Integration

Kleine Wunder auf der großen Bühne

Michael Frank (v. li.), Erich Reinke und Julian Bahr

Foto: Alexander Barth

Michael Frank (v. li.), Erich Reinke und Julian Bahr Foto: Alexander Barth

Iserlohn.  Das evangelische Jugendreferat lädt zur Abschlussgala für das Integrationsprojekt „LiveArtCity“ ein.

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Auf einer Bühne für Hunderte Zuschauer etwas vorführen: Dieser Gedanke macht die meisten Menschen nervös.

Kinder und Jugendliche, die noch vor einem Jahr ganz andere Schwierigkeiten hatten – etwa, sich auf Deutsch zu verständigen – bereiten sich seit Monaten darauf vor, vier Tage vor Weihnachten im Parktheater zu zeigen, was in ihnen steckt. „Man muss es herauskitzeln. Viele von denen haben zu oft vermittelt bekommen ,du kannst nichts’. Das setzt sich in den Köpfen fest“, sagt Erich Reinke, der Leiter des Evangelischen Jugendreferats, bei der Vorstellung des Galaprogramms, das im Parktheater den diesjährigen Abschluss der „LiveArtCity“ bildet. Dieses Projekt bot den etwa 50 Teilnehmern der Workshops, vom Grundschulalter bis zum 18. Lebensjahr, die Möglichkeit, über sich selbst hinauszuwachsen.

Integration kann auch am Kochtopf stattfinden

Etwa durch die Ausbildung von Fertigkeiten, die beim Klientel des Jugendcafés „Checkpoint“ ohne Förderung ungenutzt blieben, schon aus finanziellen Gründen. „Ob Musik oder Tanz – Unterricht kostet Geld“, schildert Sozialarbeiter Julian Bahr die Situation seiner Schützlinge. Michael Frank, Diakon im „Checkpoint“, hebt auch die gemeinsame Zubereitung von Essen als integrative Tätigkeit hervor. Männliche Jugendliche, die aus Krisengebieten stammen, hätten oft wegen ihres kulturellen Hintergrundes keinerlei Bezug zu Aufgaben im Haushalt.

„Die wissen zu Anfang nicht, welches Gemüse hier wächst, können die Etiketten der Gewürze nicht lesen und es fehlt eine gemeinsame Sprache. Es klappt trotzdem“, berichtet der Diakon, der froh ist, von Profikoch David Simon unterstützt zu werden, den das Jugendreferat als Honorarkraft angeheuert hat.

Abschluss eines Jahres mit emotionalen Höhepunkten

Als besonders emotional beschreibt er das Angebot „family dinner“: „Wenn sie das annehmen, sind wir für zwei Stunden ihre Familie“, sagt er und berichtet von Selfies und Skype-Anrufen in weit entfernte Heimatländer, die zu diesen Gelegenheiten getätigt werden.

Was die Teilnehmer im Parktheater auf die Beine stellen, nennt Erich Reinke ein „kleines Wunder“. Geboten werden unter anderem eine Zirkusshow, ein Poetry-Vortrag, ein Tanzworkshop und ein Bandauftritt.

Wer nicht selbst auf der Bühne steht, hilft bei der Verpflegung und verschiedenen Ständen und Aktionen. Inklusive Orchestergraben stehen 550 Plätze zur Verfügung, und die Veranstalter sind zuversichtlich, dass die Reihen voll werden. „Das ist unser Wunsch“, bekräftigt Julian Bahr. Veranstaltungen wie diese böten noch ein ganz anderes integratives Potenzial: „Da treffen sich dann auch Familien, die spenden. Die kommen aus ganz unterschiedlichen finanziellen Verhältnissen und würden sich im Alltag wahrscheinlich nie kennenlernen.“

Spielzeug sei dieses Jahr so großzügig gegeben worden, dass die Aufnahme gestoppt werden musste – in den Lagerräumen war kein Platz mehr. Vor diesem Hintergrund blicken das Checkpoint-Team und das ganze Jugendreferat in freudiger Erwartung auf den 20. Dezember. Der Eintritt ist frei.

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