Parkhalle

Marode Halle bis aufs Gerippe entkernt

Wo bis zum Herbst noch gefeiert und getanzt wurde, werden derzeit die Abbruchmaterialien fein säuberlich getrennt für den Abtransport zwischengelagert.

Wo bis zum Herbst noch gefeiert und getanzt wurde, werden derzeit die Abbruchmaterialien fein säuberlich getrennt für den Abtransport zwischengelagert.

Foto: Privat

Iserlohn.  Der Abriss der Parkhalle geht voran, bis Ende Mai soll sie verschwunden sein. Das Schützenfest ist nicht in Gefahr und hat einen neuen Festwirt.

Auf den ersten Blick scheint es, als ob der Abriss der Parkhalle noch gar nicht begonnen hätte. Doch wer durch den Zaun und das große Loch in der Rückwand lugt, wo früher die Bühne stand, sieht Tabula rasa von innen: Große Haufen mit Abbruchmaterial – getrennt nach Rigips, Holz, Aluminium und anderem – sind zur Entsorgung oder fürs Recycling aufgeschichtet.

Nackte Wände und die Decke geben den Blick frei auf das Gerippe, das die Leichtbauhalle mehr als vier Jahrzehnte zusammengehalten hat. Und dies macht einmal mehr deutlich, dass sie anno 1972 nur als Provisorium gedacht war. Sämtliches Inventar, Theken und die Küchen, aber auch die Künstlergarderoben und das Interieur aus dem Senator-Pütter-Saal wurden entfernt. Nur Reste der Lüftungsanlage sind noch zu sehen. Im Restaurant Hacienda und auch im Keglerheim hingegen sind bislang nur das Mobiliar und die Kegelbahnen entfernt worden. Die Bahnen sollen an anderer Stelle in Iserlohn künftig genutzt werden (wir berichteten).

Zunächst Teile der Einrichtung vermarktet

Wegen Einsturzgefahr ist die Parkhalle seit Anfang Dezember komplett geschlossen. Hacienda-Betreiber Bernd Hegemann und Christoph Panne (MK Event) waren mit von der Partie, um zunächst Teile der Einrichtung zu vermarkten – ob Kühlhaus, Theken oder Stühle (wir berichteten). Derweil lief beim Kommunalen Immobilien-Management (KIM) die Ausschreibung für den Abriss des über 45 Jahre alten Leichtbauwerks. Die Stadt schätzte die Kosten zunächst auf 650 000 bis 800 000 Euro. Schließlich erhielt die Firma „Lukassen Abbruch-Erdarbeiten GmbH“ für 320 000 Euro den Zuschlag – weit günstiger also als gedacht. Ende Februar begann die Firma mit der Entkernung, bis Ende Mai soll der Abriss bis auf die Sohle abgeschlossen sein.

Dass die Außenwände der Parkhalle bislang noch weitestgehend unberührt aussehen, hat womöglich zu dem Gerücht geführt, dass das Schützenfest des IBSV in diesem Jahr ausfalle. Dem treten Oberst Wolfgang Barabo und sein Vize Thomas Kuche aber entschieden entgegen: „Das Fest findet vom 6. bis zum 9. Juli auf der Alexanderhöhe statt.“ Damit der Termin, für den ja schon ein Großteil der Kapellen und Bands vor dem plötzlichen Parkhallen-Aus im Dezember gebucht worden waren, gehalten werden kann, habe die Stadt entschieden, anders als erst geplant, die Bodenplatte der Parkhalle zunächst noch zu belassen. Zu groß war die Unsicherheit, was darunter an Fundamenten der „alten Parkhalle“ noch erhalten ist, auf die sich dann möglicherweise so einfach kein Festzelt stellen lässt. So kommt die Bodenplatte samt Fundament als letzter Schritt des Abbruchs erst nach dem Schützenfest weg.

Die Stadt hat dasFestzelt schon gebucht

„Und das Zelt hat die Stadt inzwischen gebucht“, freut sich Barabo auf das große Heimatfest. Wie geplant wird dabei ein zweigeschossiges Festzelt aufgebaut, das alle drei Jahre auch beim Schützenfest in Altena steht – und Platz für bis zu 1600 Personen bietet. Wenn die Altenaer Friedrich-Wilhelm-Gesellschaft, wie der dortige Schützenverein heißt, vom 31. Mai bis 3. Juni gefeiert hat, hole der Verleiher, die Firma Otto Kühling aus Vechta, das Zelt gar nicht erst zurück nach Norddeutschland, sondern lasse es direkt in der märkischen Region, erklärt Thomas Kuche.

Aufgebaut werden soll es übrigens nicht in Längsrichtung der bisherigen Halle, sondern parallel zum Parktheater – und zwar mit einer Zelt-Empore im zweiten Stockwerk in Richtung der beliebten Festwiese. „Der Bereich ist auch gläsern beziehungsweise teils geöffnet“, schildert Bara­bo und freut sich über die Möglichkeiten, die das Zelt bietet. Parallel gibt es auch eine Neugestaltung des Festgeländes und des Programms beim Schützenfest. So bleibt das Iserlohner Zelt, vielen bekannt als „Feuerwehrzelt“, an seinem Platz, wird jedoch ein wenig kleiner sein und weniger Wände haben. Die Showbands wiederum werden im großen Festzelt aufspielen. „Es ist akustisch nicht lösbar, in benachbarten Zelten Musik zu spielen, gleich ob live oder von einem DJ“, erklärt Barabo. Deswegen werde es diesmal auch kein Höhenzelt geben. Über „ein spezielles Programm für die jüngeren Festbesucher“ denkt der IBSV derzeit noch nach.

Zeltverleiher wird neuer Festwirt auf der Höhe

Derweil wird der Zeltverleiher Otto Kühling aus Vechta, der auch schon beim Sümmeraner Schützenfest im Einsatz ist, auf Empfehlung der Krombacher Brauerei neuer Festwirt auf der Alexander­höhe. Nach den früheren Verträgen fiel diese Aufgabe bislang immer dem Pächter der Parkhalle zu. Mit deren Abriss war die Regelung obsolet, gleichwohl habe der IBSV seinen langjährigen Partner Bernd Hegemann gefragt, ob er diese Aufgabe auch weiterhin übernehmen möchte.

Der 59-jährige Iserlohner bewirtschaftete 18 Jahre lang, davon zwölf Jahre alleine und mit seiner Lebensgefährtin Jana Fritzsche, die Parkhalle. Im Herbst 2017 bekam er dann „einen gewaltigen Schuss gesundheitlich vor den Bug“: Nach einem unentdeckt gebliebenen Herzinfarkt hat er drei Wochen lang mit einem Riss im Herzen überlebt. Deswegen sei ein Kürzertreten und ein Abschied vom Festwirt-Dasein nach so vielen Jahren sinnvoll. Zumal Hegemann immer noch seine Lebensgefährtin bei der Theater-Gastronomie und als Betreiberin des Letmather Saalbaus unterstützt.

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