Wirtschaft

Karstadt: Ostergras und Konfetti für 10 Cent

Bei Karstadt am Iserlohner Schillerplatz gehen die letzten Restposten raus.

Bei Karstadt am Iserlohner Schillerplatz gehen die letzten Restposten raus.

Foto: Stefan Janke

Iserlohn.  Karstadt-Ausverkauf: Auch am Donnerstag fanden viele den Weg zum ehemaligen Aushängeschild des Iserlohner Einzelhandels.

Die Plakate, auf denen am und im Karstadthaus am Schillerplatz in dieser Woche die Tage bis zur Schließung herunter gezählt wurden, sind verschwunden. Statt dessen prangt ein großes „-90 %“ im Schaufenster, denn ab sofort kosten die meisten Artikel nur noch ein Zehntel ihres ursprünglichen Preises. Was jetzt noch im Sortiment zu finden ist, trägt den Namen Restposten völlig verdient.

Auch an diesem Donnerstag finden viele den Weg zum ehemaligen Aushängeschild des Iserlohner Einzelhandels. An den wenigen Grabbeltischen, die zwischen der mittlerweile ausrangierten und zum Verkauf freigegebenen Ladeneinrichtung wie kleine bunte Inseln wirken, wühlt die Kundschaft in Büchern, Glühbirnen, Fanartikeln in den deutschen Nationalfarben, Konfetti-Tüten und Ostergras – Letzteres gibt’s für glatte zehn Cent.

Schnäppchen: eine Vitrineund eine halbe Puppe

Sechs aus der Mode gekommene Damenhosen hängen einsam auf einem Ständer, und für ein paar Euro gibt es gestreifte Bikinis. Zwei Männer in Arbeitskluft schieben gerade eine Vitrine samt halber Schaufensterpuppe in den Aufzug: „Schnäppchen gemacht“, sagt einer von ihnen, was er mit dem Plastik-Torso anfangen will, weiß er noch nicht. Ein Ehepaar aus Menden sieht sich im Obergeschoss um. Einkaufen wollen sie nichts, aber so was müsste man sich doch ansehen, sagen sie und meinen ein leeres Kaufhaus in dieser Größenordnung: „Das ist schon irre!“

Auf dem Weg in die Mittagspause auf der Rolltreppe fragen sich zwei Mitarbeiterinnen, wann denn nun der letzte Tag sei. „Freitag auf jeden Fall noch“, sagt eine von ihnen, an den Handgreif gelehnt. Die Lebensmittelabteilung scheint da mehr zu wissen. Sie verabschiedetet sich mit einem Plakat und einem „Tschüss“ von ihrer Kundschaft und lässt sie wissen, dass am Samstag hier noch einmal eingekauft werden kann.

Wie zu erfahren war, soll auch in der kommenden Woche Betrieb im Warenhaus herrschen. Bis dahin soll der Verkauf des Restsortimentes beendet sein, lediglich die Ladenbau-Elemente, die es dutzendfach in vielen Variationen gibt, sollen dann noch verkauft werden.

Die Reaktionen der Kundschaft auf die Schließung des 1967 eröffneten ersten Iserlohner Kaufhauses mit Vollsortiment (wir berichteten) sind nach wie vor unterschiedlich. Vor allem aber sind es die Erinnerungen, die auch viele unserer Leser mit Karstadt verbinden.

Heute geht es nur nochum Masse und Preis

Auf unserer Facebook-Seite schreibt zum Beispiel Holger Werner: „Als Kind war Karstadt immer was Großes, wo es alles gab, was das Kinderherz leuchten ließ. Bücher, Zeitschriften, Süßigkeiten, Spielsachen und Sportartikel waren immer an einem Ort vereint. Heute im Internet-Zeitalter geht es nur noch um Masse und Preis, die Qualität hat dadurch stark gelitten und die Wegwerfgesellschaft wird gefördert.“

„Als Teenie war natürlich die Süßwarenabteilung vor den Kassen beliebt, bei mir vor allem die Jelly Beans. Als ich das letzte Mal dort war, hat es mir fast das Herz gebrochen, dass oben absolut nichts mehr war. Sehr schade! Bin mal gespannt, was die Stadt dort nach dem Abriss fabriziert“, schreibt Lisa Steckel, und Britta Hedt-Knechtel verbindet ebenfalls Kindheitserinnerungen mit Karstadt am Schillerplatz.

Aus Lendringsen in diegroße Stadt zu Karstadt

„Ein Ausflug in den 70er Jahren mit den Eltern von Lendringsen in die große Stadt Iserlohn. Dann zu Karstadt in die Süßwaren-Abteilung. Alles hat gefunkelt und so gut gerochen und natürlich auch geschmeckt. Ich sehe meinen Vater heute noch eine Tüte mit Bonbons befüllen“, schreibt sie.

Unsere Leserin Martina Lehmann schließlich bringt es mit ein paar Wörtern auf den Punkt: „Erinnerungen bleiben. Aber für was Altes kommt was Neues.“

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