Vereine

„Mal alle Fünfe gerade sein lassen“

Stelldichein beim Kreisschützenbund: (v. li.) Hermann-Josef Moneke, Chef der Schützenbruderschaft Sümmern, stellv. Kreisoberst Manfred Skowronski, Kreisoberst Stefan Tremmel, Bundesgeschäftsführer Wolfram Schmitz

Foto: Jörg Kleine

Stelldichein beim Kreisschützenbund: (v. li.) Hermann-Josef Moneke, Chef der Schützenbruderschaft Sümmern, stellv. Kreisoberst Manfred Skowronski, Kreisoberst Stefan Tremmel, Bundesgeschäftsführer Wolfram Schmitz Foto: Jörg Kleine

Sümmern.   Immer mehr Auflagen und Hürden für Vereine waren Top-Thema bei der Delegiertenversammlung des Kreisschützenbundes Iserlohn.

Der Applaus für Landrat Thomas Gemke kam nicht von ungefähr. Bei der Delegiertenversammlung des Kreisschützenbundes in Sümmern hob Gemke das Schützenwesen als „ein verbindendes Element“ in Städten und Dörfern hervor. Aber noch viel mehr schmeckte den versammelten Schützenbrüdern von Menden bis Letmathe des Landrats verbaler Ausflug in die Abteilung Recht und Ordnung: „Wir müssen auch mal wieder alle Fünfe gerade sein lassen“, betonte Gemke.

Nein, der Landrat wollte am Samstagnachmittag in der Sümmerner Schützenhalle nicht höchstselbst die Revolution gegen die Obrigkeit anzetteln, aber ihn wurmt, was viele Schützen- oder Sportvereine mitunter auf die Palme bringt: Es sei eine Unsitte, wenn Menschen nicht mal mehr bereit seien, im Auto abzuwarten, bis ein Schützenfestzug durchmarschiert ist – ohne gleich stürmisch zu hupen oder mit Klage zu drohen.

Vereine bekommen immer mehr Auflagen

Lärmschutz, verschärfte Waffengesetze, aber weniger Polizisten im Land: „Irgendwann wird’s einfach nicht mehr gehen“, folgerte Gemke. Und dabei band er die Sportvereine gleich mit ein, die oft darunter leiden, dass Nachbarn sich schon beschweren, wenn der Stadionsprecher über Lautsprecher die Mannschaftsaufstellungen verkündet.

„Ich feiere gern ein Schützenfest“, resümierte Gemke – eben unter brandendem Beifall der rund 200 Schützenbrüder. Und Iserlohns stellvertretenden Bürgermeister Thorsten Schick blies bei seinem Grußwort ins gleiche Horn: „Umso höher ist Ihre Bereitschaft einzuschätzen, sich weiterhin für diese gute Sache zu engagieren.“

Im Jahr des Doppelwahlkampfs zeigten auch die SPD-Landtagsabgeordneten Inge Blask (Hemer) und Michael Scheffler (Oestrich) sowie die Bundestagsabgeordneten Christel Voßbeck-Kayser (CDU) und Dagmar Freitag (SPD) Flagge in der Schützenhalle. Für Dagmar Freitag war es nicht nur ein Heimspiel in Sümmern, sondern sie hatte am Rande der Schützentagung auch eine gute Botschaft, zumindest für die Sportvereine: Mit den Stimmen der Großen Koalition hat der Bundestag Anfang des Jahres eine Änderung der Lärmschutzverordnung auf den Weg gebracht, nach der es auf den Sportplätzen künftig auch wieder ein wenig lauter werden darf.

Kreisjugend der Schützensucht neuen Stellvertreter

Stefan Tremmel, Kreisoberst des Iserlohner Schützenbundes, und Wolfram Schmitz, Vorstand des Sauerländer Schützenbundes, vernahmen die Worte im Sinne des Schützenwesens gern. Zumal es die heimischen Vereine immer schwerer haben, Mitglieder für ehrenamtliche Aufgaben in führender Position zu gewinnen. Und das liegt auch an vielen bürokratischen Hindernissen, die heutzutage zu überwinden sind.

Ein zweites Kernthema wurde bei der Versammlung in Sümmern ebenfalls offenkundig – demografische Entwicklung und gesellschaftlicher Wandel. Es gibt weniger junge Menschen, dafür aber ein deutlich umfangreicheres Angebot in der Freizeit. Bei den Schützen ist jedenfalls die Position des stellvertretenden Kreisjugendsprechers zuletzt vakant geblieben.

Kreisjugendsprecher Christian Reiche muss die Arbeit somit vorerst alleine stemmen. Und Stefan Tremmel appellierte: „Wir alle stehen in der Verantwortung.“ Es müsse eine Herzensangelegenheit in den Vereinen sein, sich jungen Menschen noch stärker zuzuwenden.

Abseits der kritischen Themen warfen die Schützen derweil beim Kreisdelegiertentreffen auch frohen Mutes den Blick nach vorn. „Ich krieg’s Kribbeln unter der Jacke, denn die Schützensaison ist jetzt eröffnet“, rief Kreisoberst Tremmel den Schützenbrüdern zu.

Zu den Glanzlichtern zählen dabei etwa das Kreisschützenfest am 9. und 10. September mit dem Schützenverein Holzen-Bösperde-Landwehr als Ausrichter. Die Gastgeber vom Wochenende feiern in diesem Jahr derweil ein Jubiläum: 175 Jahre Schützenbruderschaft St. Sebastian Sümmern.

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