Feuerwehr

Lebensretter können keine Arbeit aufschieben

CDU-Ortsunion und CDU-Fraktion besuchen zum 43. Mal die an Silvester diensthabenden Brandschützer in der Hauptfeuerwache an der Dortmunder Straße. Der Ortsunionsvorsitzende Jörg Teckhaus begrüßt die Teilnehmer.

Foto: Alexander Barth

CDU-Ortsunion und CDU-Fraktion besuchen zum 43. Mal die an Silvester diensthabenden Brandschützer in der Hauptfeuerwache an der Dortmunder Straße. Der Ortsunionsvorsitzende Jörg Teckhaus begrüßt die Teilnehmer. Foto: Alexander Barth

Iserlohn.  Beim Silvesterbesuch der CDU hat die Berufsfeuerwehr noch einmal auf die Personalnot aufmerksam gemacht.

Die erste Wachabteilung der Berufsfeuerwehr freute sich am Sonntagvormittag über den traditionellen Besuch der CDU. Zum 43. Mal, so war durch Nachfrage bei den Dienstältesten zu erfahren, fanden sich Vertreter von Ortsunion und Ratsfraktion vor dem Jahreswechsel ein, um mit den Brandschützern die Ruhe vor dem Sturm für einen ungezwungenen Austausch zu nutzen. Der Einladung folgten mehr Politiker als sonst: um die gut 30 Teilnehmer an der Tafel unterzubringen, mussten zu Beginn zusätzliche Stühle aufgestellt werden. Es sind nicht nur Traditionspflege und Appetit auf die stets gereichten Berliner, die die Christdemokraten zu dem Besuch motivieren, erklärte der Vorsitzende der Ortsunion Iserlohn, Jörg Teckhaus – es gehe darum, in Kontakt zu bleiben und ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Blauhelme zu haben.

16 000 Überstunden schon Anfang Dezember

Diese verstehen sich zwar hervorragend aufs Löschen, aber es gibt auch Dinge, die ihnen selbst unter den Nägeln brennen. Die Personalsituation steht dabei ganz oben, wie nicht nur der frühere Feuerwehrchef und heutige Leiter des Ordnungsressorts, Christian Eichhorn, deutlich machte: „Die Rettungsdienste entwickeln sich wie verrückt. Den Bedarf können wir nur mit Mühe abdecken, dabei müssten wir eigentlich eine Reserve aufbauen.“ Daran sei jedoch angesichts des Krankenstandes und der gesammelten Überstunden, die schon Anfang Dezember die 16 000 überschritten haben, nicht zu denken.

Krankenwagen müssen immer öfter ausrücken

Feuerwehrsprecher Jenz Erl erläuterte, es gebe mehrere Ursachen: „Die Bürger werden älter und brauchen öfter Hilfe. Bei manchen sinkt aber auch die Hemmschwelle für den Notruf.“ Da eine Diagnose am Telefon unmöglich ist und jedes Hilfeersuchen ernst genommen werden muss, rücken die Retter für jeden Ruf aus. Keiner von ihnen möchte Bürger verunsichern, im Zweifelsfall den Notruf zu wählen, und entgegen anderslautender Befürchtungen kommt auch keine Rechnung, wenn sich ein Hinweis nicht erhärtet. Doch die Erfahrung der Blauhelme zeige: „Die Zahl der Bagatelleinsätze steigt. Wir reden dabei über Sachen, mit denen man früher zum Hausarzt gegangen wäre“, stellt Jenz Erl klar.

Michael Barth, Vorsitzender des Feuerwehrausschusses, bezeichnete die aktuelle Personalpolitik als „faulen Kompromiss“ und warnte vor einem Teufelskreis. Da die Brandschützer keine Arbeit liegen lassen könnten, müsse jeder Dienstausfall von Kollegen aufgefangen werden: „Die Überstunden gehen auf die Dauer zulasten der Gesundheit. Das kann keiner wollen.“ Eine erste Entlastung erhofft die Feuerwehr sich von einer Neuregelung der Schichtplanung, die zum 1. Januar in Kraft getreten ist.

Neue Organisation soll für Linderung sorgen

Die verfügbaren Kräfte sind dabei in vier statt bisher drei Abteilungen aufgestellt, erklärte Jenz Erl und nannte auch den größten Vorteil der neuen Organisation: „Wir möchten damit mehr dienstfreie Tage garantieren und die Belastung durch Rufbereitschaft reduzieren.“

Jörg Teckhaus bekundete, die Sorgen der Blauhelme ernst zu nehmen: „16 000 Überstunden, das ist nicht in Ordnung“. Iserlohn müsse als Arbeitgeber für Brandschützer attraktiv bleiben, denn der Konkurrenzdruck sei hoch und das Anwerben zusätzlichen Personals entsprechend schwierig. „Die Zahl der Freiwilligen darf nicht weiter zurückgehen“, benannte Teckhaus eine weitere Baustelle. Dafür sei eine aktive Nachwuchsförderung unerlässlich, Kinder und Jugendliche sollten „so früh wie möglich“ für das Berufsfeld begeistert werden.

Michael Barth führte außerdem an, die Räumlichkeiten an der Dortmunder Straße stießen an ihre Grenzen. „Geplant war das hier für 40 Personen, jetzt arbeiten hier 136.“ Die erfolgten An- und Umbauten würden der Situation kaum gerecht, nicht zuletzt fehle ein Sozialraum, in dem die Brandschützer zwischen ihren Einsätzen zur Ruhe kommen können. „Das wird uns 2018 in den Gremien beschäftigen“, sagte Jörg Teckhaus mit Blick auf die Probleme. Bei den Gesprächen abseits vom Protokoll konnten die Christdemokraten nachholen, was im Alltag oft zu kurz kommt: sich für den unermüdlichen Einsatz der Lebensretter bedanken.

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