Interview

Marcel Remus: „Und ich war dem Druck doch gewachsen!“

Lesedauer: 13 Minuten
Viele reden immer wieder und gern über den „Willen zum Erfolg“. Marcel Remus hat ihn ganz offensichtlich. Und lebt ihn auch.

Viele reden immer wieder und gern über den „Willen zum Erfolg“. Marcel Remus hat ihn ganz offensichtlich. Und lebt ihn auch.

Foto: Privat

Palma de Mallorca.  Er verkauft auf Mallorca Villen für Millionäre und geht für die einsame Oma zur Apotheke. Ein persönliches Gespräch mit Marcel Remus

Wer sich für Immobilien-Makler-TV-Formate interessiert, kennt ihn schon viele Jahre. Wer auch noch Interesse an Mallorca hat, erst recht. Marcel Remus (34) hat sich schon in jungen Jahren selbst zur Marke gemacht, ist inzwischen ganz schön nah dran an den Schönen und Reichen, trifft diese allerdings auf einer Insel, die unter der Corona-Last ächzt und nach Touristen lechzt. Ein Gespräch mit einem Mann mit der Lebens-Motivation einer sich selbst motivierenden Sprungfeder.

treu trifft - Marcel Remus
treu trifft - Marcel Remus

Buenas tardes, Herr Remus. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich gar nicht, wo ich bei Ihnen anfangen soll. Also bevor ich zu Mallorca komme. Machen Sie mir vielleicht erst einmal etwas den Mund wässrig oder verderben Sie mir leicht die Stimmung, wir warten hier gerade auf ein Sturmtief, wie ist das Wetter gerade auf Mallorca?

Hola, hola, hola von Mallorca. Wir haben traumhaftes Wetter, hatten heute rund 23 Grad, strahlend blauen Himmel und richtiges Mallorca-Wetter eben. Die Touristen könnten quasi auf die Insel strömen – wäre da nicht Corona.

Sie sind aufgewachsen unter anderem in Bergkamen-Rünthe. Da gibt es jetzt auch sogar einen tollen Yachthafen. Kennen Sie das Gefühl von Heimweh?

Nicht so richtig. Ich habe von ganz vielen Freunden, Bekannten und von der Familie gehört, dass die einen tollen Hafen haben, aber ich bin jetzt seit Mittwoch, 23. August 2006, auf Mallorca, bin angekommen und es ist mein Zuhause. Ich liebe die Insel und ich vermisse – so blöd es vielleicht klingt – Deutschland ehrlicherweise nicht wirklich.

In Ihrer Vita finde ich, dass Sie neben einem Fernstudium in International Business & Marketing als Dressurreiter für die Pferdegala „Apassionata“ gearbeitet haben. Haben Sie Ihr Leben selbst schon mal als zumindest „ungewöhnlich“ empfunden?

Ich finde es eigentlich grundsätzlich ungewöhnlich, weil ich in jungen Jahren mit 19 bereits ausgewandert bin, habe dann schon mein Geld mit „Apassionata“ verdient, weiß, was, es heißt, das Geld hart zu verdienen und zu versteuern. Wenn ich mich zurückerinnere, ich habe zehn Euro für eine Reitstunde bekommen. Ich bin nach wie vor bodenständig, weiß, wo ich herkomme. Und auch, wenn ich täglich mit den Millionen meiner Kunden jongliere und Beträge verwalte, wo man wirklich nur mit den Ohren schlackern kann, bin ich immer noch der Typ von nebenan und normal auf dem Boden der Tatsachen geblieben.

Seit 2007 makeln Sie auf Mallorca, ab 2009 mit eigenem Unternehmen. Gleich Ihr erstes Geschäft soll ein 10-Millionen-Euro-Kracher gewesen sein. Wie behält man als junger Mensch da die Bodenhaftung?

Das ist ein ganz wichtiges Thema. Gerade viele junge Menschen, die mit 23 oder 24 Jahren schon so viel Geld verdienen, hätten wahrscheinlich erstmal in den Beachclubs hier auf der Insel „Champagner für alle“ bestellt. Ich bin da einfach bodenständig geblieben. Je mehr Geld ich verdiene, desto bodenständiger und normaler komme ich mir manchmal vor. Man erkennt, dass das gerade auch in Corona-Zeiten eben nicht selbstverständlich ist. Ich habe heute Mittag ein Haus verkauft für über drei Millionen Euro an deutsche Kunden. Ich weiß, dass das in Corona-Zeiten nicht selbstverständlich ist, dass man Kunden betreuen und Geschäfte machen kann. Darum freue ich mich jeden Tag auf’s Neue, dass es mir gut geht, dass meine Familie gesund ist und dass die letzten Jahre so erfolgreich waren auf Mallorca.

Sie geben eine Zeitung heraus, haben ein Modelabel, veranstalten die „Remus Lifestyle Night“ mit tatsächlichem Promi-Alarm auf Mallorca, sind Bestseller-Autor und eine eigene Interior- und Deko-Kollektion haben Sie auch noch. Und verkaufen und vermieten eben Luxus-Villen und Wohnungen. Wie überlebt man das? Wie motivieren Sie sich?

Wenn ich morgens wach werde, schreibe auf den sozialen Kanälen meinen Followern: „Hola, hola, hola, raus aus den Federn. Jetzt geht’s los, ran an die Arbeit, Attacke“. Mein Problem ist, dass ich eher übermotiviert bin. Warum das so ist, kann ich gar nicht so genau sagen. Das hat vielleicht was mit meiner Vergangenheit zu tun. Dass ich in der Schule immer ziemlich schlecht war. Ich war zwar auf dem Gymnasium, hatte höchstens eine Vier in Mathe und auch mal eine Fünf in Englisch. Heute habe ich jeden Tag englische Kunden, spreche Spanisch jeden Tag und alle verstehen mich. Das war eine harte Zeit damals in der Schule und die Lehrer haben auch nicht an mich geglaubt, dachten, ich sei dem Druck nicht gewachsen. Aber ich war dem Druck doch gewachsen, wusste aber auch, dass Kurvenberechnungen und auch der sonstige Kram, der dort gelehrt wird, nicht für mein tägliches Business notwendig ist.

Motivationsprobleme haben viele Menschen gerade jetzt in der Pandemie-Zeit. Vor ein paar Tage haben Sie bei Instagram Luft abgelassen. Gegen Influencer, die in diesen schweren Zeiten nichts Besseres zu tun haben, als über ihre Langeweile zu nörgeln. Diese „sollten bitte einfach ihre Schnauze halten oder normaler täglicher Arbeit nachgehen, oder was für den guten Zweck tun! Andere reißen sich jeden Tag den Popo auf und die reden alle nur Scheiße! Oder posten Urlaubsbilder von 2019 oder machen Haar-Kuren!“. Damit macht man sich nicht nur Freunde.

Okay, das ist jetzt vielleicht nicht die typische Wortwahl für einen Luxusmakler, aber mal grundsätzlich: Auch ich habe natürlich meine Kooperationen auf Instagram, verdiene Geld damit und finde auch Influencer gar nicht schlimm. Aber wie man in den Wald hineinruft, so kommt es auch zurück. Wenn man in der aktuellen Corona-Zeit unterwegs ist, sollte man auch mal nach rechts oder links schauen. Ein typischer Influencer, der in diesen Zeiten unterwegs ist sollte eben nicht nur den ganzen Tag Shampoos oder Teesorten bewerben, sondern sollte sich überlegen, ob er mit seiner Reichweite auch mal Gutes tun könnte.

Ich habe vier Dinge gefunden, die Ihnen neben anderen – glaube ich – ziemlich wichtig sind: Sport, Chillen, Ihr Hund Buddy und Frische-Atem-Tropfen.

Das ist genau richtig, wo haben Sie das denn gefunden?

Ist es nicht auf Dauer anstrengend, immer alles anders als alle anderen zu machen?

Das ist eigentlich bei mir innen drin. Ich mache es ja nicht extra anders. Ich bin einfach so. Meine Firmen-Philosophie, also die fünf A’s aus „alles anders als alle anderen“, das ist meine Persönlichkeit. Weil ich für meine verschiedenen Jobs, die Sie ja schon aufgezählt haben, leidenschaftlich bin und sie gerne mache, ergibt sich das eben auch so. Und es macht immer mehr Freude. Ich laufe nicht dem Geld hinterher, sondern stecke einfach viel Leidenschaft hinein.

Kommen wir zur Lage auf Mallorca – Ist das gesamte Inselleben tatsächlich so am Boden, wie wir uns das hier vorstellen?

Ich würde sogar behaupten, es ist schlimmer, als man es sich in Deutschland vorstellen kann. Auch weil in Deutschland Hilfen vom Staat viel schneller greifen und ankommen. Ich habe im Bekanntenkreis Menschen, die haben in der Altstadt von Palma eine Tapas-Bar, die haben vor einem Dreivierteljahr Unterstützung angefordert und bis heute nichts erhalten. Wenn man durch Palma fährt, ist es eine Katastrophe, weil man die Insel als typischer Deutscher natürlich ganz anders kennt. Mallorca steht für Sommer, Sonne, Sonnenschein, für Lifestyle, Luxus, Party und schöne Momente – und wenn man jetzt über die Insel fährt und Straßenzüge sieht, die wie leergefegt sind, dann ist das einfach eine Katastrophe.

Wir sehen im TV Bilder von Armenküchen, hören schlimme Zahlen von Sozialfällen und Arbeitslosigkeit – sehen Sie eine Möglichkeit, dass Mallorca sich aus dieser Tourismus-Falle aus eigener wirtschaftlicher und kreativer Kraft befreien kann?

Ich hoffe es und glaube auch, dass Mallorca es schaffen kann, aber es wird noch eine ganz harte Zeit auf uns zukommen, denn das ist ja wirtschaftlich gesehen erst der Anfang. Man darf auch auf keinen Fall den Fehler machen zu früh zu lockern, dass dann Massen an Touristen rüberkommen und das Ganze wieder von vorne losgeht. Aber dennoch ist es natürlich wichtig, dass Menschen wieder auf die Insel kommen und so auch Geld auf die Insel kommt. Davon lebt Mallorca. Das ist eine Touristen-Insel und wenn die nicht kommen, kann das ganze System nicht funktionieren. Der Weg dahin ist allerdings zwiespältig. Hauptsache, es bleibt dabei, dass man nur mit einem Corona-Test anreisen darf.

Insel-Kenner und -Liebhaber finden sogar noch was Gutes daran, dass Corona den Reset-Knopf gedrückt hat. Sie auch ein bisschen?

Natürlich gibt es viele, die sagen, dass die Natur das mal gebraucht hat, dass es keine Kreuzfahrer im Hafen gibt und kein Plastikmüll im Hafen oder im Meer schwimmt. Das hat natürlich viel für sich, aber es hat eben auch Negativ-Aspekte. Eine schwierige Situation, die man so noch nie hatte. Und es ist eine Situation, bei der und in der man sich helfen muss.

Sie selbst haben sich aktiv in den Dienst der Pandemie und des Lockdowns gestellt, haben andere Menschen in der Krise betreut. Was hat das auch mit Ihnen gemacht?

Das war eine krasse Erfahrung. Ich habe ja mit einfachen Botengängen für ältere Menschen, die nicht rausdurften, angefangen. Zur Apotheke zum Bespiel. Der Lockdown hier war ja viel, viel härter als in Deutschland. Im Fernsehen haben wir die Bilder gesehen, wie in Deutschland die Menschen zum Baggersee fahren oder in die Pedale treten und wir mussten wirklich 24 Stunden im Haus bleiben. Außer man hat einen Hund, da durfte man 100 Meter gehen und wurde trotzdem ständig von der Polizei kontrolliert. Die gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen haben mich krass beeindruckt. Ich habe aber auch Einkäufe übernommen für eine Familie, die ihre Kinder nicht allein zuhause lassen konnten und sie auch nicht mitnehmen durften. Und ich habe mich für Caritas Mallorca engagiert. Als ich vor einem Jahr angefangen habe, da standen vielleicht 20 Leute an der Essenausgabe und jetzt, als ich wieder Lebensmittel abgegeben habe, stehen da 200 Leute, ganze Straßenzüge.

Soweit wir wissen, brummt das Geschäft mit Luxus-Objekten ungemindert bzw. jetzt erst recht. Während auf dem Flugplatz wochenlang keine Chartermaschine ankam, platzte der Privatjet-Bereich aus allen Nähten. Kommen Ihnen da manchmal doch Zweifel an der Gerechtigkeit auf dieser Welt?

Wir befinden uns in einer ganz, ganz krassen prekären Situation, in der die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergeht. Und sie wird in den nächsten Monaten auch noch krasser auseinandergehen. Mein Job ist es nun mal, mit Luxuskunden umzugehen, sie zu betreuen, ihnen das passende Objekt hier auf Mallorca zu besorgen. Und das ist eine wahrlich komische Situation, in dieser Pandemie dann Kunden zu treffen, die gerade mit dem Privatjet eingetroffen sind und die überlegen, wie sie noch mehr hier investieren, weil sie viel Geld mit Masken oder PCR-Tests verdient haben. Es ist eine Krux, dass die Mittelschicht scheinbar gar nicht mehr existiert.

Zum Schluss: Geht‘s jetzt mit dem Schlückchen Champagner noch in die Abendsonne oder geht‘s mit Buddy Gassi?

Zum einen trinke ich grundsätzlich keinen Alkohol, aber ich werde gleich wieder ins Büro fahren und dann heißt es wieder „Attacke!“ Außerdem wäre es mir am Pool viel zu langweilig.

Das komplette Interview mit Marcel Remus, in dem es übrigens auch um ein berühmtes Pferd aus Iserlohn geht, auf www.ikz-online.de, facebook, instagram und youtube.

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