Kreissynode

Kirche will Menschen aus allen Kulturen willkommen heißen

Superintendentin Martina Espelöer begrüßte Dr. Jean-Gottfried Mutumbo zur Kreissynode.

Superintendentin Martina Espelöer begrüßte Dr. Jean-Gottfried Mutumbo zur Kreissynode.

Foto: Tim Gelewski / IKZ

Iserlohn.   Am Samstag hat die Kreissynode im Varnhagenhaus getagt.

Das von der Evangelischen Landeskirche Westfalen gesetzte Thema „Kirche und Migration“ ist am Samstag auf der Sommersynode des Kirchenkreises Iserlohn als Hauptvorlage beraten worden. Weitere Themenschwerpunkte waren die Finanzen und die Ökumene. Insgesamt eine ehrgeizige Tagesordnung, denn es wurde im Varnhagenhaus bis 19.05 Uhr getagt. Vorangegangen war um 8.30 Uhr ein Abendmahlsgottesdienst in der Reformierten Kirche.

Selbstverpflichtung der Kreissynode

„Kirche und Migration“: Hier setzt die Landeskirche einen wichtigen Schwerpunkt ihrer Arbeit, letztlich sollen sich alle Strukturen der Kirche bis hinunter in die Presbyterien und Ausschüsse intensiv mit diesem Thema auseinandersetzten. Superintendentin Martina Espelöer, die auch Mitglied im entsprechenden Beirat der Landeskirche ist, kündigte an, dass man sich das ganze verbleibende Jahr im Kirchenkreis mit der Thematik beschäftigen wolle. Die Kreissynode beschloss eine Selbstverpflichtung, dass „unsere Kirche Menschen aus anderen Kulturen willkommen heißt“, berichtete die Superintendentin am Montag bei einem Pressegespräch. Man wolle aber auch Ängste von Menschen in den Gemeinden vor Zuwanderung sehen und anerkennen.

Durchaus bewegend war ein Vortrag von Pfarrer Dr. Jean-Gottfried Mutumbo, der Iserlohn aus früheren Tagen kennt und inzwischen eine Pfarrstelle bei der Landeskirche bekleidet. Mutumbo hat afrikanische Wurzeln und berichtete aus eigener Erfahrung, „was es bedeutet, mit Migrationshintergrund in der Kirche Fuß zu fassen“, wie es Espelöer sagte. Mutumbo habe anschaulich von durchaus problematischen Situationen berichtet. Die Superintendentin sagt hier: „Auch Fremde bringen einen Auftrag mit, Bereicherung und Erweiterung gehören zur Kirche dazu“.

Als sehr wertvoll bezeichnete Espelöer die Partnerschaften mit den kongolesischen Kirchenkreisen Boende und Lofoy, Pfarrer Burckhardt Hölscher berichtete zu diesem Thema. Das Engagement könne auch dazu dienen, Fluchtursachen vor Ort zu mindern. Nicht zuletzt wegen der Gesundheitsstationen würden die Menschen in den Partnergemeinden die Kirche als Hoffnungsträger verstehen. Gleiches gelte für die Primarschulen, zur Ausbildung in der Krankenhilfe würden Stipendien vergeben. Ausdrücklich bekannte sich Espelöer zum Instrument des Kirchenasyls, welches zwar keine Rechtsgröße besitze, der „Schutz auf heiligem Boden“ werde aber respektiert. „Wir stehen klar auf Seiten der Hilfesuchenden“, sagte Espelöer. Wenn die Synode im nächsten Jahr neu konstituiert werde, sollten mehr Migranten in die Gremien eingebunden werden.

Zu den Finanzen: Aktuell gibt es im Kirchenkreis Iserlohn ein Kirchensteueraufkommen von jährlich 13,5 Millionen Euro. Ein ordentlicher Wert, der aber weniger der Mitgliederentwicklung sondern der guten Beschäftigungslage und Einkommenssteigerungen geschuldet ist. Rund 91.000 Mitglieder zählt der Kirchenkreis derzeit, jährlich werden es rund 1,8 Prozent weniger. „Wir stehen kurz davor, unter die Marke von 90.000 zu fallen“, sagt Espelöer auf Nachfrage. Um die Finanzen auch künftig in Ordnung halten zu können, bedürfe es weiterer struktureller Veränderungen. Stellschrauben sind hier vor allem die Pfarrstellen und die Gebäude. Espelöer geht davon aus, dass die aktuell 40 Pfarrstellen im Kirchenkreis auf Sicht auf 36 reduziert werden. In der Versöhnungs-Kirchengemeinde stehe beispielsweise eine Reduzierung von drei auf zweieinhalb Pfarrstellen an. Hemer, so Espelöer habe bereits reduziert, nach Besetzung einer vakanten Stelle sollen es wieder drei sein. Die Kooperation zwischen Kirchengemeinden im Kirchenkreis soll ausgeweitet werden.

Nach dem „Haus für alle Kinder“ in Gerlingsen und dem Friederike-Fliedner-Berufskolleg sollen zum 1. August auch die Kindertagesstätten Hindenburgstraße und Prinzenstraße unter das Dach des Diakonischen Werkes im Ev. Kirchenkreis Iserlohn e.V. kommen. Der Bereich Kindertagesstätten habe mit Problemen zu kämpfen, so Espelöer, durch die Kibiz-Revision drohe eine Unterfinanzierung, die Pauschale reiche nicht aus. Immerhin habe es gute Gespräche mit den Kommunen gegeben. Durch eine von der Synode abgesegnete Änderung der Finanzsatzung soll ab dem 1. Januar 2020 ein Zehntel der Einnahmen in den diakonischen Bereich fließen. Davon, so Espelöer solle auch die Gemeindediakonie profitieren.

Inhaltliche Ausrichtung nicht vernachlässigen

Laien verstehen unter Ökumene zumeist die Annäherung zwischen der evangelischen und katholischen Kirche. Hier vermeldet die Superintendentin keine sensationellen Durchbrüche, spricht aber davon, dass sich die Kontakte vor Ort weiterhin positiv entwickeln würden. Hinter dem Begriff Ökumene verbirgt sich aber auch das Zusammenwachsen der christlichen Welt. Und dabei spielen auch die bereits erwähnten Partnerschaften beispielsweise im Kongo eine Rolle. Espelöer betont, dass inzwischen von Partnerschaften und nicht mehr von Patenschaften die Rede sei. Gesucht werde der gegenseitige Austausch und keine einseitige Belehrung.

Und bei allen Strukturfragen möchte Martina Espelöer die inhaltliche Ausrichtung nicht zu kurz kommen lassen. Gottesdienste sollen dabei ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt werden. Die größte Aufgabe der Zukunft bleibt aber eine Trendwende bei der Mitgliederentwicklung.

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