SPD

Kümmern contra Diskutieren

Der Vorstand des SPD-Stadtverbandes mit Eva Kitz (5.v.l.) an der Spitze.

Der Vorstand des SPD-Stadtverbandes mit Eva Kitz (5.v.l.) an der Spitze.

Foto: Ralf Tiemann

Iserlohn.  Eva Kitz steht für Präsenz und hat damit die Kampfabstimmung um den Vorsitz gewonnen.

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Die schlechten Wahlergebnisse der SPD gehen auch an der Parteibasis nicht spurlos vorbei. 18 Prozent hatten die Sozialdemokraten im Mai bei der Europawahl in Iserlohn geholt – sollte sich ein solches Ergebnis bei der kommenden Kommunalwahl wiederholen, würden sich die derzeit 16 Ratssitze nahezu halbieren. Eine Aussicht, die am Samstag beim Stadtverbandsparteitag zu einem Hauen und Stechen geführt hat, das in der Geschichte dieser Parteitage beispiellos sein dürfte. Schließlich ist es der Stadtverbandsvorstand, der maßgeblichen Einfluss die Verteilung der weniger werdenden Ratssitze hat. Es ging also um die begehrten Posten, aber auch um die Frage, wie der Stadtverband auf die Wahlergebnisse reagieren soll – und ob die Iserlohner SPD mit Eva Kitz an der Spitze einen erfolgreichen Wahlkampf führen kann.

Genau daran gab es dann offensichtlich Zweifel in Teilen der Partei, weswegen Matthias Riad Miro, Vorsitzender des Ortsvereins Iserlohn-Zentrum, nur zwei Tage vor dem Parteitag seine Kandidatur anmeldete und es am Samstag im Fanny-van-Hees-Saal zur Kampfabstimmung kam. Am Ende sollte Eva Kitz als Siegerin daraus hervorgehen – allerdings denkbar knapp. 19 der 36 Delegierten sprachen ihr das Vertrauen aus, 15 votierten für Miro, zwei enthielten sich.

Eva Kitz, die 2014 das Amt übernommen hatte und nun zum zweiten Mal wiedergewählt wurde, ging kämpferisch in die Auseinandersetzung. „Ich habe es satt“, rief sie ihren Genossen entgegen, und meinte das ewig gleiche Lamentieren der Partei über die Wahlergebnisse, darüber, dass es nicht gelinge, die gute Politik zu verkaufen und die Menschen mitzunehmen. „Die Menschen wollen nicht mitgenommen werden. Sie wollen, dass wir Dinge erledigen. Erfolgreich sind diejenigen, die sich um die konkreten Belange der Menschen kümmern. Die man kennt. Vor Ort. Direkt. Ansprechbar. Nicht nur in Wahlzeiten.“ Und dafür stehe sie, was ihr auch in der anschließenden Aussprache von vielen attestiert wurde: Unermüdlicher Einsatz, überall vor Ort, starke Unterstützung der Ortsvereine bei allen Aktionen, die „beste Vorsitzende, die wir je hatten“, war da zu hören.

Eva Kitz selbst lieferte Zahlen zu ihrer Präsenz: „2000 Liter Kaffee, 800 Würstchen, 400 Steaks, 2100 Donuts“. Vielleicht war gerade diese Aufzählung aber ein Fehler, denn genau darauf wurde sie dann von ihrem Herausforderer reduziert: „Mehr als Würstchen grillen habe ich von dir nicht viel gehört“, musste sie sich von Matthias Riad Miro anhören.

Der führte in seiner Vorstellung aus, dass er echte Themen, inhaltliche Diskussionen und politische Akzente vermisse. Er selbst habe im Ortsverein die „Politischen Tresengespräche“ ins Leben gerufen, eben, um mit den Bürgern auch gezielt über Sachthemen zu diskutieren und zu vermitteln, wofür die SPD stehe. „Die Menschen müssen auch hier in Iserlohn die Möglichkeit haben, mit der SPD über die Politik in Berlin zu sprechen.“

In dieser Kritik wurde Miro auch vielfach unterstützt. Der scheidende Juso-Vorsitzende Willi Berlinski etwa bemängelte, dass es auf der Straße schwer sei, die Meinung der SPD auch zu Iserlohner Themen wie Schillerplatz und Rathaus zu vertreten, weil der Stadtverband eben keine klare Meinung vorgebe, weil Inhalte eben kaum diskutiert würden.

Kümmern contra Diskutieren – auf diese Formel ließ sich die Debatte verkürzt bringen, und der alte Vorstand um Eva Kitz reagierte geschockt darauf, auf die Grillwürstchen reduziert zu werden. Von Rebellion, parteitaktischem Kalkül und einem unfairen Umgang angesichts der Kurzfristigkeit der Kandidatur war die Rede. Ratsherr Dieter Behle brachte es in diesem Sinne auf den Punkt, dass es nicht in Ordnung sei, Eva Kitz jahrelang die ganze Arbeit machen zu lassen, um ihr jetzt, kurz vor dem bereits vorbereiteten Kommunalwahlkampf in den Rücken zu fallen.

Bewertet wurde der Vorstoß von Miro ganz unterschiedlich. Einige sahen darin ein Zeichen für eine lebendige Partei und für echte Demokratie und dafür, dass die SPD vor Ort über mehrere starke Führungspersonen verfüge. Andere ärgerte es, dass auch in Iserlohn vier Stunden lang über Pöstchen gestritten wurde, ohne dass auch nur ein Sachthema zur Sprache gekommen wäre.

Eva Kitz, die am Ende mit einem nahezu unveränderten Team in diesen Wahlkampf zieht (siehe Info-Kasten), war schon vor der Abstimmung darum bemüht, die sichtbaren Risse in der Partei wieder zu kitten. Sie sprach von „unendlich schwierigen“ Zeiten für die SPD, in denen die Partei in ihrer Existenz bedroht sei. „Wir schaffen das nur gemeinsam“, sagte sie. Ganz gleich wie die Abstimmung verlaufe – „wir müssen danach wieder zusammenstehen“. Und das werde auch gelingen, sagte sie im Nachgang im Gespräch mit unserer Zeitung. Heute sei es um Posten und um Machtfragen gegangen, nun schaue man gemeinsam nach vorne. „Das ist jetzt bereits ausgeräumt.“

Neuer alter Vorstand

Der Stadtverbandsvorstand wurde nach der Kampfabstimmung um den Vorsitz nahezu unverändert wiedergewählt.

Rainer Boeven (1. Stellv.), Sylvia Patscher (2. Stellv.), Volker Keitmann (Kassierer) und Christian Kuhlmann (Bildungsbeauftragter) bleiben im Amt. Beisitzer sind Doris Rickert, Anja Ihme, Victoria Verrieth, Nico Chrupalla, Martina Matner-Kißler und Hermann Piepenstock .

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