Heimat-Macher

„Meine Kinder sollen einmal hier leben können“

Wenn es nach Christoph Neumann (36) geht, soll das „Campus Symposium“ eine Begeisterung für die Region auslösen, die eben nicht nur nach außen abstrahlt. Und nicht nur alle zwei Jahre.

Wenn es nach Christoph Neumann (36) geht, soll das „Campus Symposium“ eine Begeisterung für die Region auslösen, die eben nicht nur nach außen abstrahlt. Und nicht nur alle zwei Jahre.

Foto: Michael May

Heimatfreund, Klar-Denker, Weltbürger und Lang-Antworter: der Heimat-Macher Christoph Neumann

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Ein „Heimat-Macher“ macht natürlich keine Heimat. Aber er prägt sie, arbeitet für sie und mit ihr und ihren Menschen und trägt so dazu bei, dass sich die Heimat, unsere Heimat, weiterentwickelt. Der Iserlohner Kreisanzeiger stellt in loser Folge solche „Macher“ vor. Heute Christoph Neumann, der schon seit geraumer Zeit immer wieder unter Beweis stellt, dass man erfolgreich durchaus auf gleich mehreren Hochzeiten tanzen kann, ohne dass man sich dabei verzettelt und vor allem auch ohne, dass man sich dabei aus der Ruhe bringen lässt. Zumindest hat das so den Anschein. Wollte man Christoph Neumann beschreiben könnte man wohl sagen. Sternzeichen: Heimatfreund und Klar-Denker, Aszendent: Weltbürger und Lang-Antworter. (siehe ikz-online.de)

Es sei das Haus der Großeltern, in das Christoph Neumann vor geraumer Zeit eingezogen ist. Sagt er mit hörbarem Stolz und Überzeugung in der Stimme. Und dieses Haus steht in Letmathe. Damit ist eigentlich auch schon ziemlich viel ausgesagt, wenn es darum geht mit Christoph Neumann einmal über den Begriff „Heimat“ zu sprechen. Aber noch etwas fällt sofort auf, wenn man sich mit dem Mann, der in Iserlohn unter anderem für die Organisation des Campus Symposium verantwortlich zeichnet, unterhält: Er hat ein völlig ungetrübtes und auch optimistisches Bild von eben dieser Heimat. Und daraus ergibt sich auch sein wohl größter Wunsch (jedenfalls rund um dieses Thema): „Wenn das doch mehr Menschen aus unserer Region so sehen würden.“ Allerdings steht er der aktuellen Schwemme von Heimatgelüsten, -bekundungen und –begriffen doch auch etwas skeptisch gegenüber. „Vieles davon ist natürlich Marketing“, sagt er, „für mich ist Heimat zunächst einmal einfach ein Gefühl. Das Gefühl, dass ich mich hier auskenne, dass ich die Menschen kenne, dass ich mich hier wohlfühle.“

Völliges Verständnis zeigt Neumann allerdings auch für die jungen Leute, die es nach dem flügge werden in der Tat in die Welt zieht. „Ich habe ja an der BiTS studiert, hatte die Möglichkeit über Auslandssemester nach Schottland und Madrid zu kommen.“ Er habe zudem schließlich sogar auch mal vier Semester Medizin in Heidelberg studiert und eine Rettungssanitäter-Ausbildung in Essen absolviert. Diese Erfahrungen hätten ihn auch geprägt. „Natürlich müssen wir versuchen, junge Menschen hier in der Region zu halten, aber sie sollen eben auch die Möglichkeit haben, ihre Erfahrungen in der Welt zu machen. Aber wir müssen den gleichen jungen Menschen auf jeden Fall auch immer wieder bewusst machen, wie schön und interessant es eben auch hier ist.“ Viele, so seine Erfahrung, würden das auch bereits dann merken, wenn sie eben in der Ferne wären und einen Blick zurück werfen würden. „Plötzlich fehlen ihnen die Natur, die Ruhe. Und manchmal sogar auch südwestfälische Mentalität. Die Mischung macht’s.“

Der Kalender zeigte das Jahr 2007, als Christoph Neumann von Matthias Thelen, den man wohl getrost neben Prof. Dr. Dietrich Walther als Gründer-Vater des „Campus Symposium“ bezeichnen darf, erstmals angesprochen und nach seiner Bereitschaft zum engagierten Mitmachen mit Verantwortung gefragt wurde. Erfahrungen mit dieser Veranstaltung hatte Neumann allerdings auch schon, denn bereits beim wohl legendären Besuch von Bill Clinton hatte sich Neumann als Volunteer am Seilersee nützlich gemacht. Es folgten für den jungen Iserlohner verschiedene beruflichen Stationen in der Industrie, ohne dass der Kontakt zum Symposium jedoch verloren ging, und Ende 2016 erreichte ihn wieder der Ruf von Matthias Thelen. Diesmal ging es darum, auf den Sessel des Geschäftsführers bzw. aber vor allem auf Sessel des Teamchef beim Symposium zu klettern. Neumann konnte dieses Engagement mit seiner beruflichen Tätigkeit als Manager bei der ESO Education Group verbinden.

Im Gespräch heute soll es aber auch gar nicht um das Organisatorische des Symposiums gehen. Sondern vielmehr um die Frage, ob die Region eigentlich verstanden hat, was sie alle zwei Jahre von den jungen Veranstaltern auf dem Silbertablett präsentiert bekommt? Die Antwort von Neumann fällt knapp und präzise aus: „Nein!“ Mit fast hörbaren fünf Ausrufezeichen dahinter. „Wir haben natürlich eine sehr breite Unterstützerbasis. Mit Sponsoren, die uns auch schon ganz lange die Stange halten und auch mit Herzblut dabei sind.“ Aber bezogen auf die Region glaube er eben nicht, dass der Wert des Symposiums tatsächlich überall erkannt worden sei. „Selbst in Iserlohn eigentlich auch noch nicht so richtig.“ Und das, obwohl nach seiner Vermutung 90 Prozent der Einträge im Goldenen Buch der Stadt Iserlohn von eben diesem Symposium stammten. Man dürfe auch nicht vergessen, dass das Orga-Team ausschließlich aus Freiwilligen bestehe, die sich nach ihren Studien ehrenamtlich zusammenfänden, um Stunde um Stunde zu planen und zu organisieren. Da gäbe es manchmal eben auch noch die Fehleinschätzung, dass man die jeweiligen Teams bereits aufgrund ihrer abgelieferten Qualität als professionelle Veranstalter sehe. „Das sind sie eben genau nicht. Wir sind keine tatsächlichen Profis, die große Marketingbudgets abgreifen wollen, sondern wir sind ein kleines Team, das Tag für Tag um ein Minimalbudget kämpft.“

Gedanken darf man sich in der Tat eben auch über die Außenwahrnehmung jenseits der heimischen Stadtgrenzen machen. „Wir selbst blicken ja manchmal durchaus mit einer sauerländischen Unterkühltheit auf ein Ereignis. Das wird dann aus der Entfernung mit einer ganz anderen Begeisterung wahrgenommen.“ Die Iserlohner sähen es offenbar als „normal“ an, dass sie Heimat verschiedener Leuchttürme unter anderem in Industrie und Kultur seien. Zum Glück bemerke er aber gerade bei der nachrückenden Generation wieder ein großes Interesse an solchen Themen und daran, sich für den Erhalt, den Ausbau und die Weiterentwicklung der Region aktiv einzusetzen. Und zu der Zuneigung gehört eben auch, dass man es als Aufforderung verstehe, „einmal den Finger in Wunden zu legen“.

Und zum Schluss des Gesprächs kommt dann auch noch einmal der Heimat-Gedanke fast selbstverständlich mit aufs Tapet. Denn Christoph Neumann empfindet genau daraus nämlich eine persönliche Motivation und Verpflichtung. „Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass auch meine Kinder in ein paar Jahren in dieser tollen Gegend leben und arbeiten können und wollen. Dazu ist es aber notwendig, dass wir auch die tollen Unternehmen, die hier im Moment bestehen, dann auch noch wirklich haben.“

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