Musik

Jazzklänge treffen in Iserlohn auf liturgische Begleitung

Iserlohn. Auf den ersten Blick passen die beiden Instrumente, die am Wochenende in der Bauernkirche aufeinandertrafen, nicht so recht zueinander: einerseits das Saxophon als Gallionsfigur des Jazz und der Unterhaltungsmusik und andererseits die Kirchenorgel, eher durch liturgische Begleitung und als Konzertinstrument des Barocks und der Romantik bekannt. Auf den zweiten Blick war das Konzert von Wim Wollner am Saxophon und Hanns-Peter Springer an der Orgel der Bauernkirche der Beweis, dass die Kombination dieser beiden Instrumente sehr reizvoll, anregend und vielfältig gestaltet sein kann.

Kombination aus Saxophon und Kirchenorgel nicht neu

Die Kombination „Kirchenorgel/Saxophon“ ist jedoch gar nicht so neu, denkt man zum Beispiel an die legendäre und prägende CD „Antiphone-Blues“ der Schweden Arne Domnerus und Gustav Sjökvist aus dem Jahr 1974. Dass etliche Duos in der Folgezeit diese Anregungen mit Begeisterung aufnahmen, ist wiederum nicht verwunderlich, kann sich das Saxophon als Holzblas- und Zungeninstrument doch elegant in die unter anderem auch auf Zungenregistern basierende Registratur der Kirchenorgel einfügen, diese ergänzen, aber auch durch die Vielfalt der Klangmöglichkeiten einer Kirchenorgel wiederum selbst eine wertvolle Bereicherung erfahren.

Die stilistische Unterschiedlichkeit der Instrumente spiegelt sich ebenfalls in den Werdegängen und Schwerpunkten der Musiker dieses Konzerts wieder. Auf der einen Seite Saxophonist, Komponist und Arrangeur Wim Wollner, beheimatet in der Dortmunder Jazzszene und durch viele Tourneen insbesondere in den Niederlanden aber auch europaweit als kreativer Improvisator weit herumgekommen, auf der anderen Seite Kirchenmusikdirektor Hanns-Peter Springer, allen Iserlohnern bestens bekannt als Organist, Chorleiter, eher dem „klassischen“ Musikgenre zugeneigt, der aber im Grunde, als prägende und treibende Kraft der gesamten heimischen Musikszene, immer auch ein offenes Ohr für die unterschiedlichsten Strömungen und auch unorthodoxe Kooperationen jeglicher Couleur hat - und dies auch immer wieder aktiv umsetzt.

So war es nicht verwunderlich, dass die Zuhörer, natürlich unter Coronabedingungen, ein stilistisch weitreichendes Programm erwartete. Dessen Titel „Let us break bread together“, das gleichnamige Spiritual sowie die Eigenkomposition Wim Wollners „Thanksgiving Song“ knüpften zunächst noch einmal an die Erntedankzeit an.

Von einfühlsamen Melodien bis swingenden Tönen

Sehr einfühlsam mit weichem, oft „softigem“ Ton zauberte Wollner sowohl auf dem Tenor- als auch auf dem Alt- und Sopransaxophon Melodien und Improvisationen von Spirituals und aus dem Jazz in den Kirchraum während Hanns-Peter Springer der Orgel immer wieder auch swingende und bluesige Töne entlockte.

Etwas akademischer oder besser notenorientierter, jedoch nicht minder emotional und packend, ging es bei den Werken von Erik Satie, Marc Berthomieu und Gabriel Fauré zu, allesamt Komponisten an der Schwelle zwischen Romantik, Moderne und Jazz. Natürlich braucht ein Saxophonist auch schon einmal eine (Atem-)Pause. Diese nutzte Springer, um die immensen Klangmöglichkeiten der Grenzing-Orgel durch das von rasanten südamerikanischen Rhythmen geprägte „Rondo alla Latina“ von Hans-André Stamm und zwei Monologe von Josef Rheinberger virtuos vorzuführen.

Publikum findet zögerlich zum üblichen „Applaus-Modus“

Das Publikum fand zu Beginn, aber auch während des Konzerts, nur zögerlich zum üblichen „Applaus-Modus“ – trotz offensichtlicher Begeisterung am Schluss. Sollte uns die auch während der Vorträge zu tragende Maske als Symbol der Pandemie vielleicht bereits unterschwellig hemmen und einen Teil unserer Begeisterungsfähigkeit für solch begeisternde Musik genommen haben?

Zumindest sollte es ein kleiner Fingerzeig dahingehend sein, dass gerade in dieser Krise derartige Konzerte, auch unter erschwerten Bedingungen, dringend notwendig sind, um unsere Offenheit für ästhetische Genüsse zu erhalten und uns nicht zu sehr von den aktuellen Schlagzeilen und den daraus entstehenden Ängsten dominieren zu lassen. Derartige Konzerte tun gerade jetzt gut und bieten dringend benötigte ‚Nahrung für die Seele‘, für die Hanns-Peter Springer und Wim Wollner mit ihrem Konzert sorgten.

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