Ratssitzung

Knappe Mehrheit für zweite Gesamtschule

Bis auf den letzten Platz besetzt waren die Zuhörerbänke bei der entscheidenden Sitzung des Stadrates zur Schulentwicklungsplanung

Foto: Michael May

Bis auf den letzten Platz besetzt waren die Zuhörerbänke bei der entscheidenden Sitzung des Stadrates zur Schulentwicklungsplanung Foto: Michael May

Iserlohn.   Die Würfel sind gefallen: In geheimer Abstimmung entschieden die Mitglieder des Stadtrates gestern die Errichtung einer Sekundarschule am Hemberg und einer zweiten Gesamtschule am Bömberg.

Mit diesem Ergebnis hätten selbst die Befürworter einer zweiten Gesamtschule wohl nicht mehr gerechnet. Umso größer war am gestrigen Abend der Jubel auf der einen politischen Seite, als Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens das Ergebnis der geheimen Abstimmung über die künftige Schulstruktur im weiterführenden Bereich bekanntgab. 27 Stadtpolitiker und damit die Mehrheit hatten sich in der Sondersitzung des Rates dafür entschieden, neben einer Sekundarschule am Hemberg eine vierzügige Gesamtschule am Standort der heutigen Realschule Bömberg zu errichten.

Ein politisch-rechnerisch an sich unmögliches Ergebnis

Ein politisch-rechnerisch an sich unmögliches Ergebnis angesichts der vorangegangenen Erklärungen der einzelnen Fraktionen. Denn deren jeweilige Positionen hatte sich seit der Ratsdebatte vor vier Wochen, die in einer Pattsituation und ohne Ergebnis endete, auch nicht um einen Millimeter verändert. Ganz im Gegenteil: Für erhebliche Verstimmung hatte bei der CDU die von Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens aktuell ins Spiel gebrachte Variante gesorgt, eine zweite Gesamtschule ausschließlich am Standort Bömberg für 16.7 Millionen Euro zu errichten. „Davon haben wir erst am Donnerstag erfahren, die Machbarkeitsstudie lag den Fraktionen sogar erst am Freitag vor, die entsprechende Drucksache am Montag“, kritisierte Fraktionsvorsitzender Fabian Tigges in der Sondersitzung den aus seiner Sicht „beispiellos schlechten Kommunikationsfluss“. Zu einer konstruktiven Lösung der Schulfrage habe der Bürgermeister so nicht beigetragen, erklärte Tigges, während sein Fraktionskollege Matthias Jakubanis betonte, dass für die CDU nur die Errichtung von zwei Sekundarschulen in Frage komme. Ein Weg, für den sich neben Schulgutachter Rösner auch die Stadtschulpflegschaft als einziges demokratisch legitimiertes Gremium der Eltern ausgersprochen habe.

Dr. Ahrens indes verteidigte die kurze Beratungsfrist für die jüngste Alternative. So habe die Studie des beauftragten Büros erst am Montag der vergangenen Woche vorgelegen und sei dann umgehend ausgewertet worden. Ahrens räumte auch ein, dass die Studie zu dem Ergebnis komme, dass die Möglichkeit bestehe, am Bömberg eine zweite Gesamtschule einzurichten, dies aber im Vergleich zu den anderen Varianten deutlich teurer und mit Blick auf die verkehrliche Erschließung schwierig sei. Er selbst, so der Bürgermeister, halte dennoch beide nun vorliegenden Beschlussvorschläge - ob die Errichtung von zwei Sekundarschulen oder aber von einer Sekundarschule und einer Gesamtschule - für tragfähige Varianten, um in Iserlohn ein auf Nachhaltigkeit angelegtes, zweigliedriges Schulsystem zu etablieren.

Ganz im Gegensatz zur CDU und nur wenig überraschend lobte SPD-Fraktionsvorsitzender Dimitrios Axourgos die Initiative des Bürgermeisters, durch die sich nun eine weitere Option zur Gestaltung des Schulsystems ergeben habe, „solche Vorschläge hätten wir uns in den vergangenen Jahren von der zuständigen Ressortleiterin gewünscht.“ Axourgos hob für die im Bildungsbündnis vereinten Fraktionen zudem noch einmal hervor, dass nur die Variante mit einer Sekundarschule am Hemberg und einer zweiten Gesamtschule am Bömberg den Eltern tatsächlich eine Wahlmöglichkeit lasse, welche Schule sie für ihr Kinder bevorzugen. Dass nun durch den neuen Vorschlag sogar eine zweite Gesamtschule an nur einem Standort realisiert werden könne, sei sinnvoll und höchst begrüßenswert.

Abstimmung über AfD-Antrag als Blockadelöser

War es vor vier Wochen die AfD, deren drei ablehnende Stimmen den Ausschlag dafür gaben, dass keine der vorgeschlagenen Varianten zur Errichtung eines zweigliedrigen Schulsystems eine Mehrheit fand, könnte die „Alternative“ diesmal der Wegbereiter gewesen sein für das überraschende Sitzungsergebnis. Denn bevor der Rat letztlich über Gesamtschulen und Sekundarschulen entschied, musste er - ebenfalls in geheimer Abstimmung - über den AfD-Antrag befinden, das bestehende System mit Haupt- und Realschulen so zu erhalten wie es ist. Und obwohl der Rat bereits vor langer Zeit nahezu einstimmig den Grundsatzbeschluss gefasst hatte, in Iserlohn Schulen des längeren gemeinsamen Lernens den Weg zu ebnen, stimmten doch insgesamt 12 Ratsleute für den AfD-Antrag. Ein Votum, dass offenbar die Blockade des zuvor im politischen Morast festgefahrenen Karren wieder löste und letztlich den Ausschlag zu Gunsten der zweiten Gesamtschule gegeben haben dürfte.

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