Masken-Skeptiker

Kundgebung in Iserlohn – „Der wahre Virus ist die Angst“

Geiger „Wolli“ spielt den „Gefangenenchor“ von Giuseppe Verdi, die Schilder von Bernd Graf sollen die Diskussion anregen. Die Resonanz blieb verhalten, der Nachmittag verlief ohne Zwischenfälle.

Geiger „Wolli“ spielt den „Gefangenenchor“ von Giuseppe Verdi, die Schilder von Bernd Graf sollen die Diskussion anregen. Die Resonanz blieb verhalten, der Nachmittag verlief ohne Zwischenfälle.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Iserlohn.  Zweifel an der Maskenpflicht waren der kleinste gemeinsame Nenner bei Premiere von „Iserlohn fragt“ am Samstag auf dem Bahnhofsvorplatz.

„Wir sind keine politische Bewegung“, erklärte die als Moderatorin fungierende Carina ­Steding am Samstagnachmittag auf dem Bahnhofsvorplatz. Eingeladen hatte die Interessengemeinschaft „Iserlohn fragt“, eine Gruppe aus gut zehn Beteiligten, die sich erst vor einigen Tagen zusammengefunden hätten, wie die 51-jährige Iserlohnerin Andrea Allelein unserer Zeitung berichtet – sie selbst stehe nicht gern in der ersten Reihe und habe vielmehr die Koordination und Anmeldung der Veranstaltung übernommen. Ursprünglich am Mittag auf dem Alten Rathausplatz geplant, sei diese in Absprache mit dem Ordnungsamt kurzfristig zeitlich und räumlich verschoben worden; Allelein lobte die Zusammenarbeit auch mit der Polizei.

Die Gruppe wehrt sich präventiv gegen falsche Labels

Im Vorfeld hatte sich die Nachricht von einer Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen verbreitet. Die Veranstalter legten jedoch großen Wert darauf, weder in diese noch in irgendeine andere „Schublade“ gesteckt werden zu wollen. Carina Steding, die sich als gelernte Sozialpädagogin und freiberuflicher Coach vorstellte, charakterisierte die Interessengemeinschaft wie folgt: „Wir sind Menschen, die einfach Fragen stellen. Wir sind nicht allwissend, wir sind Bürger wie Sie. Wir wollen niemanden gefährden, wir sind keine Krawall-Leute.“

Wer sich allein gelassen fühle mit Fragen zur Corona-Krise solle die Möglichkeit bekommen, diese öffentlich zu erörtern, erläutert Andrea Allelein den Zweck der Veranstaltung. Ihr Lebensgefährte, der Iserlohner Musiker Bernd Graf, hatte einige Fragen auf Schildern bereits vorformuliert, etwa: „Wie sicher fühlen Sie sich mit dem Mundschutz?“ Skepsis gegenüber der Pflicht zur Bedeckung von Mund und Nase zog sich als einzige klare Gemeinsamkeit wie ein roter Faden durch die Mischung aus Diskussionsrunde, Gruppentherapie und Konzert – der Schwerter Gitarrist Reinhard Schnelle („Robin Stone) und Geiger „Wolli“ aus Köln, der seinen vollen Namen nicht öffentlich genannt wissen will, sorgten für klangvolle Untermalung. Letzterer eröffnete diesen Teil mit Verdis „Gefangenenchor“, nachdem er die Einschränkung von Reise- und Versammlungsfreiheit kritisiert hatte.

Allergiker und Senioren alsVerlierer des Seuchenschutzes

Mit dem „Corona-Fon“ (ein Teleskop-Mikro) ließ Carina Steding ein paar der etwa 20 Besucher zu Wort kommen. Die Fragen und geäußerten Sorgen drehten sich etwa um Allergiker und Lungenkranke, die mit Mundschutz nicht richtig atmen können. Die Antwort eines anderen Teilnehmers: „Hausärzte sind verpflichtet, in solchen Fällen Atteste auszustellen. Im Zweifel ans Gesundheitsamt wenden.“ Auf Allergiker werde keine Rücksicht genommen, beanstandete „Wolli“, und in Altenheimen hätten Menschen „wegen der Restriktionen einsam und in tiefer Depression“ sterben müssen. Die Angst vor Atemnot befördere Symptome wie Herzrasen und Bluthochdruck, referierte Carina Steding den Beitrag eines Mediziners in der Gruppe.

Als Redner trat der Iserlohner Andreas Winter auf, der als Anbieter „psychologischer Beratung“ und Buchautor bekannt ist. Winter wählte teilweise eine härtere Gangart und warf den Regierungen etwa vor, mit Seuchenschutzmaßnahmen „weltweit Zivilisation zu zerstören“ und zog wissenschaftliche Erkenntnisse zur Pandemie in Zweifel. „Der wahre Virus ist die Angst“, bekundete er ebenso wie viele seiner Mitstreiter.

Andrea Allelein zeigte sich am Sonntag mit der Veranstaltung zufrieden und bedauerte nur die geringe Teilnehmerzahl. Die Interessengemeinschaft ziehe in Erwägung, das Angebot am Samstag, 23. Mai zu wiederholen: „Darüber müssen wir aber noch diskutieren.“

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