Historisches

„Jaguar 8“ stürzt am Wixberg ab

Die Trümmer des Flugzeuges liegen zerstreut im Wald. Sie werden teils erst am 26. Juli von einem 50-köpfigen Bergungskommando eingesammelt.

Die Trümmer des Flugzeuges liegen zerstreut im Wald. Sie werden teils erst am 26. Juli von einem 50-köpfigen Bergungskommando eingesammelt.

Foto: IKZ-Archiv / IKZ

Iserlohn/Kesbern.  Bewohner der umliegenden Orte fordern ein Tiefflugverbot und zeigen sich verängstigt.

Es ist der 18. Juli 1979, 12.47 Uhr, als ein britischer Düsenjäger des Typs „Jaguar 8“ beim Tiefflug über Iserlohn im unwegsamen Waldgelände am Nordhang des Rolländer Kopfes oberhalb der Lenne total zerschellt. Die Heimatzeitung berichtet, dass der Pilot sich mit einem Schleudersitz retten kann.

Als Absturzursache wird offiziell angegeben, das Flugzeug habe mit dem Leitwerk den Fernsehumsetzer auf dem 443 Meter hohen Wixberg gestreift und die Spitze „rasiert“. Dabei soll das Leitwerk abgerissen worden sein. Eine noch sichtlich vom Absturz gezeichnet Augenzeugin erklärt: „Das Flugzeug kam direkt auf uns zu.“ Die Ungewissheit, was denn nun wirklich passiert sei, prägt auch die Reaktion der Menschen an der Unfallstelle. Die „Stille Post“-artige Verbreitung der Nachricht führt zu den absurdesten Gerüchten, unter anderem ist von „einem Toten und einem Schwerverletzten“ die Rede. Das überträgt sich auch auf die Helfer an der Unfallstelle, die weiträumig abgesperrt wird.

Pilot hat Glück im Unglück

Fest steht: Der „Jaguar“ hat auf dem 1,6 Kilometer langen Weg vom Wixberg bis zur Absturzstelle bereits Teile verloren. Beim Aufprall im Wald ist das Kampfflugzeug, das nach Angaben des zuständigen britischen Verbindungsoffiziers aus Gütersloh lediglich mit Übungsmunition ausgerüstet war, in unzählige Teile zerschellt. In Nachrodt ist sogar eine Kette von Detonationen zu hören. Jedoch erklärt eine zuverlässige Quelle, es habe sich scharfe Munition unter den Beweisstücken befunden.

Der Pilot ist ein 25-jähriger Fliegerhauptmann von der 14. Staffel der RAF-Airbase in Brüggen bei Mönchengladbach. Als der Rettungswagen mit Notarzt Dr. Aumann ihn in einem Kornfeld einige hundert Meter nordwestlich der Ortschaft entdeckt, ist der Pilot wohlauf. Er hat leichte Verbrennungen am Kinn und Schürfwunden im Gesicht, wird dennoch sofort ins britische Militärhospital nach Iserlohn gebracht, weil ein Schock folgen könnte. Von Iserlohn aus wird er in ein Spezialhospital der Royal Air Force verlegt, weil er über leichte Rückenschmerzen klagt.

Experten erklären, der Fliegerhauptmann verdanke sein Leben der Tatsache, dass der „Jaguar“ mit einem Martin-Schleudersitz, der Piloten bis zu 200 Meter durch die Luft schleudere, ausgestattet war.

Betriebe unterbrechen die Produktion

Während an der Unfallstelle gearbeitet wird, entwickelt sich die B236 zwischen Letmathe und Altena zur „Haupttribüne“ für Schaulustige. Autofahrer halten an, Firmen unterbrechen den Betrieb.

Tags darauf teilt das britische Hauptquartier der Rheinarmee auf Anfrage der Heimatzeitung mit, ein Ergebnis läge in vier bis zwölf Wochen vor. Die 14. Staffel habe den Auftrag gehabt, Tiefflüge über dem Lennetal zu üben. Das Bundesverteidigungsministerium erklärt, dass dicht besiedelte Gebiete nicht überflogen werden sollten. Die Briten hätten unterstrichen, dass der Absturz nicht durch die Berührung mit dem Fernsehturm zustande gekommen sei. Der leitende Offizier der Bundesluftwaffe zeigt sich verwundert, dass die „Kernstadt Iserlohn so oft überflogen“ wird. Das Hemeraner Verteidigungskommando ist davon überzeugt, dass der Absturz „noch ein Nachspiel“ haben werde.

Ein 73-jähriger Iserlohner beklagt am Tag nach dem Absturz, fast von einem 25 Kilo schweren Verkehrsschild erschlagen worden zu sein, das sich wegen der Luftwellen des Tieffliegers an der Hans-Böckler-Straße gelöst haben soll. Da er einen Hut trug und die Platte ihn mehr oder weniger waagerecht getroffen hat, ist dem Senior nicht mehr passiert als ein Riesenschock.

Stimmen werden laut, die ein Verbot von Tiefflügen fordern, die Bewohner von Lössel sind beunruhigt. Am 27. Juli berichtet die Heimatzeitung, dass ein Bergungskommando mit 50 britischen Soldaten rund um die Unfallstelle aufgeräumt hat.

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