Kunst

Laura Fords Katze beeindruckt die Jury

Laura Ford hat am Donnerstag ihre Werke in der Villa Wessel aufgebaut.

Laura Ford hat am Donnerstag ihre Werke in der Villa Wessel aufgebaut.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Die britische Bildhauerin nimmt am Freitag in der Villa Wessel den diesjährigen Iserlohner Kunstpreis entgegen.

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Sie hat ihr Glück gebracht, die überlebensgroße Bronzeplastik „Emissary Cat“, die seit dem vorigen Jahr als Geschenk der Ulrich-Thiele-Stiftung im Letmather Volksgarten steht. Dort hinterließ sie einen so starken Eindruck auf die Jury, dass sie sich entschloss, der britischen Bildhauerin Laura Ford den diesjährigen „Iserlohner Kunstpreis“ zuzuerkennen. Dank der Spende eines großzügigen Sponsors, der ungenannt bleiben will, wurde die Preissumme erstmalig auf 20 000 Euro erhöht.

Eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung dürfte die Ausstellung mit Werken von Laura Ford an der Gartenstraße 31 im Mai 2015 gespielt haben, die weit über die Region hinaus Beachtung fand.

Der Wessel-Verein feiert die Bildhauerin mit einer ihr gewidmeten Ausstellung in der Villa Wessel, die bis zum 22. Januar zu sehen sein wird. Die gezeigten Skulpturen, Objekte und Zeichnungen stammen bis auf zwei Ausnahmen alle aus den letzten zwei Jahren. Die Wandskulptur „Cloud Girl with Rainbow“ wurde extra für diese Ausstellung von der 1961 in Cardiff/Wales geborenen Künstlerin geschaffen.

Beim Betreten der Ausstellungsräume fällt der Blick des Betrachters zuallererst auf zwei Figuren, die so typisch sind für das Werk der in London lebenden Künstlerin. In der dunkel gehaltenen Bronzefigur „Old Nick“ entdecken wir einen Bären in einem Korbsessel, scheinbar melancholisch auf einem Horn Musik spielend. Auf dem linken Knie dann eine winzige nackte Frau, die wie versonnen zu diesen Lauten tanzt. In dagegen strahlender Farbigkeit ein Mädchen bei „Rocks in her Pocket“, das in Fordscher Manier in Kleidung gehüllt ist. Zu ihrem dunklen Mantel, den weißen Strümpfen und schwarzen Schuhen kontrastiert der rote Schal, aus dem ein tierhaftes Wesen erwächst.

Künstlerin wurde in einer Schauspielerfamilie groß

„Meine Arbeit ist eine Mischung aus Humor, Melancholie und Dunkelheit“, sagt sie selbst. Und das wird schon im ersten Raum deutlich. Eine Auswahl ihrer Mensch-Tier-Wesen, Roman- und Märchenfiguren prägen ihr vielschichtiges Werk. Sie erinnern an Mischwesen, Chimären und hybride Formen, wie sie auch schon in der Malerei unter anderem bei Bosch, Goya, Füssli und Chagall vorgekommen sind. Doch bei Laura Ford herrscht auch eine sarkastische Doppeldeutigkeit vor, die auf Armut und Obdachlosigkeit, Verletzung, Gewalt und Krieg anspielt. Sprichwörter, Kinderreime und Märchen spielen eine große Rolle, aber auch soziale Beziehungen oder reale Ereignisse. Dieser Bilderkosmos, der auch an den Surrealismus anknüpft und Elemente des schwarzen britischen Humors aufweist, regt die Fantasie an und erlaubt einen Blick in die vergessen geglaubte, verworrene Welt der eigenen Kindheit. Denn in ihrer Bildersprache dreht sich alles um das Erinnern und das Bemühen, die Erinnerung zu veranschaulichen.

Die drei lebensgroßen Bronzen, eingehüllt in weiße Lumpen, zeigen drei junge Mädchen in heftigem Schmerz. Ihre Tränen verbergen sie in ihren Händen, haben sich dem Betrachter abgewandt an die Wand gelehnt. Da möchte man trösten, helfen. Menschliche Reflexe von Empathie werden ausgelöst. Doch wenn in einer Welt, in der selbst einem hilflos in einer Bankfiliale liegenden älteren Herrn, der mit dem Leben ringt, keine Aufmerksamkeit zuteil wird, erhalten diese Skulpturen eine erschreckende Realität. Das offenbart die Vielschichtigkeit der Welt von Laura Ford, die gekonnt zwischen scheinbar unsinnigem, (alp-)traumhaftem und scharfer Sozialkritik zu variieren weiß.

„Emissary Cat“, die „Entsandte Katze“ bezieht sich auf eine Romanvorlage von Michail Bulgakow. In „Meister und Margarita“ wird auf satirische Weise das Leben in Moskau in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschildert. Der riesige Kater „Behemoth“ begleitet den Teufel, der als Zauberkünstler eines Tages in Moskau auftaucht.

Laura Ford, die in einer Schaustellerfamilie groß geworden ist, hat in Bath, New York und Chelsea studiert. Heute gehört sie zu den hellsichtigsten und eigenständigsten Künstlerinnen ihrer Generation, deren Werke in international anerkannten Museen präsentiert werden. 2005 vertrat sie Wales auf der 51. Biennale von Venedig.

Zur Eröffnung am heutigen Freitag, 18. November, 19 Uhr, spricht die Wissenschaftliche Direktorin der Kunsthalle Emden, Dr. Katharina Henkel. Bei dieser Gelegenheit wird der Künstlerin der „Iserlohner Kunstpreis“ überreicht. Eske Nannen, Geschäftsführerin der „Stiftung Henri und Eske Nannen und Schenkung Otto van de Loo“ und der Kunsthalle Emden spricht über die Rolle des privaten Sponsoring für die Kunst.

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