„Nah dran“

Laute Pointen und leise Töne

Thomas Reunert im Gespräch mit Anne Bedenbender.

Foto: Stefan Janke

Thomas Reunert im Gespräch mit Anne Bedenbender. Foto: Stefan Janke

Iserlohn.   Nach der Aufführung von „Honig im Kopf“ nahm sich das Ensemble mit Astrid Kohrs, Anne Bedenbender, Karsten Speck und Achim Wolff Zeit für „Nah dran“ mit IKZ-Chefredakteur Thomas Reunert.

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„Wir haben auch einen Fall von Demenz in der Familie, es ist ein sehr berührendes Thema, das mich manchmal noch bis ins Bett verfolgt.“ Dieser Satz von Schauspieler Achim Wolff machte klar, wie nah dem Schauspieler und seinen Mitstreitern von der „Komödie am Altstadtmarkt“ das Thema des Stückes doch geht, mit dem sie am Dienstagabend im Parktheater gastiert haben: „Honig im Kopf“, in der Bühnen-Adaption des Til-Schweiger-Kino-Hits von Florian Battermann unter der Regie von René Heinersdorff. Näher jedenfalls als manch anderes Boulevard-Stück.

Ausdrucksstarke,sensible Darsteller

Nach einer packenden Aufführung der Tragikomödie um Großvater Amandus Rosenbach, der sich in Demenz verliert, die unsinnigsten Sachen anstellt, seine Schwiegertochter fast in den Wahnsinn treibt und schließlich mit Enkelin Tilda, der Einzigen, die mit umgehen kann, nach Venedig türmt, brachte es Schauspielerin Astrid Kohrs beim „Nah-dran“-Gespräch mit IKZ-Chefredakteur Thomas Reunert auf den Punkt: „Es gibt einfach nichts Schöneres, als solche Stücke zu spielen.“ Stücke, die die Menschen von einem Moment zum nächsten sowohl ein Lachen ins Gesicht zaubern als auch fast zum Heulen bringen können. Und so lebte das Stück von lauten Pointen und leisen Tönen, von sensiblen, ausdrucksstarken Darstellern und einem immer wieder neuen, minimalistischen Szenenbild.

Der Humor stand beim anschließenden Kultur-Talk in der Theater-Galerie dann aber im Mittelpunkt. Und auch wenn es schon das vierte Mal war, dass Moderator Thomas Reunert den Hauptdarsteller Achim Wolff vor dem Mikro hatte, war von ihm doch Neues zu erfahren. Zum Beispiel, dass es in der DDR auch schlechte Schauspieler gab – „aber die waren alle gut ausgebildet“. Überhaupt macht sich der bald 80-Jährige so seine Gedanken über das Berufsbild: „Wenn jemand drei Mal bei ,GZSZ’ vor der Kamera gestanden hat, nennt er sich gleich Schauspieler“, schimpft Wolff. Freundlich hingegen geht er mit seinem Iserlohner Publikum um, für das er nur lobende Worte findet. Und das, obwohl er nicht mehr so gern auf Tour ist. In die Waldstadt aber komme er gern zurück.

Anerkennende Wortefür die Atmosphäre

Auch Karsten Speck, er spielte den Sohn von Opa Amandus, nahm nicht zum ersten Mal auf der „Nah-dran“-Bühne Platz und fand erst einmal anerkennende Worte für die Atmosphäre im Großen Haus. „Ich war erst skeptisch wegen der Mikrofone, doch dann war alles gut“, lobte er, der auch die Musik zum Stück geschrieben und Vokal-Parts selbst eingesungen hat, die Theater-Technik. Dass ihm an diesem Abend ausgerechnet ein Huster aus dem Publikum in eine Pointe donnerte, sieht der Profi gelassen: „Das ist eben Theater, das ist live.“

Dass es heutzutage nicht mehr so einfach ist mit dem Theater, darüber sprach Tilda-Darstellerin Anne Bedenbender mit Thomas Reunert. Sie, die Münchnerin auf Wohnungssuche, engagiert sich stark im Jugendtheater, will den Nachwuchs neugierig für die Bühne machen. Was vielleicht auch nötig ist, wenn – wie sie es erlebt hat – Kinder nach dem Stück zu ihr kommen und sagen: „Das war aber ein toller Film!“

Apropos: Auf Film gebannt wurde diesmal auch das „Nah dran“. Achim Wolff ließ es sich nicht nehmen immer wieder mit seiner Videokamera draufzuhalten, und als er selbst auf der Bühne war, übernahm Karsten Speck den Job des Kameramanns für den Film „Erinnerungen an Iserlohn“ – oder so ähnlich.

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