Bürgerradio

„Jah Lion“-Jubiläumsparty wird nachgefeiert

Die beiden leidenschaftlichen Reggae-Bürgerradio-Macher Hakan Ekemen (li.) und Stefan Schmidt mit dem Sänger Roughhouse (Mi.) auf einer Party in Iserlohn.

Die beiden leidenschaftlichen Reggae-Bürgerradio-Macher Hakan Ekemen (li.) und Stefan Schmidt mit dem Sänger Roughhouse (Mi.) auf einer Party in Iserlohn.

Foto: Privat

Iserlohn.  Seit 30 Jahren machen die Iserlohner Bürgerfunker Reggae-Sendungen in der Reihe „Jah Lion“.

„30 Jahre on air. Damit ist die Reggae-Sendung „Jah Lion“ des Förderverein Lokalfunk Iserlohn eine der ältesten deutschen Radiosendungen für diese spezielle Musikrichtung“, weiß ihr Gründervater Hakan Ekemen (57). „Wegen Corona können wir sie nicht mit einer großen Party feiern. Aber das holen wir nach.“ Aber im Bürgerradio ist heute Abend auf den Frequenzen von Radio MK ein Rückblick zu hören. Moderator Stefan Schmidt blickt ab 21.04 Uhr in einer Sondersendung auf 30 Jahre „Jah Lion“ zurück. In der einstündigen Reggae Show spricht er mit fast allen ehemaligen Moderatoren und dem Gründer von „Jah Lion Radio“, Hakan Ekemen.

Es begann alles vor 30 Jahren mit der Entstehung des Lokalfunks in NRW. Als Radio MK am 13. Mai 1990 startete, war auch die Stunde des Bürgerfunks gekommen – und damit von Jah Lion Radio. Damals sah Hakan Ekemen seine Chance gekommen. Der leidenschaftliche Reggae-Fan wollte dieser damals für viele Menschen noch fremden Musik mit einer Radiosendung zu größerer Bekanntheit verhelfen.

Britische Reggae-Sendung war das große Vorbild

Animiert wurde er auch durch die britische Reggae-Sendung „Rodigan‘s Rockers“, die damals auf BFBS, dem Sender der britischen Streitkräfte, lief und die er regelmäßig hörte. Der Iserlohner studierte damals Journalistik in Dortmund und brachte somit schon Radioerfahrung mit. An die erste „Jah Lion“-Sendung erinnert sich Hakan Ekemen genau: „Es war die Lebensgeschichte von Bob Marley, die ich in einer Stunde dokumentierte.“

Danach folgten etliche Sendungen, in der er neue Reggae-CDs vorstellte und Interviews präsentierte, die er auf Konzerten und Festivals aufnahm. Diese Erlebnisse teilte er zwar mit vielen Radiohörern, doch etwas fehlte ihm: „Ich wollte die schönen Geschichten, die ich erlebte, auch direkt und live mit jemandem teilen. So kam ich auf die Idee, meinen Freund Constantinos Tsismetsis mit ins Boot zu nehmen.“ Der Grieche ist auch ein leidenschaftlicher Reggae-Liebhaber und willigte damals ein, so dass es bei „Jah Lion“ mit einer Doppel-Moderation weiterging.

Einige Jahre präsentierte das Duo einmal im Monat alles rund um den Reggae, bis Constantinos aus privaten Gründen ausschied. Denn er war zugleich bildender Künstler und wollte sich wieder mehr seiner Malerei widmen.

Ein Ersatz war aber schnell mit einem anderen Freund gefunden: Carsten Baroth. Dieser erinnert sich: „Ich mochte Reggae sehr, hatte aber keine Ahnung vom Radio. Aber Hakan brachte mir das alles bei.“ Auch mit ihm wurden viele Sendungen gemeinsam produziert, bis dann Hakan Ekemen selbst nicht mehr weitermachen konnte: „Aus beruflichen Gründen, sagt er, „weil ich Redakteur beim WDR wurde und keine Zeit mehr für mein Hobby hatte.“

Der Abschied fiel ihm zwar schwer, aber er wusste, dass „seine“ Sendung in guten Händen war. Im Laufe der Jahre wechselten die Moderatoren bei „Jah Lion“. So führte nach Carsten Baroth, den es nach Mallorca zog, Christian Schäfer die Sendung weiter. Er weiß noch, dass die Produktionsbedingungen damals alles andere als leicht waren. „Mit Kassetten aufzunehmen und mit Bandmaschinen zu schneiden war sehr mühselig. Nicht zu vergleichen mit dem Schneiden heute am Computer.“

Auf Christian Schäfer folgte Rene Zucker, der die Sendung fast zehn Jahre moderierte. Heute sagt er lachend: „Auch ich war Laie und brauchte für die Produktion der ersten Sendungen mehrere Stunden, manchmal bis in die Nacht.“ In der Zeit von Rene Zucker wurde auch das „Jah Lion Radio-Soundsystem“ gegründet: „Wir wollten unsere Reggaemusik nicht nur im Radio, sondern auch live vor Publikum präsentieren.“ Fortan gab es regelmäßige Partys, auf denen Rene Zucker, Christian Schäfer und Stefan Schmidt in Iserlohn auflegten – lange Zeit im „Abendrot“, „Café Täglich“ und im „Alba’s“.

Regelmäßige Partys und Konzerte mit „Jah Lion Radio“

Heute noch finden im „Lion“ Reggae-Partys und -konzerte mit „Jah Lion Radio“ statt. Manchmal ist als Gast-DJ auch der ehemalige „Jah Lion“-Gründer Hakan Ekemen dabei. Auch auswärts tritt das Iserlohner Soundsystem bei Konzerten und Festivals wie etwa dem Summerjam in Köln auf. Doch im Mittelpunkt steht die Reggae-Show, für die seit 2011 Stefan Schmidt zuständig ist. Damals übernahm er mit seiner besten Freundin Neusa Fernandes die Moderation. Doch nach knapp zwei Jahren verstarb die Portugiesin plötzlich. „Das war ein schwerer Schicksalsschlag für alle, aber ihr zu Ehren machte ich alleine weiter.“

Und das bis heute jeden ersten Montag im Monat um 21.04 Uhr auf den Frequenzen und im Livestream von Radio MK. Am Stil der Sendung hat sich kaum etwas geändert. Zu Wort kamen darin im Laufe der Jahre wahre Reggae-Größen wie die Marley-Söhne Ziggy, Julian und Ky Mani, dann Shaggy, Gregory Isaacs, Gentleman, Patrice und und und . . . Der Initiator und Gründer von „Jah Lion“ ist darauf sehr stolz. „Wunderbar, dass es die Sendung nach 30 Jahren immer noch gibt. Ich bin allen Moderatoren sehr dankbar, dass sie mein Werk so toll weitergeführt haben. Ich bin natürlich ein Stammhörer von Jah Lion!“ Und auch die Reggae-Fans wünschen sich natürlich, dass es mit der Show noch lange weitergeht.

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