Iserlohn.

Matthias Höfs will das Miteinander

Für die jungen Musiker der Musikschule Iserlohn ist das Konzert mit dem Gast der Herbsttage in jedem Jahr ein großer Moment.

Für die jungen Musiker der Musikschule Iserlohn ist das Konzert mit dem Gast der Herbsttage in jedem Jahr ein großer Moment.

Foto: Emily Karacic

Iserlohn.   Der Stargast der Internationalen Herbsttage stellt sich beim Abschlusskonzert mit Leichtigkeit und Spielfreude ganz in den Dienst der Musik

Einen herausragenden Vormittag durften die Besucher des Parktheaters am Sonntag miterleben: Beim Festlichen Abschlusskonzert der 41. Internationalen Herbsttage für Musik begeisterten die vielen unterschiedlichen und spannenden Eindrücke.

Da war zum einen das Sinfonieorchester der Musikschule. Hochaufmerksam und sehr musikalisch spielte es zuerst unter der Leitung von Generalmusikdirektor Joseph Trafton einen Satz des Trompetenkonzertes in Es-Dur von Hummel und begleitete den Stargast der Herbsttage, Matthias Höfs. Dass schon dieses Miteinander so wunderbar gelang, liegt sicherlich an der Art, wie sich der Künstler in den Dienst der Musik stellt. Für die jungen Musiker eine wunderbare Erfahrung: international gefeiert, begibt sich Matthias Höfs völlig unprätentiös auf die Bühne, liefert brillante Töne, hochdifferenzierte Dynamik, virtuose Technik – und kommuniziert einfühlsam mit dem jeweiligen Klangkörper.

Matthias Höfs’ erster Auftritt mit Sohn Tillmann

Dieses war im weiteren Verlauf das Philharmonische Orchester Hagen, das mit ihm ein Haydn-Konzert in Es-Dur musizierte. Wieder war spürbar, dass der Solist bei aller interpretatorischen Freiheit immer das Miteinander will, die Musik und nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Dabei bläst er prägnant, präzise, mit unglaublicher Leichtigkeit und Spielfreude.

Das Hagener Orchester unter Joseph Trafton brachte zwischen den Trompetenstücken zwei Romantiker zu Gehör: den „Sommernachtstraum“ von Mendelssohn und „Die Unvollendete“ von Schubert. Transparent und dynamisch durchdacht führte Trafton durch beide Werke. Insbesondere die Holzbläser waren herausgefordert und meisterten die solistischen Passagen klangschön und mit viel Feingefühl.

Nachdem Höfs zunächst mit seiner Es-Trompete aufgetreten war, präsentierte er für die mit Spannung erwartete Uraufführung der Komposition „Die vier Elemente“ von Wolf Kerschek außerdem ein Diskant-Horn und eine Double-Bell-Trompete. Sein Sohn Tillmann Höfs, mit dem er erstmals auf der großen Bühne eines Konzerthauses stand, übernahm souverän die Horn-Partie. Höfs bedankte sich zunächst mit warmen Worten für die Woche in Iserlohn und führte ein wenig in das kommende Werk ein. Als Kollege an der Hamburger Musikhochschule habe der vielseitige Komponist Kerschek – Höfs verriet, er arrangiere zum Beispiel auch für Helene Fischer – den beiden Bläsern die Musik auf den Leib geschrieben.

Große Experimentierfreude bei der Welturaufführung

Was danach kam, lässt sich nur in Ansätzen beschreiben: Die vier Sätze „Wasser“, „Feuer“, „Erde“ und „Luft“ wurden experimentierfreudig, oft humorvoll, rhythmisch raffiniert, kontrastreich und manchmal dramatisch in Szene gesetzt. Natürlich hatte das Schlagwerk – nicht nur für die Darstellung von „Regentropfen“ – reichlich zu tun. Die Harfe wurde mit einem „Brush“ bestrichen, die Trompete wurde für Windgeräusche einfach mal durchpustet. Oder die Hörner wurden mit ihren Schallstücken gegeneinander gehalten, was ein Tremulieren des gestopften Horns bewirkte. Ein anderes Mal hielt Höfs den Schalltrichter einer Trompete in den Flügel, so dass dort, bei gedrücktem Pedal, die Saiten mitschwangen. Mit Springbögen der Streicher wurde prasselndes Feuer nachgeahmt, flirrende Töne der beiden Bläser – die im Übrigen fantastisch miteinander agierten – ließen einen Schwelbrand vermuten. Die Double-Bell-Trompete mit zwei Schalltrichtern erzeugte im verzwickten Wechselspiel mit dem Horn die Assoziation eines Gänsemarschs?! Ein pfiffiger Grundrhythmus „erdete“ den 3. Satz. Große, feierliche Melodiebögen mit vollem Orchester – die in Kerschek auch den Komponisten für Filmmusik verrieten – mochten vielleicht einen Flug über die Erde illustrieren. Wie überhaupt das Werk trotz aller Experimente tonal blieb, in großartiger Weise Bilder malte und das Publikum bis zum Schluss in Atem hielt.

Dieses feierte anschließend die beiden Künstler, das Orchester und die überaus gelungene Uraufführung mit anhaltendem Applaus.

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