Rathaus

Köhnke verklagt Kolleginnen

Jochen Köhnke

Jochen Köhnke

Foto: Michael May

Iserlohn.   Der Fachbereichsleiter ist seit Wochen oft krank. „Ehrabschneidende Behauptungen“ wirft er Bereichsleiterinnen vor.

Mitten im Hochsommer ist die Stimmung im Rathaus zwischen dem Fachbereichsleiter Jochen Köhnke (63) und zwei Kolleginnen eisig. Im Streit um „ehrabschneidende Behauptungen“ hat der leitende Mitarbeiter Köhnke, der das Ressort Kultur führt und mit zum Spitzengremium Verwaltungsvorstand gehört, zwei Bereichsleiterinnen verklagt, die erst seit einem Jahr im Rathaus arbeiten.

Es ist der Sommer des Jahres 2018, die beiden Mitarbeiterinnen, mit der Leitung zweier Bereiche betraut, sind erst seit wenigen Wochen bei der Verwaltung beschäftigt. Die eine leitet den Bereich Einbürgerung, Sozialversicherung und Wahlen, die andere ist für den Bereich Integration und Teilhabe verantwortlich. Sie werden Jochen Köhnkes Fachbereich zugeordnet, ihm hat man im Herbst des Jahres 2017 den neuen Fachbereich Kultur, Migration und Teilhabe geschneidert, wohl auch, damit der Sozialdemokrat, der 2015 gegen seinen damaligen Chef, Münsters CDU-Oberbürgermeister Markus Lewe im OB-Wahlkampf angetreten war, eine angemessene Stelle antreten kann. Denn in Münster ist er schon Migrationsdezernent, man wundert sich über Köhnkes Wechsel, vor allem, weil er fest mit Münster und dem Münsterland verbunden ist. „Ich will noch einmal richtig Gas geben“, sagte der damals 62-Jährige 2017 zum Abschied aus Münster. Iserlohns Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens wischt die Bedenken mancher Ratsmitglieder zu Köhnkes Engagement zur Seite – „Das ist der richtige Mann an der richtigen Stelle“, erklärt der Rathauschef.

Wenige Monate später – im Sommer 2018 – kommen die beiden neuen Bereichsleiterinnen in Köhnkes Ressort; und schon kurze Zeit später knirscht es so vernehmlich zwischen dem Ressortchef und seinen Bereichsleiterinnen, dass die beiden keine andere Möglichkeit mehr sehen, als sich mit einem Brief an den Bürgermeister zu wenden. Ihr Chef, so erklären die beiden, sei kaum zu erreichen, wenn es etwas zu besprechen oder abzustimmen gelte. Wichtige Entscheidungen würden nicht getroffen, die Zusammenarbeit sei wenig vertrauensvoll und schwierig. Ahrens hadert mit der Situation, Schlichtungsversuche scheitern, schließlich entscheidet der Bürgermeister, die Bereiche der neuen Mitarbeiterinnen aus Köhnkes Ressort wieder herauszulösen, der Beigeordnete Martin Stolte bekommt die Bereiche zugeschlagen. Ahrens’ Hoffnung, den Streit damit zu befrieden, erfüllt sich allerdings nicht. Denn Jochen Köhnke lässt die Angelegenheit nicht auf sich beruhen und beauftragt einen Rechtsanwalt, den Kolleginnen eine Unterlassungserklärung zuzustellen. Die sollen unterschreiben, die Kompetenz Köhnkes nicht mehr in Frage zu stellen, andernfalls würden sie verklagt – Streitwert 40.000 Euro. Als die beiden sich weigern, klagt Köhnke auf Unterlassung, 1171,67 Euro Verfahrensgebühr sollen den Betroffenen aufgebrummt werden.

Landgericht gibt den Fall ans Arbeitsgericht Iserlohn

Im April 2019 wird der Schriftsatz den Rathaus-Mitarbeiterinnen zugestellt, die 10. Zivilkammer des Landgerichts Hagen nimmt sich der Angelegenheit an. Die Richter dort haben entschieden, nämlich, dass sie nicht zuständig sind. Das Arbeitsgericht Iserlohn soll den Fall übernehmen. Jochen Köhnke war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Im Büro ist er seit Wochen nicht, die Krankschreibung läuft am 30. Juni ab. Es ist nicht die erste in diesem Jahr. Der Ressortleiter, so erfährt man im Rathaus, fehle regelmäßig viele Wochen am Stück.

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