Messerattacke

Nach Bluttat: Iserlohner Frauenhaus ist „Haus der Trauer“

 Melanie Metz (li.) und Barbara Medelnik berichten von der Betroffenheit unter den Bewohnerinnen im Iserlohner Frauenhaus nach dem Tod ihrer Mitbewohnerin.

Melanie Metz (li.) und Barbara Medelnik berichten von der Betroffenheit unter den Bewohnerinnen im Iserlohner Frauenhaus nach dem Tod ihrer Mitbewohnerin.

Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.  Die Frau, die Opfer einer Messerattacke wurde, hatte zuvor im Frauenhaus Zuflucht gesucht. Die Verstorbene sei eine „Bilderbuch-Mama“ gewesen.

„Das ist der Super-Gau“, kommentiert Anne Müller, Leiterin des Frauenhauses, das Verbrechen vom Samstag, bei dem eine Bewohnerin der Einrichtung und deren Freund vom Ehemann der Frau auf dem Iserlohner Bahnhof erstochen worden sind. „Die Frauen haben Todesangst, wenn sie zu uns kommen. Die haben Angst ohne Ende. Schlimm: Dieser Mann hat das wahr gemacht.“

Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen für die Mitbewohnerinnen in der Iserlohner Zufluchtsstätte. „Wir tun alles, was notwendig ist, um den Frauen Schutz zu geben“, erklärt der stellvertretende AWO-Geschäftsführer und Betriebsleiter Johannes Anft. „Wir überlegen, ob wir noch zusätzlich eine Wohnung einrichten. Das Haus ist immer zu 100 Prozent ausgebucht.“

„Sie hatte massive Angst, zurück zu müssen“

Seit elf Monaten hatte die 32-jährige Frau aus Bergisch Gladbach dort gewohnt, die in der Ehe mit ihrem 43-jährigen Ehemann häusliche Gewalt erlebt hat und ihren Mann deshalb verlassen hatte. Beide stammen aus dem Kosovo. Die Frau war geduldet, der Ehemann hat einen Aufenthaltstitel. Die Frau hatte aufgrund ihres Aufenthaltsstatus keine andere Möglichkeit, als im Frauenhaus zu bleiben.

„Sie war damals nur mit einer Tasche hier angekommen. Sie war in allen Belangen von ihrem Mann abhängig gehalten worden. Sie hatte massive Angst, zurück zu müssen“, erinnert sich Melanie Metz. Der Fall sei äußerst kompliziert. Die Stadt Bergisch Gladbach habe gut kooperiert.

„In dieser Zeit sind Freundschaften zu Mitbewohnerinnen gewachsen,“ weiß die Mitarbeiterin des Frauenhauses, diese hatten auch über den Auszug der anderen Frauen gehalten. „Bei der Geburt des Kindes im Bethanien-Krankenhaus war eine Freundin aus dem Frauenhaus, zu der sie ein schwesterliches Verhältnis hatte, im Kreißsaal dabei und hat sie auch mehrfach im Krankenhaus besucht. Auch der neue Lebensgefährte und Vater des Kindes, der seine Freundin bestärkt hatte, den Ehemann zu verlassen: Die beiden haben sich regelmäßig getroffen, am Bahnhof und in der Iserlohner Innenstadt“, berichtet Melanie Metz. Männer dürfen nicht in die Einrichtung, deren Adresse ganz bewusst geheim gehalten wird, auch vor Verwandten und Freunden.

„Sie war eine Bilderbuch-Mama“

Die Diplom-Sozialpädagogin Melanie Metz hat die Frau begleitet, hat sie vor zwei Monaten auch aus dem Krankenhaus abgeholt und mit ihr und den übrigen Bewohnerinnen der Zufluchtsstätte die Geburt gefeiert. „Jetzt sind wir ein Haus der Trauer“, sagt die Frauenhausmitarbeiterin, „sehr viel Trauer“. „Dabei wollen wir genau das Gegenteil bieten: Ruhe, Stärkung, Hilfe und Neubeginn.“

Metz berichtet von der finanziellen Unterstützung durch den Förderverein Frauenhaus für die Frau, bei der aufgrund einer Risikoschwangerschaft mehrere Krankenhausaufenthalte erforderlich waren. „Auch beim DRK gab es Hilfestellung für die werdende Mutter.“ Aus dem Spendenfundus des Frauenhauses bekam sie schließlich Wiege und Babysachen. Melanie Metz erinnert sich: „Sie hat sich unheimlich auf das Kind gefreut. Auch der Papa hat sie im Krankenhaus besucht. Ein Kind ist immer ein freudiges Ereignis. Um so schlimmer ist es, wenn da niemand mehr ist.“ Die Frauenhausmitarbeiterin beschreibt die Verstorbene als „Bilderbuch-Mama: Sie war eine hingebungsvolle Mutter, sehr zugewandt. Das Kind war immer in einem Eins-A-Zustand.“

Baby befindet sich in einer Pflegefamilie

Und was wird aus dem Waisenkind? „Das Kind wurde medizinisch untersucht. Ihm geht es gut“, teilte Christine Schulte-Hofmann, Pressesprecherin der Stadt mit. „Es befindet sich in einer Pflegefamilie. Gemeinsam mit dem Familiengericht wird jetzt entschieden, was das Beste für das Kind ist. Das wird mehrere Wochen in Anspruch nehmen.“

Das Frauenhaus ist bei Tag und Nacht erreichbar unter 02371/12585.

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