Personalpolitik

Job gesucht? Fragen Sie mal die Stadt!

Mitarbeiter des Ordnungsamts halten Ausschau: Das Bild kann symbolisch stehen für die schwierige Suche nach neuen Kollegen im Ordnungsdienst der Stadt.

Foto: Cornelia Merkel

Mitarbeiter des Ordnungsamts halten Ausschau: Das Bild kann symbolisch stehen für die schwierige Suche nach neuen Kollegen im Ordnungsdienst der Stadt. Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.   Ingenieure, Erzieherinnen, Pflegekräfte, Sachbearbeiter, Ordnungsdienst: Viele offene Stellen sind bei der Iserlohner Stadtverwaltung nur schwer zu besetzen.

Gutes Personal ist die Basis, damit ein Laden läuft. Städte und Gemeinden haben jedoch zunehmend Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Das manifestiert sich gleichermaßen bei der Iserlohner Stadtverwaltung – ob Ordnungsdienst, Erzieherinnen, Pflegedienst oder Ingenieure. Ein gravierendes Dauerproblem also, über das die Verwaltung aber bislang politisch den Deckmantel des Schweigens gebreitet hat. Die Fraktionen fordern künftig mehr Transparenz und regelmäßige Information.

Ende September poppte das Thema eher zufällig in einer Debatte des Haupt- und Personalausschusses auf. Es ging um Sicherheit, Web-Kameras an öffentlichen Orten und den Streifendienst am Fritz-Kühn-Platz, als Hans-Immanuel Herbers, Fraktionschef von UWG-Piraten, quasi in einem Nebensatz nachbohrte: Wie ist es überhaupt um das Personal im Ordnungsdienst bestellt? Bei der Antwort der Verwaltung fiel manchem Ratsmitglied erst mal die Kinnlade herunter: Von zehn Stellen im Ordnungsdienst sind nur vier besetzt – trotz wiederholter Ausschreibung, wie Ordnungsamtschefin Angela Schunke beteuerte. Es seien einfach keine geeigneten Kandidaten zu finden gewesen. Als Folge besteht die Spätschicht im Streifendienst nur auf dem Papier.

Ordnungsdienst, Ingenieure, Erziehung und Pflegekräfte

„Skandalös“, „eine Kapitulationserklärung“, befand Herbers. Und die Fraktion der Linken legte mit einem Antrag für die jüngste Ausschusssitzung nach. Forderungen: eine komplette Übersicht zu unbesetzten Stellen der Stadt, umgehende Besetzung der Planstellen, künftig regelmäßige Information über Personalbesetzung und sich abzeichnende Schwierigkeiten. Die aktuelle Vorlage der Stadt zeigt dabei Probleme, die weit über den Ordnungsdienst hinausreichen:
Gerade bei Ingenieuren mit Führungsverantwortung gab es zuletzt immer wieder ergebnislose Ausschreibungen. Die Abteilungsleitung für Stadterneuerung und Freiraumplanung ist unbesetzt.
Auch zwei Architektenstellen beim Kommunalen Immobilien-Management (KIM) waren im Sommer nur schwer zu besetzen. Trotz Verlängerung der Ausschreibung kamen nur 13 Bewerbungen, zum Vorstellungstermin waren es nur noch drei Kandidatinnen – von denen am Ende zwei auch ausreichend qualifiziert waren.
Bei Pflegekräften für das Seniorenzentrum Waldstadt (SWI) ist die Stellenbesetzung schon seit Jahren diffizil.
Ähnlich sieht es bei Erzieherinnen oder Erziehern für die Ganztagsbetreuung in Grundschulen aus oder für Kindertagesstätten.

Nüchternes Fazit der Stadt: „In allen genannten Bereichen wirkt sich eine Vakanz nachteilig auf die Aufgabenerledigung aus.“ Will heißen: Es klemmt an etlichen Stellen im Getriebe. Als Ursachen nennt die Stadtverwaltung teils geringe Vergütung, etwa bei den Ingenieuren, aber auch „sinkende Ausbildungsstandards“.

Streifendienst: „Bewerber am Haken“

Die Personallage sah denn auch SPD-Fraktionschef Dimitrios Axourgos kritisch: „Hier möchte ich die Linke einmal ausdrücklich loben für den Antrag, weil ich sehe, dass es in der Verwaltung Probleme gibt.“ Konkrete Erklärungen forderte Axourgos beispielsweise, warum die Stellen im Ordnungsdienst nicht besetzt wurden. Laut Ordnungsbehörde habe es bei etlichen Bewerbern nämlich „an den persönlichen Voraussetzungen“ gefehlt, erklärte Christian Geis (Personalwesen).

SPD-Sprecher Michael Scheffler markierte bei den Pflegeberufen vor allem schlechte Bezahlung und zu wenig gesellschaftliche Anerkennung als Ursache für Personalmangel. Linken-Fraktionschef Oliver Ruhnert sah zudem den Bürgermeister als Verwaltungschef stärker gefordert. Und auch der Personalrat müsse mehr „den Finger in die Wunde legen“.

Derweil pochten CDU-Fraktionschef Fabian Tigges und Detlef Köpke (FDP) darauf, dass die Verwaltung umgehend einen langfristigen Personalentwicklungsplan erarbeitet – ob Stellenbedarf, Stellenbeschreibung oder Ausbildung.

Beim Ordnungsdienst ist inzwischen Entlastung in Sicht: Immerhin sind durch die neuen Ausschreibungen drei Bewerber für die Spätschicht offenbar gefunden. „Und für die Mittelschicht haben wir auch einen Kandidaten am Haken“, sagte Geis.

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