Stadtleben

Langsam macht sich Verzweiflung breit

Voller Platz beim Weihnachtszauber im vergangenen Jahr: Auf solche Bilder muss in diesem Jahr verzichtet werden.

Voller Platz beim Weihnachtszauber im vergangenen Jahr: Auf solche Bilder muss in diesem Jahr verzichtet werden.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Die Iserlohner Schausteller sind verzweifelt und möchten nach der Weihnachtsmarkt-Absage in der Innenstadt einzelne Stände errichten.

Die Iserlohner Schausteller sind verzweifelt. Eigentlich möchten sie von März bis November auf den Kirmesplätzen Freude verbreiten und zum Jahresausklang auf dem Weihnachtsmarkt für Gemütlichkeit und Flair sorgen, doch das fällt 2020 bekanntlich aus. Also sind die heimischen Unternehmen aktuell bemüht, nach Alternativen zu suchen, um „Wintergeld“ zu verdienen. Obendrein ist auch 2021 der Start der Kirmessaison alles andere als gewiss.

„Als wir im Frühling mit dem Leierkasten am Altersheim waren, haben uns die Lokalpolitiker Unterstützung zugesagt. Wir haben daraufhin im Sommer versucht, wie in anderen Städten auch, einen mobilen Freizeitpark am Seilersee zu errichten. Das wurde vom Ordnungsamt aber immer wieder abgelehnt, zuletzt im November, und zwar mit der Begründung, das eingereichte Hygienekonzept entspreche nicht den aktuellen Vorgaben. In über einhundert anderen Städten war dieses Konzept aber zuvor genehmigt worden“, berichtet Valentin Mikli.

Er würde mit seinen Ständen ebenso wie die Iserlohner Firmen Wendler oder Hartmann den Kern des hiesigen Weihnachtsmarktes bilden, sitzt aber nun beschäftigungslos daheim. Mikli fragt sich, wo die angekündigte Unterstützung bleibt. Kurzerhand sprach er vergangene Woche bei Bürgermeister Michael Joithe vor, auch weil er bislang von Stadtmarketingchef Dirk Matthiessen oder auch von Seiten des Ordnungsamtes keinerlei Unterstützung verspürt hat.

Valentin Mikli kann nicht verstehen, warum die Iserlohner Schausteller kein Gehör finden, zumal am Seilersee in der letzten Zeit sowohl ein Kasperletheater als auch ein Zirkus aufbauen durften. Ähnlich wie seine Berufskollegen von der Firma Hartmann und Trixi Wendler könnte er sich vorstellen, einzelne Stände in der Innenstadt dezentral aufgebaut anzuordnen, an denen Süßwaren, Gegrilltes oder andere weihnachtliche Spezialitäten verkauft werden. „Das würde natürlich voraussetzen, dass beispielsweise unsere Hotdogs auch am Stand verzehrt werden dürfen“, macht Riccardo Hartmann von der Firma Theresia Hartmann und Söhne deutlich.

Dass so etwas unter Einhaltung der entsprechenden Hygieneauflagen auch möglich ist, zeigt der Blick nach Lüdenscheid. Dort veranstaltet die Plettenberger Firma Langhoff seit vielen Jahren den Weihnachtsmarkt inklusive einer Eisbahn als Generalunternehmer. Auch in Lüdenscheid gab es Anfang November die Absage, doch aktuell darf die Firma Langhoff mit Unterstützung von Stadtmarketing und Bürgermeister zwei Hütten mit Kunstgewerbe und Süßwaren aufbauen. „Wir würden die Eisbahn auch zu einem späteren Zeitpunkt noch aufbauen, wenn es möglich ist“, sagt Alexander Langhoff. Von diesen Verhältnissen können die Iserlohner Kollegen aktuell nur träumen.

Dirk Matthiessen, Leiter des Iserlohner Stadtmarketings, weiß um die Sorgen und Nöte der Schausteller, widerspricht aber dem Vorwurf, man würde nicht an die Betroffenen denken „Deshalb auch haben wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, den Weihnachtsmarkt abzusagen und uns die Option für eine Öffnung bis vor drei Wochen offengehalten, um eben die Veranstaltung vielleicht doch stattfinden zu lassen, was aufgrund der neuen Corona-Situation nun nicht mehr möglich ist“, sagt er.

Am Gespräch Valentin Miklis mit dem Bürgermeister Michael Joithe Ende vergangener Woche habe auch er teilgenommen. „Dabei haben wird dem Iserlohner Schausteller angeboten, unabhängig von einem echten Weihnachtsmarkt einen Stand für die Fußgängerzone beantragen zu können.“ Über einen solchen Antrag entscheide dann das Ordnungsamt unter Berücksichtigung der geltenden Hygienebestimmungen, erklärt der Stadtmarketingleiter.

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