Wirtschaft

Karstadt-Eröffnung 1967: Großer Tag für Iserlohner Handel

Rund 80.000 verschiedene Artikel hat Karstadt bei seiner Eröffnung im Oktober 1967 im Angebot.

Rund 80.000 verschiedene Artikel hat Karstadt bei seiner Eröffnung im Oktober 1967 im Angebot.

Foto: IKZ-Archiv

Iserlohn.  Als am 19. Oktober 1967 Karstadt sein Warenhaus am Schillerplatz eröffnet, geht es in der Innenstadt zu wie auf einem Volksfest.

„Es war wie ein Volksfest“, titelte am 20. Oktober 1967 die Heimatzeitung auf ihrer ersten Lokalseite und zitierte damit den damaligen Karstadt-Geschäftsführer Krause, der tags zuvor die neue Attraktion am Schillerplatz eröffnet hatte: Die Waldstadt ist jetzt auch „Karstadtstadt“. Schon bei der Öffnung der Türen – unüberhörbar kundgetan mit Schlägen auf einen riesigen Gong – strömte die Käuferschaft in den Konsumtempel der 60er Jahre – mit „westfälischer Zurückhaltung“, wie Geschäftsführer Krause anmerkte. Dicht an dicht gedrängt ging es auf Schnäppchenjagd, echte Lederhüte gab es an diesem Tag schon für 25 Mark und Chiquita-Bananen zum Preis von 98 Pfennig für zwei Kilo.

Geschäftsführer Krause musste zugeben, dass Andrang und Umsatz an diesem Eröffnungstag die Erwartungen weit übertroffen hätten, das Haus war den ganzen Tag über brechend voll. Und er glaubt, dass es möglich sein müsste, diesen Anfangserfolg durch eine „Gemeinschaftswerbung des gesamten Iserlohner Einzelhandels zu festigen und weiter auszubauen“.

Basis des GesamtkonzeptesSchillerplatz

Doch das moderne Warenhaus in der Stadtmitte ist eben weit mehr als nur Einkaufsstätte für Iserlohn und das Umland. Es ist auch die Basis des baulichen Gesamtkonzeptes Schillerplatz mit dem neuen Rathaus, das erst sieben Jahre später gegenüber auf der anderen Straßenseite eröffnet werden sollte. Die provisorische Fußgängerbrücke ist gerade freigegeben und wird von Baurat Brasse als „Anfang der Rathausbaustelle“ apostrophiert.

Am Tag vor der Eröffnung hatte Karstadt die Presse zum Gespräch gebeten und Zahlen genannt. Bis zu 40 Millionen Mark wolle man nach der Anlaufzeit im Iserlohner Haus (Baukosten 23 Millionen Mark) jährlich umsetzen. Karstadt sei Iserlohns erstes „Warenhaus mit Vollsortiment“ mit einer Verkaufsfläche von rund 7000 Quadratmetern, 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und biete 80.000 verschiedene Artikel – der teuerste ein Brillantring für 4000 Mark. Die 36 Schaufenster bilden eine Gesamtfront von 180 Metern, und man ist stolz auf die vier gläsernen Doppel-Rolltreppen. Und noch mehr: Es gibt einen „Kinderhort“, eine Krankenschwester, eine öffentliche Telefonzelle im Erfrischungsraum im Keller, es gibt einen Schnellimbiss im Haus, einen Schuster, Bäcker, Fotografen, Fleischer und eine Zuschneiderei für Kleiderstoffe. An 100 Kassen sammeln die Mitarbeiterinnen am Eröffnungstag das Geld ein, 32 Zentner Wechselgeld werden herangeschafft. Das alles ist, so rechnet Karstadt vor, für ein Einzugsgebiet von 210.000 Menschen ausgelegt, Großstadt-Gefühl macht sich breit, so etwas hatte der Iserlohner in seiner Stadt noch nicht gesehen.

Bei Karstadt wisse man aber auch, dass der Iserlohner Komplex keineswegs in eine steigende wirtschaftliche Entwicklung hineingebaut worden sei, notiert damals der Chronist der Heimatzeitung. Auch wenn bei Karstadt niemand damit rechne, aus dem Haus auf einer vermeintlichen Silbermine – tatsächlich war es Galmei – eine Goldgrube ersten Ranges machen zu können, wolle man sich doch freuen, wenn „die Kunden, die Stadtkasse und die Aktionäre mit der Entwicklung stets zufrieden“ sind.

Die ganze Innenstadt gleichteinem bunten Jahrmarkt

Zufrieden an diesem Eröffnungstag am Schillerplatz sind auch die alteingesessenen Mitbewerber. Die hatten mit größerer Kundschaft in der Stadt kalkuliert und sich mit Angeboten und Sonderaktionen bestens vorbereitet. Tatsächlich, so schätzten damals Experten, waren an diesem Donnerstag rund 10.000 Menschen mehr in der Stadt unterwegs, als an einem normalen Werktag. Sie seien überwiegend aus Letmathe, Hemer, Altena und aus dem Lenneraum bis Werdohl und Plettenberg gekommen.

Nun ist die Karstadt-Ära in Iserlohn beendet. Und so wie fast auf den Tag genau vor 53 Jahren das Kaufhaus ein neues Kapitel der Iserlohner Wirtschaftsgeschichte eingeläutet hat, so wird auch der jetzige Fortgang des Unternehmens aus der Waldstadt gewiss nachhallen.

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