Verbraucher

Lotse in den Untiefen des Verbraucheralltags

Sie haben ein weites Feld von Kredit bis Umweltschutz zu beackern: Anke Müller, Bernhard Oberle, Birgit Stracke und Astrid Lindner (v. li.) beim Jahresbericht der Iserlohner Verbraucherzentrale

Sie haben ein weites Feld von Kredit bis Umweltschutz zu beackern: Anke Müller, Bernhard Oberle, Birgit Stracke und Astrid Lindner (v. li.) beim Jahresbericht der Iserlohner Verbraucherzentrale

Foto: Michael May

Iserlohn.   Untergeschobene Lieferverträge für Strom und Gas, dreiste Abzocke im Internet, Probleme mit der Telekommunikation – bei fast 6200 Bürgerinnen und Bürgern war die Verbraucherzentrale in Iserlohn im vergangenen Jahr Anlaufstelle für Fragen und bei Problemen. Mit Rechtsberatungen und Vertretungen hat sie sich zumeist erfolgreich für die berechtigten Ansprüche von Ratsuchenden eingesetzt. „Denn in einigen Branchen gelingt es dem Einzelnen immer seltener, sein Anliegen selbstständig beim Anbieter vorzubringen“, erklärt Astrid Lindner, Beratungsstellenleiterin in Iserlohn, bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2018.

Untergeschobene Lieferverträge für Strom und Gas, dreiste Abzocke im Internet, Probleme mit der Telekommunikation – bei fast 6200 Bürgerinnen und Bürgern war die Verbraucherzentrale in Iserlohn im vergangenen Jahr Anlaufstelle für Fragen und bei Problemen. Mit Rechtsberatungen und Vertretungen hat sie sich zumeist erfolgreich für die berechtigten Ansprüche von Ratsuchenden eingesetzt. „Denn in einigen Branchen gelingt es dem Einzelnen immer seltener, sein Anliegen selbstständig beim Anbieter vorzubringen“, erklärt Astrid Lindner, Beratungsstellenleiterin in Iserlohn, bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2018.

Als gefragter Lotse halfen die Angebote der Beratungsstelle auch im vergangenen Jahr, um sich in den Untiefen des Verbraucheralltags zurecht zu finden und gegen unberechtigte Forderungen zu wehren. Zur Kundenklientel zählten sowohl „Vorinformierte“, die sich etwa übers Internet schon mögliche Problemlösungen gesucht haben und damit gescheitert waren, als auch Ratsuchende, die nur über geringes Potenzial zur Selbsthilfe im Verbraucheralltag verfügen.

Dauerbrenner: Ungewollter Wechsel des Versorgers

Ungewollte Wechsel des Energieversorgers und Vertragsumstellung waren neben Anfragen zu Telefon und Internet Dauerbrenner der Beratungsnachfrage. Als Ausgangspunkt dafür ließ sich in der Regel ein Telefonat oder ein Kontakt an der Haustür ausmachen. Mal hatten sich die Werbenden als Vertreter eines Energieversorgers, mal als Energieberater oder als Vermittler vorgestellt. Eigentliches Ziel dabei war es, persönliche Daten in Erfahrung zu bringen, um einen Wechsel des Stromanbieters einzuleiten. Das bemerkte der Verbraucher aber erst, als überraschend der Vertrag vom bisherigen Anbieter gekündigt wurde oder eine Bestätigung für einen neuen Auftrag eintraf.

Zudem sorgten intransparente Preisänderungsmitteilungen von Energieversorgern für Ärger bei Verbrauchern. Vier Unternehmen hat die Verbraucherzentrale NRW daher abgemahnt und gegen drei auch Klage eingereicht, weil in den Schreiben der eigentliche Zweck so geschickt verschleiert war, dass der Kunde die enthaltene Preiserhöhungsankündigung kaum bemerken konnte – und so auch sein Sonderkündigungsrecht verpasste.

Informationen, was seit Mai 2018 für Verbraucher in Sachen neue Datenschutzgrundverordnung wichtig geworden ist, hatte die Verbraucherzentrale ebenso auf dem Schirm wie die Änderungen beim Reiserecht, erläuterte Verbraucherberaterin Anke Müller. Beim Online-Einkauf auf virtuellen Marktplätzen wurde die Hoffnung auf einen billigen Einkauf nicht selten zum teuren Vergnügen. So hatte die Shopping-App „Wisch“ zwar Mode, Elektronik und Heim-Deko zwischen 60 und 90 Prozent günstiger als im stationären Handel angeboten, doch das Bestellen der billigen Produkte kam manchen Kunden teuer zu stehen. So beschwerten sich Ratsuchende über überraschend in Rechnung gestellte Zollgebühren, Steuern und Versandkosten, aber auch über monatelange Lieferzeiten und minderwertige Qualität der Waren.

Ein sensibles Thema sind auch schnelle Kredite. Der Kreditvermittler „blitz.credit“ zum Beispiel bot im Internet eine Mastercard Gold und einen Sofortkredit bis zu 7777 Euro an. Verbraucher erhielten jedoch keinen Kredit, sondern ein Starterpaket samt Zugangsdaten für die Beantragung einer kostspieligen Prepaid-Kreditkarte – dafür waren 149,90 Euro Gebühr zu zahlen.

Bei vielen außergerichtlichen Rechtsberatungen und -vertretungen standen einmal mehr Probleme mit Telekommunikations-Anbietern im Fokus. Nicht nachvollziehbare Rechnungsposten, Stolperfallen beim Anbieterwechsel – oftmals gab es mit den Unternehmen gleich mehrere Probleme.

Mit der Frage „Was läuft im Keller?“ hatte sich die Verbraucherzentrale mit ihrer Kampagne „besser heizen“ aufgemacht, Energiesparpotenzialen auf die Spur zu kommen, denn 60 Prozent aller Heizungen verbrauchen zu viel Energie. Und schon mit dem einfachsten Schritt, dem Tausch des alten Öl- oder Gasheizkessels gegen moderne Brennwerttechnik, sinkt der Energieverbrauch um ein Viertel.

Beratungsdefizite in Telekommunikations-Shops

Die Umweltberatung der Iserlohner Verbraucherzentrale war 2018 auch aktiv, um Wege vorzustellen, wie sich Plastikmüll im Alltag reduzieren lässt. Außerdem hat sie mit einer Graffiti-Aktion plakativ aufgerufen, keinen Müll über Abfluss und Toilette ins Abwasser zu entsorgen.

Wie Beratungsstellenleiterin Astrid Lindner ausblickend erklärte, hätten die Verbraucherschützer festgestellt, dass Telekommunikationsshops bei ihren Informationspflichten gegenüber den Kunden beim Vertragsabschluss patzen. „Wir haben daher ein 14-tägiges Widerrufsrecht bei solch komplexen Vertragskonstellationen gefordert“, sagt Astrid Lindner.

Und passend zur Europawahl habe die Verbraucherberatung auch aufgezeigt, wie die Menschen im Alltag von der europäischen Verbraucherpolitik profitieren: „Von der Deckelung der Gebühren beim Einsatz von Zahlungsmitteln über die Abschaffung der Roaming-Gebühren bis hin zu Vorgaben für energieeffiziente Kühlschränke und Waschmaschinen, wodurch Haushalte bei den Stromkosten kräftig sparen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben