Haus Ortlohn

Kompletter Erhalt „unrealistisch“

Wie sieht die Zukunft von Haus Ortlohn und dem Parkareal aus? Architekt Roland Berner, Pressesprecher Andreas Duder­stedt, Vizepräsident Albert Henz, Stefanie Meier aus der Liegenschaftsabteilung der Landeskirche und IserlohnsBaudezernent Olaf Pestl warten unter anderem auf die Einschätzung des Landesdenkmalamte

Foto: Michael May/IKZ

Wie sieht die Zukunft von Haus Ortlohn und dem Parkareal aus? Architekt Roland Berner, Pressesprecher Andreas Duder­stedt, Vizepräsident Albert Henz, Stefanie Meier aus der Liegenschaftsabteilung der Landeskirche und IserlohnsBaudezernent Olaf Pestl warten unter anderem auf die Einschätzung des Landesdenkmalamte Foto: Michael May/IKZ

Iserlohn.  Albert Henz, Vizepräsident der Evangelischen Landeskirche, hält das Ortlohn-Konzept für zukunftsweisend.

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Über Haus Ortlohn, seinen Park und die Rolle der Landeskirche als Eigentümer wird seit geraumer Zeit intensiv diskutiert. Jetzt aber will die Evangelische Kirche von Westfalen nicht länger nur Gesprächsgegenstand sein. Nach einem Termin im Rathaus bat Albert Henz, ehemaliger Superintendent des Kirchenkreises und heutiger Vizepräsident der Landeskirche, gestern zum Pressegespräch ins Gemeindehaus am Nußberg - nicht nur, um für die Pläne zur Bebauung des benachbarten Areals zu werben.

Seit 2010 habe sich die Landeskirche intensiv um den Verkauf von Haus Ortlohn in Teilen oder im Ganzen bemüht, erinnerte Henz an letztlich erfolglose Gespräche mit 40 Interessenten, während der Zahn der Zeit an den leer stehenden Gebäuden nagte, so dass mittlerweile Vandalismus und Verfall drohen. „Wir wollen den jetzigen Zustand zügig beenden. Es ist eine bedenkliche Entwicklung, verbunden mit der Gefahr, dass am Ende dort eine Baubrache mit einem eingezäunten Park steht. Ortlohn darf nicht zu so einem Schandfleck werden“, betont Henz.

Viel positiver Zuspruch aus der Bevölkerung

Was Ortlohn indes werden könnte, sei aus seiner Sicht ein Wohngebiet mit einem städtebaulichen Konzept, das „stadtnah, innovativ und zukunftsweisend“ sei. Für die vorliegenden Planungen gebe es sehr viel positiven Zuspruch aus der Bevölkerung, so Henz: „Diese Befürworter äußern sich aber möglicherweise nicht so laut und deutlich wie die Kritiker.“ Der Landeskirche bei der Neunutzung hingegen Gewinnstreben als Leitmotiv zu unterstellen, sei an den Haaren herbeigezogen. Haus Ortlohn habe vielmehr bereits ein tiefes Loch in die Kirchenkasse gerissen, so der Vizepräsident. So habe im Jahr 2008 etwa der Verkauf an die später in Zahlungsschwierigkeit geratene Organisation „Fusion Australia“ statt der damals vereinbarten drei Millionen nur 400 000 Euro gebracht, während die Unterhaltung des Parks jährlich mit 30 000 Euro zu Buche schlage. Zudem erfordere die Realisierung des Projekts, bei dem die Landeskirche den Kritikern und Naturschützern schon weit entgegengekommen sei, erhebliche Investitionen zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Euro.

Stichwort Entgegenkommen: Eine weitere Reduzierung der Planung würde aus Sicht der Landeskirche dazu führen, dass dem Vorhaben die wirtschaftliche Basis entzogen würde. Geplant ist aktuell auf der knapp 7,5 Hektar großen Fläche frei finanzierte Wohnbebauung auf 6340 Quadratmetern, die Errichtung von Sozialwohnungen auf 5080 Quadratmetern. Hinzu kommen Seniorenwohnungen auf 3400 Quadratmetern sowie eine Wohngruppe mit Künstlerateliers (1660 Quadratmeter).

Überhaupt noch nicht zu beantworten ist derweil die Frage nach der Schutzwürdigkeit des Parks und des Gebäudes. „Nach einem Ortstermin durch die Landesdenkmalbehörde erwarten wir in etwa einem Monat eine erste belastbare Einschätzung“, berichtet Baudezernent Olaf Pestl. Mutmaßungen, zu welchem Ergebnis die Behörde aus Münster kommen könnte, seien zum jetzigen Zeitpunkt noch „Kaffeesatzleserei“. Fest steht für Vizepräsident Henz jedoch bereits schon jetzt, dass ein kompletter Erhalt des Parks und der Gebäude unrealistisch sei.

Öffentliche Auslegung nach den Sommerferien

Sollte es zu einer solchen denkmalrechtlichen Festlegung kommen, könnte die Kirche sogar gezwungen sein, darüber nachzudenken, Grund und Gebäude mit einem so genannten „Übernahmeverlangen“ auf die Kommune zu übertragen. Dass es zu so einem „schlimmsten Fall“ komme, sei jedoch keinesfalls Absicht der Kirche, unterstreicht Albert Henz, während Roland Berner aus dem Baureferat der Landeskirche davon ausgeht, dass eine teilweise Unterschutzstellung durchaus vereinbar sein könnte mit der geplanten Bebauung.

Ob letztlich am Nußberg gebaut werden darf, ob nicht, liegt indes nicht nur in der Entscheidungskompetenz von Denkmalschützern und der Bauverwaltung, sondern im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens beim Rat der Stadt. Dabei, so Olaf Pestl, habe es bislang nur den Aufstellungsbeschluss gegeben, die öffentliche Auslegung sei nach den Sommerferien vorgesehen, bevor ganz am Ende die Politik die letzte Entscheidung über „ob“ und „wie“ treffe. Bis dahin sei die Landeskirche aus seiner Sicht „gut beraten“, neben der Weiterentwicklung der Planung auch alle anderen Alternativen für eine Neunutzung von Haus Ortlohn zu überprüfen. Und eine Alternative scheint es in der Tat zu geben: Wie Vizepräsident Henz bestätigte, sei beim gestrigen Termin im Rathaus der Name eines neuen Interessenten für das Ensemble genannt worden, mit dem Bielefeld jetzt umgehend Kontakt aufnehmen wolle.

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