Neuer Verein "aufRECHT"

Menschen ganz unten wieder aufrichten

Foto: IKZ

Iserlohn. Ulrich Wockelmann weiß, wovon er spricht, wenn er Einblick in die Ausweglosigkeit und die Gefühlslage vieler Langzeitarbeitsloser gibt. „Ich habe auch schon bei der Tafel angestanden”, erinnert sich Wockelmann, der selbst Hartz-IV-Empfänger ist.

Nun hat er den Vorsitz des neuen Vereins für soziale Rechte „aufRECHT” übernommen und möchte in Not Geratenen mit seiner Erfahrung - besonders im Umgang mit der Arge - helfen.

Am 6. Mai 2009 haben 18 Iserlohner den Verein gegründet. Die „Hilfestellung für Betroffene bei sozialen Problemen” wird in der Satzung als Zweck der Vereinsarbeit angegeben. Insbesondere Personen, „die aufgrund von Erwerbslosigkeit in seelische und wirtschaftliche Notlagen geraten sind”, sollen unterstützt werden. Neben Ulrich Wockelmann komplettieren Matina Wolf als zweite Vorsitzende und der ehemalige Leiter des Arbeitslosenzentrums (ALZ) des Kirchenkreises, Norbert Haack, als Kassenwart den ehrenamtlichen Vorstand. Zusätzlich steht der Iserlohner Rechtsanwalt Ralf Karnath dem Vereinsvorstand als juristischer Berater zur Seite, der auch die ehrenamtlichen Mitglieder, die die Hilfe und Begleitung übernehmen wollen, für ihre Aufgabe schult.

„Die Leute fühlen sich nutzlos und leiden unter erheblichen Minderwertigkeitsgefühlen. Wir wollen gerade die Menschen, die ganz unten sind, wieder aufrichten und ihnen klar machen, dass auch sie Rechte und vor allem Anspruch auf Unterstützung haben”, macht Ulrich Wockelmann das Anliegen von „aufRECHT” konkret. „Außerdem ist es wichtig, die Kommunikation mit der Arge wieder herzustellen”, weist Matina Wolf auf das Problem hin, dass das Verhältnis zwischen vielen Hartz-IV-Empfängern und ihrer Behörde nachhaltig gestört ist. „Wobei wir den Arge-Mitarbeitern keinen Vorwurf machen wollen”, stellt der Verein klar.

Das groß geschriebene „RECHT” im Vereinsnamen deutet darüber hinaus darauf hin, dass der Verein den Hilfesuchenden in der Auseinandersetzung mit der Arge zu ihrem Recht verhelfen will. Notfalls auch über ein Widerspruchsverfahren. Im Mai hatte das Bundesverfassungsgericht eindeutig festgestellt, dass einem Beschwerdeführer nicht zugemutet werden kann, den Rat derselben Behörde in Anspruch zu nehmen, deren Entscheidung er im Widerspruchsverfahren angreifen will. Daher kann sich jeder, der auch im Rahmen der begleitenden Arbeit des Vereins nicht zu einer Einigung mit der Arge kommt, über einen Beratungshilfeschein des Amtsgerichts rechtlichen Beistand für ein Widerspruchsverfahren suchen. Ausdrücklich sucht „aufRECHT” in diesem Zusammenhang den Kontakt zu sozial engagierten Kanzleien mit dem Interessen- und Themenschwerpunkt Sozialrecht, die Ratsuchende im Rahmen der Beratungshilfe unterstützen und gegebenenfalls auch rechtlich vertreten wollen.

Gegründet wurde der Verein im Übrigen zu einer Zeit, als nicht abzusehen war, dass die Arbeit der unabhängigen Beratungsstelle des ev. Kirchenkreises in irgendeiner Form fortgeführt würde, nachdem das Land NRW Ende des vergangenen Jahres die Fördermittel in Höhe von 85 Prozent gestrichen hatte und die Einrichtung schließen musste. Inzwischen ist es beschlossene Sache, dass die Stadt Iserlohn eine Beratungsstelle für Iserlohn finanziell unterstützt und die Diakonie Mark-Ruhr e.V. als Träger eine Halbtagsstelle einrichten will. In der Aussicht, dass schon bald zwei Beratungsstellen parallel laufen, sieht der Verein für soziale Rechte aber kein Problem. „Wir sind glücklich, dass die Beratungsstelle wieder eröffnet und wünschen uns eine gute und ergänzende Zusammenarbeit.” Zumal sich „aufRECHT” nicht wie die rein juristisch ausgelegte Beratungsstelle der Diakonie auf die Hilfe im Umgang mit der Arge beschränken will, sondern in erster Linie auch eine psychisch-soziale Hilfe und Begleitung anbieten will. „Wir können uns auch mal Zeit nehmen und einfach zuhören”, sagt Ulrich Wockelmann. Auch das versteht er darunter, Menschen, die in Not geraten sind, wieder aufzurichten.

„aufRECHT” hat seinen Sitz in dem Sozialzentrum „Lichtblick” am Bilstein und ist dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Telefonisch ist der Verein unter 02371/9729860 erreichbar.

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