Hitzewelle

Mit dem Sahara-Plan gegen den Hitzekollaps

Innen 27,7, außen 29,5 Grad: Am Montagvormittag war es im Büro von „Stenner“-Direktor Stefan Schmoldt noch auszuhalten.

Innen 27,7, außen 29,5 Grad: Am Montagvormittag war es im Büro von „Stenner“-Direktor Stefan Schmoldt noch auszuhalten.

Foto: Alexander Barth

Iserlohn.  Wie Iserlohner Schulen auf die extremen Temperaturen reagieren. Für Abiturprüfungen geht es nach Möglichkeit in den Keller.

Die Temperaturen steigen – vor bis zu 37 Grad im Schatten warnt der Deutsche Wetterdienst in den nächsten Tagen. Das bedeutet auch für die heimischen Schulen Ausnahmezustand, denn die Leitung muss jeweils entscheiden, ob zumindest bis einschließlich zur Mittelstufe das von den Jugendlichen sehnlich erhoffte „hitzefrei“ erteilt wird. Das hängt von einer Reihe von Faktoren ab, unter anderem von den baulichen Gegebenheiten.

Am Stenner-Gymnasium etwa wird man in vielen Unterrichtsräume in den Obergeschossen ab dem Vormittag regelrecht gebraten, berichtet der stellvertretende Schulleiter Christian Fischer: „Auf die Vorderseite scheint durchgehend die Sonne, wegen des Alters des Gebäudes ist die Isolierung nicht gut und dazu kommt noch das Flachdach. Wir haben ein Thermometer, mit dem wir durch die Räume gehen, aber wir lassen auch den gesunden Menschenverstand walten.“ Auf die Situation ist das Gymnasium vorbereitet, und zwar mit dem „Sahara-Plan“, der vorsieht, die Unterrichtsstunden und Pausen auf fast die Hälfte einzukürzen, damit die Schüler um 13.40 Uhr entlassen werden können.

Ganztagsschulen brauchen den schriftlichen Elternsegen

Mit dieser Lösung wird einerseits vermieden, dass Unterricht ganz ausfällt, andererseits ist der Plan von langer Hand abgesprochen und von den Eltern schriftlich abgesegnet – ein bürokratisches Zugeständnis, das die Ganztagsbetreuung erforderlich macht. „Für alle, die nicht früher nach Hause können, gibt es in unserem Selbstlernzentrum zusätzlich Betreuung bis 16 Uhr“, erklärt Fischer. Der „Sahara-Plan“ soll am Stenner zunächst bis Mittwoch oder Donnerstag gelten, je nachdem, ob die Hitzewelle danach abklingt.

Auch am Märkischen Gymnasium dürfen sich die Schüler der Sekundarstufe 1 freuen: Heute und morgen dürfen sie nach der vierten Stunde die Freibäder stürmen. Das gleiche gelte für die Realschule am Hemberg, erklärt Schulleiterin Dr. Rita Köhler: „Als gemeinsamer Schulkomplex müssen wir uns da abstimmen – im Vergleich mit Ganztagsschulen wie dem Stenner haben wir natürlich einen anderen Rhythmus.“ Man habe sich auch an die MVG gewandt, die so schnell aber nicht reagieren könnte und empfohlen hätte, auf den Linienverkehr auszuweichen. Durchhaltevermögen ist in der Oberstufe gefragt, zumal die angehenden Abiturienten in dieser Woche noch Prüfungen zu absolvieren haben. Immerhin stünden dafür beim MGI relativ viele Räume im Untergeschoss zur Verfügung, die die Lehrer jetzt schon nutzen würden, beruhigte die Direktorin. „Den Unterricht nach draußen zu verlagern, ist auch immer eine Möglichkeit“, zeigte Rita Köhler eine weitere Alternative auf.

Die Gesamtschule Iserlohn hat für Mittwoch den „Sahara-Tag“ ausgerufen, erklärte Schulleiterin Barbara Brühl: „In der Sekundarstufe 1 fangen wir früher an und verkürzen die Stunden auf 30 Minuten, dadurch können wir die Schüler um Viertel vor Eins oder spätestens Viertel vor Zwei nach Hause schicken.“ Schon am Montag hieß es bis zur Mittelstufe ab 12.45 Uhr „hitzefrei“, heute seien keine Maßnahmen erforderlich, da ohnehin kein Unterricht nach der fünften Stunde auf dem Plan stehe. Ähnliche Maßnahmen ergreifen auch die Grundschulen im Stadtgebiet – zumindest bis zur erhofften Abkühlung am Donnerstag.

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