Haushalt der Stadt

„Jetzt ist die Zeit, um zu gestalten“

Michael Wojtek ist seit 2016 Stadtkämmerer

Michael Wojtek ist seit 2016 Stadtkämmerer

Foto: Michael May

Iserlohn.   291 Millionen Euro groß ist der Haushalt der Stadt Iserlohn fürs nächste Jahr. Trotz Defizit wird in die Zukunft der Stadt investiert.

Michael Wojtek (42) ist seit 2016 Kämmerer der Stadt Iserlohn. Der Familienvater ist bekennender Anhänger der Dortmunder Borussia, in Bochum geboren und als Diplomkaufmann der Herr der Zahlen im Rathaus. Im Gespräch mit der Heimatzeitung erklärt er, wie hoch die Schulden der Stadt sind, warum es wichtigere Ziele als einen ausgeglichenen Haushalt gibt, und wo 2019 am meisten Geld in der Stadt investiert wird.

Das Loch im Haushalt war im Oktober mit 8,5 Millionen Euro kalkuliert, wie groß wird es wirklich?

Michael Wojtek: Wir haben geschafft, dass es am Ende nur etwas mehr als vier Millionen Euro sein werden, die uns für einen ausgeglichenen Haushalt 2019 fehlen. Der Ausgleich muss selbstverständlich immer das Ziel sein. Auf der anderen Seite leben wir in einer Zeit, die ideal ist für Investitionen, die nötig sind für die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt. Die Zinsen sind niedrig, die Fördertöpfe von Bund und Ländern voll. Man sollte Notwendiges deshalb auch jetzt umsetzen und das Geld dafür einplanen.

Die Steuereinnahmen sprudeln, trotzdem wird der Ausgleich schwieriger. Woran liegt das?

In den vergangenen Jahren war das sicher einfacher, weil die Steuereinnahmen sich im guten wirtschaftlichen Umfeld durchweg positiv entwickelt haben. Wenn man die Konjunktur kennt, weiß man, dass auch wieder schwierigere Zeiten kommen werden, insofern mache ich mir mit Blick auf 2019 weniger Sorgen als über die Prognose für die Jahre danach.

Der Haushaltsentwurf hat ein Volumen von 291 Millionen Euro, so viel, wie noch nie. Wofür wird 2019 am meisten Geld ausgegeben?

Investitionen in die Schulen bleiben ein wichtiges Thema, auch die Innenstadtentwicklung. Für die Gesamtschule Seilersee ist Ausstattung anzuschaffen, das sind gut zwei Millionen Euro; darüber hinaus müssen wir dort die Voraussetzungen schaffen, damit der Verkehr – wie zum Beispiel auch der Busverkehr – reibungslos läuft und es genug Parkplätze gibt. Für dieses Verkehrskonzept sind etwas mehr als vier Millionen Euro geplant. Für die städtische Gesamtschule und die Grundschule Nußberg mit dem Teilstandort in Gerlingsen nehmen wir in 2019 für Planung eine halbe Million in die Hand, für die Grundschule Sümmern sind weitere 517.000 Euro eingeplant, für die Grundschule auf der Emst 2,4 Millionen, für das Gymnasium an der Stenner 353.000 und für die Kita Schloss Einstein 638.000 Euro für einen neuen Gruppenraum – wir investieren also einiges für gute Schulen und Kindergärten.

Die Personalkosten steigen auf 73 Millionen Euro im nächsten Jahr ...

Das ist richtig, aber kaum zu beeinflussen. Wir haben Aufgaben, die wir erfüllen müssen, es ist nicht seriös, einfach zu sagen, hier kann man einsparen. Eine Verwaltung, die mehr als Daseinsvorsorge zum Ziel hat, muss auch investieren und wir erleben heute schon, dass es nicht leichter wird, Fachkräfte zu finden. Wenn wir einen Buchhalter für die Kämmerei brauchen, konkurrieren wir mit der Industrie, die beinahe das doppelte Gehalt anbieten kann. Ich weiß, dass auch Fachleute in der Bauverwaltung fehlen. Wir sind an einigen Stellen verpflichtet, Personal einzustellen, für den Rettungsdienst zum Beispiel, weil uns der Märkische Kreis diese Aufgabe übertragen hat.

243 Millionen Euro Schulden lasten auf der Stadt. Kann man das jemals zurückzahlen?

Durch gemeinsame Anstrengungen von Politik und Verwaltung ist der Haushalt in den vergangenen Jahren konsolidiert worden, trotzdem müssen und wollen wir auch in Zukunft wichtige Investitionen für unsere Stadt tätigen. Die Frage ist theoretisch. Wir tilgen heute acht Millionen Euro im Jahr. Wir würden 30 Jahre abzahlen müssen und dürften nichts mehr investieren. Das ist ausgeschlossen.

Der Schillerplatz, die Innenstadt wird 2019 ein wichtiges Thema?

Das ist richtig, wir haben dafür knapp 25 Millionen Euro eingestellt. Der Architektenwettbewerb ist für 2019 geplant, deshalb haben wir auch investive Mittel für den Platz und die Brücke eingestellt. Straßensanierungen und -unterhalt sind mit vier Million Euro eingeplant. Dazu investieren wir weiter für moderne Feuerwehrfahrzeuge, dafür sind 2,6 Millionen Euro im Etat. Wir nutzen die besseren Zeiten, um zu gestalten.

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