Poetry-Slam

Marian Heuser gibt Tipps für den Heimat-Slam

Marian Heuser ist ein echter Poetry-Slam-Meister.

Foto: Michael May

Marian Heuser ist ein echter Poetry-Slam-Meister. Foto: Michael May

Iserlohn.   Pauline Droste, Jakob Becker und Vivien Schmiereck vertreten das Stenner-Gymnasium im Wettbewerb

„Das Gros der Leute macht es zum ersten Mal“, freut sich Marian Heuser über das starke Interesse der 17 Teilnehmer an seinem Poetry-Slam-Workshop am Gymnasium an der Stenner. Sechs von ihnen haben schon einen Kurs bei ihm besucht. „Wir machen erst mal lockere Schreibübungen Richtung Prosa, kreatives Schreiben und wie man auftreten und performen kann. Es ist alles erlaubt. Schreibt, wie Euch der Schnabel gewachsen ist. Schreibt über Dinge, die Euch betreffen.“ Als Beispiele spielt er kurze Filme ein.

Heimatbund Märkischer Kreis engagierte den Slam-Promi

Der Heimatbund Märkischer Kreis engagierte den bekannten Poetry-Slam-Veranstalter, um Jugendlichen im Kreisgebiet das Thema Heimat näherzubringen. Mit dabei sind außerdem das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Plettenberg, das Evangelische Gymnasium Meinerzhagen und das Burggymnasium in Altena. Das Ganze mündet in einen Schulwettbewerb. Jede Schule schickt drei Kandidaten am 20. Oktober zur Abschlussveranstaltung ins Kulturhaus nach Lüdenscheid.

Das Gymnasium an der Stenner werden bei dem Schulwettbewerb die Iserlohner Slammer Pauline Droste, Jakob Becker und Vivien Schmiereck vertreten. Sollte einer von ihnen ausfallen, rückt Ersatzmann Gabriel Polebas nach. In den Kategorien Herz, Humor und Tiefgang ermittelt das Publikum die besten Heimat-Texte und vergibt sechs Preise.

Zum Auftakt des zweitägigen Workshops sammelt Marian Heuser schnell viele Stichworte zum Thema Heimat und schreibt sie an die Tafel: Natur, Flucht, Zugehörigkeit, Ursprung, Liebe, Geschichte, Gefühl, Flucht, Krieg, Geborgenheit, Familie, Zuhause, Freunde, Kindheitserinnerung, Sportvereine, Tradition, Bräuche, Staatsangehörigkeit, Essen, Spezialitäten, Religion, Patriotismus, Fremdenhass, Vorurteile. Aber auch „Kein Ort?!“ Er rät zur Stichwortsammlung: „Macht Euch eine Mind-Map.“ Heuser notiert freie Themen, zu denen die Jugendlichen ebenfalls schreiben können: Social Media, Schule und Beruf, Fast Food, Schicksalsschläge, Trends und Hipster. Er nennt einige „Tricks“ bei Slam-Texten: die Ich-Perspektive einnehmen, aber auch mit Perspektivenwechsel überraschen, humorvolle bis groteske Darstellungen wählen – Tagesaktuelles und Zeitloses eigne sich gleichermaßen.

„Ich möchte alle ermutigen mitzumachen. Mit den Aufgaben erhalten sie das Rüstzeug für freies Sprechen vor Gruppen“, schildert Marian Heuser seine Methode. Bevor sie richtig starten können, ertönt ein Feueralarm, alle müssen die Schule verlassen. Danach gehen die Schüler ans Werk, bekommen Zeit für die Ideensammlung, fürs Schreiben und für den Auftritt und die gemeinsame Analyse. Für das gemeinsame Feedback gibt er diese Devise aus: „Respect the poet. Jedem Autor gebührt Respekt.“

Die Gymnasiasten schildern ihre Start- und Schreibschwierigkeiten und ihr Wechselbad der Gefühle dabei. „Das ist das was Poetry Slam so reizvoll macht. Das macht es authentisch und ist normal. Wenn ich Geschichten schreibe, schreibe ich kreuz und quer, mache Querverweise und Textbrücken“, erläutert Marian Heuser dem Nachwuchs. „Wenn ich es abschreibe, klingt es super.“

Liebe, Selbstvertrauen, Mode, Mobbing und Suizidgedanken

Zur Lyrik erläutert er die verschiedenen Reimschemata und rät dann: „Bleibt kreativ, hängt euch nicht an Reimen auf. Bitte nicht verkrampfen und an der Form krepieren nach dem Motto: Reim dich oder ich fress dich.“ Die Texte handeln von ihrer Lebenswirklichkeit, von Liebe, Selbstvertrauen, Mode, Mobbing, Drogen, Alkohol und Suizidgedanken. Die Schüler lesen ab oder improvisieren. „Es gibt ein paar Freestyler in der Szene“, erläutert Marian. „Es gibt Leute die können es per Zuruf. Man braucht sehr viel Mut, um auf der Bühne zu stehen. Das ist ein Talent, das solltest Du nutzen“, ermuntert er einen Schüler. „Ich bin fasziniert, wie viele unterschiedliche Typen hier mitmachen.“

Für den zeitlich begrenzten Vortrag vor Publikum rät er, die Texte mit dem Computer nochmal aufzuschreiben in der Arialschrift Größe 14 und mit einem Zeilenabstand von 1,5.

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