„HeimArt“-Serie

„Mit Bildern hinterlässt man auch Spuren“

An schönen Tagen verlegt Karin Kroll ihr Atelier auf die Terrasse.

An schönen Tagen verlegt Karin Kroll ihr Atelier auf die Terrasse.

Foto: Jennifer Katz

Iserlohn.   In unserer Kunstserie „HeimArt“ stellen wir diesmal die Iserlohner Malerin Karin Kroll vor.

Vögel zwitschern, sonst unterbricht nichts die Ruhe in dem Garten in Gerlingsen. Karin Kroll hat an diesem Nachmittag ihr Atelier auf die Terrasse verlegt, sie arbeitet gerade an einem Landschaftsbild, das Teil einer Dreier-Serie werden soll. Ein weiteres Motiv dazu ist schon fertig, „Tief und stark“ hat die Künstlerin es genannt. Darauf zeigt sie einen Baum, der im Bereich Rheinermark einsam und allein auf einem Rapsfeld steht, und an dem sie regelmäßig vorbeifährt.

Bei einer Pause erzählt die 55-Jährige: „Jedes meiner Bilder hat etwas mit Erinnerungen zu tun. Ich war an den Orten, ich kenne und liebe die Menschen, die ich male.“ Ein ganz besonderes Erlebnis hatte die gebürtige Iserlohnerin, als sie 2012 mit ihrem Vater in Bochum eine Podiumsdiskussion mit der inzwischen verstorbenen Foto-Journalistin Anja Niedringhaus besuchte. Die berichtete von ihren Einsätzen in Kriegsgebieten, und Karin Krolls Vater begann mit 82 Jahren erstmals, von seinen eigenen Erlebnissen zu erzählen.

Daraus entstand die Idee, ihn zu portraitieren. „Schleierhaftes“ lautet der Titel der Bilderserie. „Für mich lösten sich während dieser Arbeit einige Nebelschichten auf. Denn malt man auf diese Art einen Menschen, nähert man sich seinem Wesen und wird noch vertrauter mit ihm“, erzählt die Mutter zweier erwachsener Söhne, die die Bilder ihres Vaters für ihre Diplomarbeit genutzt hat.

2009 erst hatte Karin Kroll mit dem Studium der Freien Kunst und Illustration an der Schwerter Ruhr-Akademie begonnen. „Gemalt habe ich schon immer“, sagt sie. Zunächst absolvierte sie jedoch eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei den Stadtwerken Iserlohn. „Ich war noch nicht mutig genug“, weiß sie heute. Später habe sie sich vorgenommen: „Wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, dann erfülle ich mir meinen Traum.“ Und genau den lebt sie nun bereits seit dem Jahr 2004, ist im Bereich freischaffende Kunst und Auftragsmalerei freiberuflich tätig.

„Das Studium war ein totaler Segen, ich hatte tolle Dozenten, wie zum Beispiel Hans-Jörg Holubitschka, von dem ich eine Menge lernen konnte.“ Und auch die Kommilitonen will sie nicht missen. Denn: „Zu Beginn des Studiums hatte ich weder PC, noch Handy, noch sonstwas in der Art.“ Die Jüngeren hätten sie in Sachen Technik unterstützt. Heute nutzt Karin Kroll den Computer nicht nur, um Bilder zu bearbeiten, sondern gestaltet beispielsweise auch CD-Cover oder Messeauftritte für Firmen.

„Durch das Studium lernt man auch, über seine Arbeiten zu sprechen“, erklärt sie. So ist sie als Dozentin beispielsweise an der Kunstfabrik „casa b.“, im Offenen Ganztagsbereich an der Südschule, in Seniorenheimen und für die Boesner-Unternehmensgruppe, einem Groß- und Einzelhändler für Profi-Künstlermaterial, Einrahmungen und Kunstbücher, im Einsatz. Während sie mit anderen gern über Kunst spricht, betreibt Karin Kroll ihre Malerei in erster Linie für sich selbst. „Es ist natürlich schön, beispielsweise bei Ausstellungen Reaktionen zu erfahren, mit Bildern hinterlässt man ja auch Spuren“, sagt sie.

Keine Reise ohneSkizzenbuch im Gepäck

Ihren Traum vom Malen hat sie mittlerweile realisiert, nun würde sie gerne einmal „vier Wochen Zeit haben, um ausschließlich zu malen“. Keine Frage, dass Karin Kroll keine Reise ohne ein Skizzenbuch im Gepäck antritt. Aus Neuseeland beispielsweise stammt das Kiwi-Motiv, das sie mit einem echten Blatt einer Pflanze garniert hat. Sylter Wellen finden sich auf ihren Bildern ebenso wieder wie Strände auf Fuerteventura. Und wenn es in diesem Jahr in die USA geht, wird sie garantiert auch wieder neue Anregungen mitbringen. Doch erst einmal muss das Bild für die Dreier-Serie fertig werden.

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