Ehrenamt

Iserlohnerin mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

Thomas Gemke, Landrat des Märkischen Kreises, überreichte Daniela Ressel das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Thomas Gemke, Landrat des Märkischen Kreises, überreichte Daniela Ressel das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Foto: Carolin Meffert / IKZ

Iserlohn.  Daniela Ressel engagiert sich seit ihrem 19. Lebensjahr in der Aids-Hilfe. Jetzt wurde sie für ihre Ehrenamt gewürdigt.

Am Tag vor Heiligabend im vergangen Jahr kam der Brief von Landrat Thomas Gemke, dass Daniela Ressel das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens, kurz das Bundesverdienstkreuz, für ihr Engagement in der Aids-Hilfe verliehen bekommt. Eine große Überraschung für die 46-jährige Iserlohnerin. Denn dass ihr Mann sie für diese Auszeichnung empfohlen hatte, davon hatte sie nichts gewusst. „Ich war sehr verwundert, als ich gelesen habe, dass mir das Verdienstkreuz überreicht werden soll“, berichtet Daniela Ressel gut eine Woche vor der Verleihung im Gespräch mit unserer Zeitung und lacht. Aufgeregt auf die Verleihung ist sie allemal.

Daniela Ressel hat ihr ehrenamtliches Engagement 1993 begonnen, im Alter von 19 Jahren, als sie von Ostdeutschland ins hessische Wetzlar zog. „Ich habe etwas gesucht, wo ich mich ein bisschen ehrenamtlich engagieren kann, und da bin ich dann damals in die Aids-Hilfe Gießen gekommen.“ Und das auch aus Interesse an dem Virus selbst, denn etwa zur gleichen Zeit stieg sie in ihren Beruf als Medizinisch-Technische-Laborassistentin ein.

Als sie sich der Aids-Hilfe in Gießen anschloss, wurde gerade ein Besuchsdienst für die HIV-Station im Gießener Uniklinikum aufgebaut. Es ist eine kleine Station mit sieben bis zehn Betten. Ein Mal in der Woche kommt Daniela Ressel her, um die Patienten dort zu besuchen, mit ihnen zu sprechen oder spazieren zu gehen.

Eine sehr prägende Zeit für die damals 19-Jährige, die teilweise ziemlich erschüttert war von den Geschichten, die ihr erzählt wurden. „Ich sage immer, dass ich mit der Aids-Hilfe erwachsen geworden bin“, resümiert sie. Durch ihre Arbeit in der Selbsthilfe hat sie viele Leute kennengelernt, die sie sonst wohl nicht kennengelernt hätte. „Das waren ganz unterschiedliche Typen mit wahnsinnigen Lebensgeschichten. Das hat mich damals schon beeindruckt und auch geprägt.“ Das habe aber auch ihre Sicht auf die Menschen verändert. „Man guckt Menschen anders an, weil man auch weiß, das hinter den Menschen eben oft auch wahnsinnig viel Geschichte steckt“, erklärt Daniela Ressel.

Als junge Frau in die Aids-Hilfe mit einzusteigen, war nicht selbstverständlich. „Wenn ich erzählt habe, dass ich für die Aids-Hilfe arbeite, kam oft die Frage, hast du Aids?“ Denn viele hätten sich nicht vorstellen können, dass jemand „normales“ in der Selbsthilfe arbeitet. Auch die Betreuung im Krankenhaus an sich war für Daniela Ressel nicht immer einfach. „Was ich so hart fand war, dass teilweise gestandene Menschen plötzlich so zerfallen oder auch vom Kopf her nicht mehr so sind, wie sie es einmal gewesen waren.“

Hilfe beim Ausbau einer Online-Beratung

Knapp zehn Jahre später zog Daniela Ressel nach Iserlohn und trat der Aids-Hilfe Hagen bei, um ihr Ehrenamt weiter zu führen. Zunächst war sie hier in der Telefonberatung tätig. 2006 hat Daniela Ressel dann das Angebot von der Deutschen Aids-Hilfe bekommen in die Online-Beratung mit einzusteigen. Die Deutsche Aids-Hilfe hatte ein entsprechendes Projekt bundesweit auf den Weg gebracht. Mehrere hundert Anfragen bearbeitet Daniela Ressel jährlich abends und am Wochenende zu den Themen Übertragungswege, Schutzmöglichkeiten und HIV-Test. Da das Gesundheitsamt in Hagen die HIV-Testberatung an die Aids-Hilfe abgegeben hatte, half sie ebenfalls bei der Organisation und Umsetzung von Testabenden. „Dadurch, dass ich Medizinisch Technische Laborassistentin bin, habe ich die Testabende fachlich betreut“, berichtet sie. Zudem wurden die Hilfesuchenden an den Testabenden intensiv beraten lassen.

Gesellschaftlich habe sich das Thema HIV gewandelt. „Ich glaube, Aids hat so ein bisschen von seinem Schrecken verloren“, schätzt Daniela Ressel ein. „Im Endeffekt ist es eine Krankheit, die man gut behandeln kann, auch wenn sie nicht heilbar ist. Unter den Medikamenten ist man ja auch nicht mehr infektiös, so dass man ganz normal weiter leben kann.“

Gewürdigt wurde ihr ehrenamtliches Engagement schließlich am Donnerstagvormittag im Danzturm im Beisein ihrer Familie, Freunde und Wegbegleiter. „Ich fühle mich wahnsinnig geehrt“, sagt sie in ihrer Dankesrede. Als Daniela Ressel vor drei Jahren schwanger wurde, hat sie ihr Engagement für die Aids-Hilfe einschränken müssen. Das soll aber nicht so bleiben. „Ich möchte auf jeden Fall wieder zurück kommen.“

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