Politik

Jugend-Partizipationstag: Junge Themen müssen in die Politik

Bissam Hamoud und Abbas Moussa waren zwei der Moderatoren, die die Jugendlichen durch die Workshops geleitet haben.

Bissam Hamoud und Abbas Moussa waren zwei der Moderatoren, die die Jugendlichen durch die Workshops geleitet haben.

Foto: Michael May / IKZ

Iserlohn.  370 Jugendliche haben sich über Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe informiert. Sie diskutierten ihre Ideen für ein besseres Iserlohn.

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Bessere Busanbindung! Gemeinsam etwas gegen den Klimawandel tun! Nicht nur an sich selbst denken! Die Iserlohner Jugendlichen haben viele Wünsche und Forderungen an das gesellschaftliche Zusammenleben in ihrer Heimatstadt. Beim zweiten Jugend-Partizipationstag im Parktheater hatten nun rund 350 Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihrer Meinung Gehör zu verschaffen und Ideen zu entwickeln, wie Probleme angepackt werden können – im Sinne der Jugend.

Was läuft falsch in Iserlohn und wie wirkt sich das auf mich aus?

„Eure Meinung ist wichtig und muss angehört werden, vor allem auch von der Politik“, gibt so zum Beispiel Imran Topouz vom Kinder- und Jugendrat den Schülerinnen und Schülern im Workshop „Iserlohn und ich“ mit auf den Weg. In der kreativen Bauwerkstatt sollen sie ihre Forderungen für ein besseres Leben in der Waldstadt illustrieren – mithilfe von Pappe, Stoff und anderen Bastelmaterialien. Die zahlreichen Modelle und Plakate, am Ende des Tages sollen es insgesamt über 50 Stück sein, sind vielfältig: Unverpackt-Läden, Inklusion, gepflegte Grünanlagen und Spielmöglichkeiten für Kinder.

Im Löbbeckesaal ist unterdessen ein Plenum eingerichtet worden mit dem Ziel, eine Klimaerklärung für die fiktive Stadt Rotfels abzugeben. Die rund 100 Schüler werden in Gruppen eingeteilt: Bauern, Metallgewerkschaft, Tourismusverband. In einer Art Rollenspiel sollen die verschiedenen Ansichten diskutiert und ein Kompromiss erreicht werden.

In Sachen Klimaschutz kennen sich die Jugendlichen aus

Die folgende Diskussionsrunde macht deutlich, dass das Thema Klimaschutz unter den Schülern ein alter Hut ist. Wie echte Profis beleuchten sie die verschiedenen Vorschläge von ihren unterschiedlichen Standpunkten aus. Fahrverbote für private Pkw zu bestimmten Uhrzeiten, ein verstärkter Fokus auf den öffentlichen Nahverkehr, Ökostrom — die Möglichkeiten sind facettenreich. Zu einem Kompromiss kommen die Teilnehmer des Plenums allerdings nicht, zu umfangreich ist das Thema, um es mal eben so in 20 Minuten durchzusprechen.

„Ihr habt echt super mitgemacht und stichhaltige Argumente geliefert, echt beeindruckend“, bedankt sich Christian Kiangala, Moderator des Workshops und Vertreter von Friday’s for Future in Iserlohn. Parthena Iordanidou hebt noch einmal hervor, dass viele auch über die Rollenkarten hinausgedacht haben: „Dass dabei zum Beispiel die Idee für eine App entsteht, die vor Ort Mitfahrgelegenheiten anbietet und die beste Route mit dem öffentlichen Nahverkehr aufzeigt, hätte ich nicht gedacht.“

Iserlohner Politiker bieten den Jugendlichen Hilfestellung

In der Galerie des Parktheaters geht es etwas ruhiger zu. An 17 Tischen sitzen die Jugendlichen und zwischen ihnen Vertreter aus der Iserlohner Politik. „Sie sollen Hilfestellung bieten, wie man Probleme angehen kann“, erklärt Ebru Yilmaz und bittet die Jugendlichen, keine Scheu zu haben, mit den Politikern zu diskutieren.

Gemeinsam werden Ideen entwickelt, auf welche Weise globalen Problemen wie Mobbing, Rassismus und dem Klimawandel auf lokaler Ebene begegnet werden kann. So wünschen sich die Schüler zum Beispiel Kampagnen in den sozialen Medien, mediale Präsenz und Aufklärung über Mobbing. „Sauberkeit und Sicherheit sind immer Thema. In den Schulen wünscht ihr euch WLAN und in der Stadt bessere Freizeitangebote“, fasst Nancy Schmidt die Ergebnisse zusammen.

Älterwerdende Gesellschaft braucht engagierte junge Leute

Zum Abschluss des Tages ist auch der stellvertretende Bürgermeister Thorsten Schick eingeladen, um sich selbst ein Bild von den Ergebnissen zu machen. „Die Gesellschaft wird immer älter. Wir brauchen junge Leute, die sich engagieren und demokratisch mitbestimmen“, betont er die Bedeutung des Partizipationstages.

Petra Lamberts, Leiterin des Kinder- und Jugendbüros, zeigt sich abschließend zufrieden. „Die Jugendlichen stimmen mit den Füßen ab. Dass es am Ende noch so voll war, ist wirklich ein gutes Zeichen“, meint sie. Ziel des Partizipationstages sei es, die Jugendlichen zu aktivieren, ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie sich in ihrer Heimatstadt engagieren können. Die kleine Messe im Foyer des Parktheaters bietet dafür zahlreiche Anreize: Gruppen wie die grüne Jugend, Fridays for Future oder das Jugend Rote Kreuz präsentieren ihr Angebot.

Politik für Jugendliche greifbar machen

Zweiter Jugend-Partizipationstag
Zweiter Jugend-Partizipationstag

„Es hat sich so viel verändert, gerade in der digitalen Welt, solche Themen müssen sich in der Politik wiederfinden“, meint Petra Lamberts. Dafür sei es allerdings notwendig, das abstrakte Konstrukt „Politik“ greifbar zu machen. „Ansonsten fallen immer mehr auf den Populismus rein, eben weil er einfache Lösungen bietet. Dem müssen wir schon früh etwas entgegensetzen.“

Auch Lucas Meyer vom Kinder- und Jugendbüro ist begeistert von den Ergebnissen des Partizipationstages. „Das ist einfach eine neue Generation, die anpackt und Bock hat, etwas zu bewegen“, meint er. Die Ergebnisse sollen jetzt aufbereitet und dann dem Rat sowie der Jugend-Delegierten der Vereinten Nationen, Josephine Hebling, übergeben werden, die auch vor Ort war und die Ideen der Jugendlichen mit nach New York nehmen will.

„Das hat dieser Lehrer mit den Füßen getreten“

Einen Wermutstropfen gab es dennoch: Nach der zweiten Runde der Workshops packte sich ein Lehrer eines Iserlohner Berufskollegs zehn Schüler, die freiwillig gekommen waren und sich engagiert an den Diskussionen beteiligten, und verließ mit ihnen die Veranstaltung. Petra Lamberts versuchte zu schlichten: „Das war sehr diktatorisch, es gab quasi keine Chance für die Schüler, dazubleiben. Partizipation bedeutet immer auch Kommunikation auf Augenhöhe. Das hat dieser Lehrer mit Füßen getreten.“

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