Trinkwasser

Medikamente gehören nicht in den Abfluss

Pillen und Tabletten verschwinden nicht einfach im Abfluss. Die Wirkstoffe werden in den Flüssen zur Belastung von Mensch und Tier.

Foto: Foto: Michael May

Pillen und Tabletten verschwinden nicht einfach im Abfluss. Die Wirkstoffe werden in den Flüssen zur Belastung von Mensch und Tier. Foto: Foto: Michael May

Iserlohn.   Wenn Arzneien abgelaufen sind, landen sie gerne mal in der Toilette. Das dies schädlich für Umwelt und Mensch ist, wissen viele nicht.

Aus den Augen und aus dem Sinn sind Medikamente, wenn sie mit einem Wasserschwall die Toilette heruntergespült werden. Gerade dieses Verhalten aber kritisieren Stadtwerke und die Apotheker vor Ort. Die arglos weggespülten Arzneien belasten nämlich die Gewässer und damit auch Verbraucher und Umwelt.

„Normale Klärwerke schaffen es nicht, die Medikamente herauszufiltern“, sagt Jens Wintzenburg von den Stadtwerken Iserlohn. Nur mit aufwendiger und teurer Technik könne man das Wasser von den Wirkstoffen befreien. Das Trinkwasser der Waldstadt sei zwar nicht belastet, da vor allem Grundwasser für die Versorgung der Haushalte verwendet wird. Dies bedeute aber nicht, dass die heruntergespülten Pillen und Tröpfchen keine Folgen haben. „Das Abwasser kommt entweder über das Klärwerk in Drüpplingsen in die Ruhr oder über Letmathe in die Lenne“, erklärt der Wassermeister der Stadtwerke. Antibiotika, Kontrastmittel und Hormone kommen so in die Flüsse. Tiere und die Verbraucher in der Umgebung tragen die Folgen.

Selbst der Hustensaft gehört nicht in die Toilette

Der Apothekerverband Märkischer Kreis Nord machte in einer Pressemitteilung auch auf das Thema aufmerksam. Viele Apotheker nehmen abgelaufene und nicht mehr verwendete Medikamente an, heißt es in der Mitteilung. Nicole Frye, Inhaberin der Marien-Apotheke, beteiligt sich: „Zu mir bringen die Kunden sehr oft Kapseln und Tabletten“, sagt die Apothekerin. Medikamente in Tröpfchenform erhalte sie allerdings nur selten. „Wenn der Hustensaft zum Beispiel Codein enthält, sollte man ihn beim Apotheker abgeben“, sagt sie. Zwar gebe es auch rein pflanzliche Mittel, die ohne Bedenken entsorgt werden können. „Vom Kunden kann man aber nicht verlangen, dass er über alle Wirkstoffe Bescheid weiß“, sagt Nicole Frye.

Im Zweifel empfiehlt sie, die Medikamente zum Apotheker zu bringen oder sie in der Restmülltonne zu entsorgen. Besondere Vorsicht gelte zudem bei vom Arzt verschriebenen Arzneien. „Es kann ja passieren, dass Kinder oder Jugendliche die starken Mittel im Müll finden“, befürchtet die Apothekerin.

Selbst bei aller Vorsicht würden aber immer noch viele Medikamente in die Flüsse gelangen. „Das liegt daran, dass durch den Urin die Wirkstoffe immer noch in das Abwasser kommen“, sagt Nicole Frye.

Dies kann auch Wassermeister Jens Wintzenburg bestätigen. Er geht davon aus, dass der Körper im Durchschnitt nur 50 bis 60 Prozent der Wirkstoffe aufnimmt. Der Rest komme durch den Urin in das Abwasser und damit in die Flüsse der Umgebung.

Auch interessant
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik