Hombruch

LEG wehrt sich gegen Vorwürfe

Nicht sehr ansehnlich: Seit 2008 sind die Fassaden wie hier vom Haus Bremsheide 117 nach Angaben von Mietern nicht mehr gereinigt worden.

Foto: Torsten Lehmann

Nicht sehr ansehnlich: Seit 2008 sind die Fassaden wie hier vom Haus Bremsheide 117 nach Angaben von Mietern nicht mehr gereinigt worden. Foto: Torsten Lehmann

Iserlohn.   „Von Verwahrlosung kann keine Rede sein.“ Sagt die LEG in einer Stellungnahme zu den Vorwürfen der Mieter, die das aber weiterhin anders sehen.

Massive Kritik gegen die LEG ist bei der öffentlichen FDP-Fraktionssitzung am Erbenberg laut geworden. Die dort am Montag von Mietern erhobenen Vorwürfe (wir berichteten) weist die Wohnungsgesellschaft in einer Stellungnahme zurück. Parallel hat die Redaktion vor Ort mit Mietern gesprochen und auch Mietabrechnungen einsehen können.

Nach eigenen Angaben bewirtschaftet die LEG am Hombruch und in der Iserlohner Heide 665 Wohnungen. „Wir haben einen Großteil unseres Bestands am Hombruch in den 90er Jahren modernisiert, so dass die betreffenden modernisierten Häuser eine Wärmedämmung erhalten haben und in einem guten Zustand sind. Der Bestand stand vor der Modernisierung stark im unternehmensinternen und öffentlichen Fokus – es gab aus unserer Sicht Handlungsbedarf, den wir erkannt haben und daher proaktiv tätig geworden sind.“ So schildert es die LEG.

Allerdings lief die größere Modernisierung schon zu Zeiten der Wohnungsgesellschaft Ruhr-Lippe. Gesellschafter waren damals die Landesentwicklungsgesellschaft und die Deutsche Rentenversicherung, bevor die LEG dann 2008 privatisiert wurde.

Der Stadtteil hat sich gut entwickelt – in sozialer Sicht

„Seit der Modernisierung haben wir eine sehr gute Vermietungslage, und das Image des Standorts hat sich deutlich verbessert. Bei einem Treffen mit Vertretern der Stadt Iserlohn wurde am vergangenen Montag auch seitens der Stadt noch mal darauf hingewiesen, wie gut sich der Stadtteil entwickelt hat“, führt die LEG weiter aus.

Christine Schulte-Hofmann, Sprecherin der Stadt, bestätigt ein Treffen von Vertretern des Jugendamtes mit zwei LEG-Mitarbeiterinnen. Kernthema seien Räumlichkeiten für ein geplantes Jugendhilfeangebot gewesen. Dabei hätten die LEG-Vertreterinnen erklärt, dass der Stadtteil im Vergleich zu vor 20 Jahren „sehr viel ruhiger“ geworden sei. Die Vertreter der Stadt hätten auf „die gute Zusammenarbeit von Institutionen, Vereinen und Kirchen“ hingewiesen, die sich unter anderem in gemeinsamen Festen und der Stadtteilzeitung widerspiegele. Allerdings war „der Zustand der Gebäude und Wohnungen kein Thema bei dem Treffen“, macht Christine Schulte-Hofmann deutlich.

„Auch von vielen unserer Mieter erhalten wir regelmäßig positives Feedback. Von einer Verwahrlosung des Stadtteils kann hier keine Rede sein“, sagt überdies die LEG. Wer vor Ort Mieter anspricht, bekommt indes stets das Gleiche zu hören: Die damalige Ruhr-Lippe habe sich deutlich mehr um die Gebäude gekümmert. Ein Beispiel, das auch schon in der FDP-Runde zur Sprache kam, sind die Fassaden. Regelmäßig, so berichtet ein Mieter, seien damals die Faserzementplatten, mit denen die Häuser verkleidet sind, mit Hochdruckreinigern von Stockflecken und Moos befreit worden. Heute würden nur noch die Vordächer aus Glas gesäubert – allerdings zumeist erst, wenn die Mieter die LEG darauf aufmerksam gemacht hätten.

„Auch in den Außenbereichen der Siedlung sind wir seit langer Zeit proaktiv sehr engagiert: So finden beispielsweise mehrmals wöchentlich Siedlungsbegehungen durch die für uns tätige GALA-Firma (Hinweis der Redaktion: Garten- und Landschaftsbau-Firma) statt. Herumliegender Kleinmüll wird sofort entsorgt, über größere Mengen erhalten wir eine Info und kümmern uns dann so schnell wie möglich um die Entsorgung“, sagt die LEG.

Reste des Herbstlaubes und mehrere Sperrmüllhaufen

Tatsächlich jedoch ist etwa auf dem Parkplatz an den Häusern Bremsheide 115-119 nach Auskunft eines Mieters erst vor zwei Wochen das Herbstlaub entfernt worden. Auf verschiedenen Parkplätzen und an Müllcontainern fanden sich am Donnerstag aber noch immer Laubreste – und wiederholt Sperrmüll.

Zu diesem Thema schreibt die LEG in ihrer Stellungnahme: „Weiterhin haben wir an größeren Objekten die Firma Innotec im Einsatz, die das Müllsortierverhalten unserer Mieter begleitet, bei Bedarf richtige Zuordnungen vornimmt und uns sofort informiert, falls zum Beispiel Sperrgut an den Müllcontainerflächen abgestellt wurde. Diese werden dann selbstverständlich ebenfalls in unserem Auftrag zeitnah entsorgt.“

Auch die Behauptung von Mietern, das LEG-Büro am Standort Heide-Hombruch sei geschlossen, weist die Wohnungsgesellschaft zurück. Allerdings seien seit dem 4. Oktober 2016 die offenen Sprechzeiten entfallen und durch „telefonisch individuell vereinbarte Termine im Rahmen unserer umfassenden Neuorganisation“ ersetzt worden.

Strittiges Thema bei den Bewohnern sind überdies die Mietpreise. „Die Mieten liegen im Bereich der ortsüblichen Vergleichsmieten. Mit einer durchschnittlichen Kaltmiete dieser Wohnungen von 5,30 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche im Monat liegen unsere Mieten am Standort somit genau auf dem Mittelwert, den Daten-Erhebungen für das entsprechende Postleitzahlengebiet ausweisen (Quelle: LEG Wohnungsmarktreport NRW 2016)“, erklärt dazu die LEG.

In der Praxis bedeutet das aber, dass auch höhere Mieten als die im Mittelwert genannten 5,30 Euro verlangt werden. Im Fall einer Wohnung am Hombrucher Weg hat die LEG die Kaltmiete zuletzt zum 1. September 2017 auf den höchsten Wert erhöht, den der für den Raum Iserlohn gültige Mietspiegel für diese Wohnung zulässt: 6,02 Euro monatlich pro Quadratmeter.

Die Auswertung der Mietanpassung von 2015 bis 2017 zeigt laut LEG „einen völlig unauffälligen Wert von durchschnittlich 5,32 Prozent“: „Die Fakten widersprechen somit eindeutig den von Ihnen zitierten Aussagen“, kommentiert die LEG.

Grundmiete ist seit 2008 um 40 Prozent gestiegen

Konkrete Zahlen zur Miete kamen bei der FDP-Runde nicht zur Sprache. Bewohner beklagten indes „ständig steigende“ Mieten. Manche fürchten bereits, sich die Wohnungen in Zukunft nicht mehr leisten zu können. Konkretes Beispiel nach unserer Recherche: Bei einer Wohnung ist die Grundmiete seit 2008 bei einer knapp 74 Quadratmeter großen Wohnung von 316 auf 444 Euro gestiegen – also um 40 Prozent. Und das ohne Modernisierung.

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