vor Wehmut, wenn er die Einzelteile der Iserlohner Brauerei peu à peu verschwinden sieht. Aber das Geschäft mit dem Ausschlachten der Anlagen im Grüner Tal ist eben auch eines für jene wie Rolinck, die vor einigen Jahren die Konkursmasse übernommen haben.

Seit das dubiose China-Geschäft geplatzt ist und die wertvollsten Reste aus der alten Brauerei verwertet werden, ist auch dem letzen Nostalgiker unmissverständlich klar, dass außer Lagerhallen nichts bleiben wird.

„Ich finde es immer noch schade, dass man den Iserlohnern ihr Bier nicht zurückgeben konnte“, sagt Christian Rolinck. Aber er weiß auch – Bier braucht Heimat und Regionalität und dafür seien die Kapazitäten der Iserlohner Brauerei am Ende viel zu groß gewesen.

Zwölf Tanks werden von schweren Kränen auf Tieflader gehievt. Die treten dann die lange Reise über eine gute Woche an, bis sie bei Uman Pivo ankommen.

Dort freut man sich auf die Iserlohner Tanks, denn das Unternehmen Uman Pivo (Uman Bier) wächst seit Jahren, nicht zuletzt mit deutscher Unterstützung und jetzt auch Ausrüstung aus der Traditionsbrauerei. Eine solche ist Uman Pivo ebenso. Vier Kaufleute aus der ukrainischen Stadt gründeten 1878 die Uman-Brauerei, 1899 waren es 27 Iserlohner, die sich an der Gründung der Privatbrauerei Iserlohn beteiligten. 1901 wurde das erste Bier ausgestoßen. Der Rest ist – leider – Geschichte.

Schwierige Zeiten hat man auch bei Uman Pivo hinter sich. Im Moment schwelt der Bürgerkrieg im Land. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Brauerei zerstört und nach dem Wiederaufbau 1944 hat das Unternehmen Kommunismus, Übergangszeit, Kampf um die Unabhängigkeit vom großen Nachbarn Russland und den Bürgerkrieg überstanden; inzwischen blüht Uman Pivo. Deutsche Braukunst, Investitionen und Expertise aus dem Mutterland des Bieres haben Uman Pivo zum einem globalen Spieler im schäumenden Markt gemacht.

Abschied auf Ratengeht leider weiter

Dazu kommen jetzt die Gärtanks aus Iserlohn, mit deren Produktion die Ukrainer weiter wachsen wollen. In Uman im Oblast Tscherkassy wird inzwischen auch Bier im Auftrag deutscher Produzenten gebraut, auch Limonade wird abgefüllt, dazu irische Spezialitäten, Cidre und seltsam anmutende Spezialitäten wie „Waissburg Red Ale“ – was künftig in den Tanks aus Iserlohn gärt – jeder fasst 2500 Hektoliter – wird vielen verschiedenen Zungen schmecken. „Unsere Spezialitäten gewinnen regelmäßig Preise“, äußert man sich selbstbewusst bei den Brauern in der Ukraine. In Iserlohn geht der Abschied auf Raten von der guten, alten Brauerei unterdessen weiter. „Wir wollen die Flaschenwaschanlage noch verkaufen. Der Durst des Marktes ist groß, auch auf Gutes aus Iserlohn.“

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