Ein Samstag in Iserlohn

Ja wo laufen sie denn?

Samstagvormittag: Auf dem Alten Rathausplatz ist es leer.

Samstagvormittag: Auf dem Alten Rathausplatz ist es leer.

Foto: Stefan Drees / IKZ

Iserlohn.  Die Appelle, Menschansammlungen zu meiden, fruchten. In der Iserlohner Innenstadt ist es am Samstag leer geblieben.

Es ist Samstag, kurz vor 11 Uhr. Im Herzen der Iserlohner Innenstadt. Das ist normalerweise die Zeit, in der das Leben pulsiert. Die, die gerne auch samstags ein wenig früher zum Einkaufen kommen, sind dann in der Regel noch vor Ort. Und diejenigen, die samstags gerne eine Stunde länger schlafen, strömen gerade Richtung City. Und nun? Mein Besuch beginnt am Parkhaus City. Ein „Reiter“ in der Einfahrt verrät: „Für Kurzparker geschlossen“.

Als Dauerparker habe ich Glück, bekomme auf Ebene 3 den Parkplatz, von dem ich sonst nur träumen kann. Am Aufzug steht: „Außer Betrieb“. Nun sind gerade die dortigen Exemplare sehr störanfällig, aber auch hier handelt es sich wohl um eine Corona-Maßnahme. Unerwünschte Begegnungen in einer engen Fahrstuhlkabine sollen wohl unterbunden bleiben. Ich betrete die Unnaer Straße in Höhe Katzenpoth. Mit Blickrichtung Alter Rathausplatz sehe ich ganze drei Menschen, für einen kleinen Moment ist es dann wenig später sogar „menschenleer“, das ist wörtlich zu verstehen. Am Alten Rathausplatz angekommen schwankt dort die „Besucherzahl“ zwischen zehn und maximal 15 Personen – Grüppchenbildung absolute Fehlanzeige, die wenigen Menschen verteilen sich über die Weite des Platzes. Und auf der „Wermingser“, Lebensader der Stadt und an einem „normalen“ Samstagvormittag rappelvoll? Das Bild ist ähnlich, ganz wenige Menschen, im Prinzip könnte man jedem, der einem entgegenkommt, „Guten Tag“ sagen.

Plexiglasscheibenauf der Theke

Die meisten Geschäfte haben geschlossen, so soll, so muss es ja auch sein. Auch Geschäfte, die eigentlich noch geöffnet haben könnten, bleiben zu. Ein Beispiel ist die „Nordsee“. Bei vielen Geschäften, beispielsweise den Optikern oder Hörakustikern, hängen Zettel an der Tür. Man solle nur einzeln eintreten, nur ein Kunde werde gleichzeitig bedient. Die Realität: Meistens ist überhaupt kein Kunde in Sicht. Mehr zu tun haben da schon die Apotheken. Einen „Ansturm“ gibt es aber auch dort nicht. Die Mitarbeiter versuchen sich ein wenig zu schützen, Plexiglasscheiben stehen auf der Theke, die sie und den Kunden vor „Tröpfchenaustausch“ schützen sollen.

Ganz diszipliniert geht es bei der Bäckerei Kamp zu. Drei Kunden warten draußen vor der Tür, jeweils mit zwei Meter Abstand zueinander. Das wäre doch ein Foto, denke ich mir. Frage freundlich, bekomme aber ein „Nein“ zu hören“. Ich habe natürlich Verständnis, gehe die „Wermingser“ weiter hoch. Hier steht Gregor Rinke in der „Grillkabine“ vor seiner Metzgerei. Ich will wissen, wie es denn so läuft. Normalerweise würde Herr Rinke wohl sagen: „Das ist im Moment ganz schlecht, kommen Sie vielleicht in zwei Stunden noch einmal vorbei.“ Aber Herr Rinke hat Zeit, viel Zeit. Er muss nur ab und zu die Würstchen und Frikadellen wenden, die irgendwie einfach nicht weniger werden wollen. Das sei den ganzen Morgen schon so. „Es ist ruhig, die Leute befolgen wohl die Appelle.“ Auch drinnen in der Metzgerei ist es für einen Samstagvormittag auffällig ruhig. Rinke hofft nun, dass er mit seinem Essens-Lieferdienst etwas punkten kann. Und als ich gehe, verkauft er doch noch eine Wurst.

Nun geht es in die Laarstraße. Richtung unterem Schillerplatz wird es etwas belebter. Der Wochenmarkt rückt ins Blickfeld. Gemessen an meinen bisherigen Eindrücken könnte man fast sagen: „Hier tobt der Bär.“ Aber Elke Hornkamp am Obst- und Gemüsestand relativiert sofort. Im Vergleich zum Samstag zuvor sei alles bereits viel ruhiger. Durch die geschlossenen Geschäfte fehle jegliche Laufkundschaft. Es geht gesittet zu an ihrem Stand. Andernorts stehen schon mal zwei drei Kunden etwas dichter zusammen, unterhalten sich. Was auffällt: Ältere Menschen, denen ja in Corona-Zeiten die besondere Sorge gilt, scheinen die Szenerie in der Innenstadt zu dominieren. Das gibt schon etwas zu denken.

„Normalerweise isthier jetzt volles Haus“

Bisweilen sieht man auch Passanten mit Mundschutz. Das ist aber absolut die Ausnahme. 11.45 Uhr, ich werfe mal einen Blick bei „Koch am Markt“ rein. Das zahlenmäßige Verhältnis Servicepersonal zu Gästen erscheint sehr vorteilhaft. Drei Gäste sind es, die Gerda und Wolfgang Koch zu diesem Zeitpunkt bewirten. „Normalerweise ist hier jetzt volles Haus“, sagt Wolfgang Koch, „der Samstag ist normalerweise unser bester Tag.“ Schwierige Zeiten seien das, meint er. Seit dem letzten Dienstag sei es kontinuierlich bergab gegangen. Gastwirte und Geschäftsleute würden wohl Hilfe benötigen. In diesem Zusammenhang lobt er Marc Tillmann von der Werbegemeinschaft. Der sei sehr aktiv und versuche, etwas auf den Weg zu bringen.

Und weiter geht es. In der Wasserstraße werfe ich einen kurzen Blick in die Von-Scheibler-Straße und stutze. Entlang einer langen Hauswand gibt es eine Art Schlange. Auch hier halten die Menschen reichlich Abstand, höchstens Pärchen stehen gemeinsam beieinander. Erst auf Nachfrage verstehe ich den Grund dieser „Ansammlung“: Ziel der Begierde ist ein Fenster, an dem „Fuchs + Hase“ Essen außer Haus verkauft. Ich frage erneut, ob ich ein Foto machen kann. Als ich versichere, dass das keine „Nahaufnahme“ werden würde, kommt mir ein allgemeines Nicken entgegen. Ich schieße ein Foto, gehe dann rein, frage nach dem Chef. Nach einiger Zeit kommt eine Mitarbeiterin zurück, sagt, der habe im Moment keine Zeit. Auch hier habe ich größtes Verständnis, die Leute draußen sollen meinetwegen ja nicht noch länger warten. Später meldet sich Alexander Duling telefonisch. Berichtet, Hintergrund für den Andrang sei ein beworbener Abverkauf gewesen.

Ein großes Fragezeichenvor meinen Augen

Unterwegs habe ich Blicke in einige Friseursalons werfen können. Einige haben komplett geschlossen. Es sind aber auch welche dabei, wo Kunden fast waagerecht liegend das volle Programm über sich ergehen lassen. Auch da macht sich ein großes Fragezeichen vor meinen Augen breit.

Es geht zurück in die Redaktion, die Eindrücke sollen schließlich zeitnah verarbeitet werden. Ich bin mittlerweile seit über 30 Jahren bei der Heimatzeitung an Bord. Alles nur noch Routine? Davon kann ich dieser Tage nichts spüren.

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