Radwege

Mehr Rücksicht rein und Emotionen raus

Paula und Luna mit Herrchen Frank Erkelenz: Alle drei nutzen den Weg durch den Duloh zwei Mal täglich und haben schon eine Menge Erfahrungen mit Radfahrern gemacht – positive und negative: Der richtige Weg ist das Miteinander.

Paula und Luna mit Herrchen Frank Erkelenz: Alle drei nutzen den Weg durch den Duloh zwei Mal täglich und haben schon eine Menge Erfahrungen mit Radfahrern gemacht – positive und negative: Der richtige Weg ist das Miteinander.

Foto: Michael May IKZ

Iserlohn.   Die gemeinsamen Fuß- und Radwege bergen – wie am Duloh – Konfliktpotenzial: Eine Bestandsaufnahme

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Das Problem sei schon uralt, sagt Frank Erkelenz. Zusammen mit seinen beiden Hunden Paula und Luna ist der 54-Jährige täglich zwei Mal am Duloh unterwegs. Und dass sich hier Radfahrer und Fußgänger ins Gehege kommen, sei im Grunde schon immer so gewesen. Vor allem in den Abendstunden bei Dunkelheit sei es sehr gefährlich, wenn Radfahrer; ohne sich mit einem Klingeln anzukündigen; rasend schnell an Mensch und Hund vorbei rauschen.

Das Thema wird derzeit heiß diskutiert, nachdem unsere Zeitung über einen Unfall am Duloh mit einem nicht angeleinten Hund berichtet hatte, bei dem sich ein Radfahrer verletzt hat. In verschiedenen Leserzuschriften war daraufhin vor allem von „rücksichtslosen Radfahrern“ zu lesen, von denen eine echte Gefahr ausgehe. Dem gegenüber stehen die Radfahrer, die sich – wie bei dem jüngsten Unfall – über frei laufende Hunde auf dem Radweg beklagen.

Fußgänger und Radfahrersind gleichberechtigt

Ausgezeichnet ist der Weg am Duloh als „gemeinsamer Fuß- und Radweg“ – zu erkennen an einem blauen Schild, auf dem die Symbole für Fußgänger und Radverkehr übereinander angeordnet sind. Es gibt in Iserlohn noch verschiedene andere Arten an Radwegen. Für die „gemeinsamen Fuß- und Radwege“ gilt, dass sie für alle nicht motorisierten Teilnehmer da sind, und zwar ohne Unterschied. Fußgänger und Radfahrer sind gleichberechtigt. Der Radverkehr hat hier keinen Vorrang – obwohl diese Wege oftmals Teil des Radwegenetzes sind, der am Duloh sogar zur Schmetterlingsradroute zum Sauerlandpark gehört und zahlreiche Wegweiser für den Radtourismus aufgestellt worden sind.

Gleiches gilt für viele andere derartige „Freizeitwege“ in Iserlohn. Prominentestes Beispiel ist mit Sicherheit die ehemalige Bahntrasse in der Südlichen Innenstadt. Zwischen Schulen, Kindergärten, Altenheimen und Spielplätzen hat sich dieser Weg nicht nur zu einer Hauptverkehrsader entwickelt, sondern wegen seiner hohen Aufenthaltsqualität auch zu einem Ort zum Verweilen, Spielen und Entspannen – ein Lebensraum für Alt und Jung. Hier tummeln sich nicht nur Radfahrer und Hundebesitzer, sondern auch Senioren mit Rollatoren, Jugendliche, die die Bänke großräumig belagern, oder spielende Kinder. Eine Situation, mit der Radfahrer, die schnell von A nach B kommen wollen, verständlicherweise nicht zufrieden sind, weswegen auch hier Konflikte zwischen den verschiedenen Interessensgruppen zur Tagesordnung gehören. Unfälle oder ernste Zwischenfälle sind aber nicht bekannt. Eine Nachfrage bei der Polizei hat sogar ergeben, dass das Thema Fahrradwege in der Unfallstatistik im Märkischen Kreis überhaupt keine Rolle spielt. Motorradfahrer sind im Märkischen Kreis ein großes Problem, bei Radfahrern sei aber aus polizeilicher Sicht überhaupt kein Konfliktpotenzial zu erkennen.

Für den ADFC hingegen sind diese gemeinsamen Fuß- und Radwege, die nicht nur von Freizeitradfahrern, sondern auch von Berufs-Pendlern für den täglichen und schnellen Weg zur Arbeit genutzt werden, ein großes Thema. Der Vorsitzende, Martin Isbruch, der natürlich auch kein Verständnis für rücksichtslose Fahrweisen aufbringt, lenkt den Blick dazu verstärkt in Richtung Duloh. Der dortige Weg sei für Radfahrer die einzige annehmbare Verbindung zwischen Hemer und Iserlohn. Die B7 ist wie auch die Straße über Westig im Vergleich zum Duloh vollkommen unattraktiv, weswegen der Duloh auch von vielen Pendlern genutzt werde, die schnell von Iserlohn nach Hemer und wieder zurück wollen. „Für viele Radfahrer ist das ein Verkehrsweg“, sagt Martin Isbruch. Die dortigen Konflikte müssen ihm zufolge nicht unbedingt durch das Verhalten von Radfahrern oder Hundebesitzern begründet sein. „Die Konflikte können auch ein Zeichen dafür sein, dass die Infrastruktur unzureichend ist, und dass Radfahrer noch eine bessere Verbindung nach Hemer brauchen.“

Dennoch lautet die Frage: Wie verhält man sich als Radfahrer richtig? Klingelt man nicht, erschrecken sich die Fußgänger beim schnellen Überholen von hinten verständlicherweise zu Tode. Die Erfahrung zeigt aber, dass Klingeln oft auch wie ein Hupen empfunden wird, dass sich Fußgänger vom Klingeln sogar drangsaliert und angegriffen fühlen. Bei der Polizei war zu erfahren, dass eine Klingel zwar zur Ausrüstung eines verkehrstüchtigen Rades gehört, es aber weder eine Verpflichtung gibt, sie zu nutzen, und es auch sonst keine verbindlichen Regeln zum Klingeln gibt. Martin Isbruch sagt, ein Überholmanöver sollte man grundsätzlich immer mir einem Klingeln ankündigen. Allerdings sollte man auch der eigenen Intuition folgen. Bei reichlich Platz und niedriger Geschwindigkeit könne ein Klingeln in der Tat auch überflüssig sein. Und Frank Erkelenz beobachtet am Duloh jede Menge sportive Fahrer, die auf den teuersten Rädern unterwegs sind, aber keine Klingel haben.

In einem Punkt sind sich aber alle einig. Der beste Weg ist die gegenseitige Rücksichtnahme. „Es wird nur mit einem vernünftigen Miteinander gehen“, sagt Frank Erkelenz. Und auch Polizeisprecher Marcel Dilling wirbt für mehr Rücksichtnahme zwischen Radfahrern und Hundehaltern. Wie in allen Bereichen des Straßenverkehrs gelte: „Emotionen rauslassen und sachlich bleiben.“

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