Karitatives

Mit deutscher Dichtkunst für das Kinderhospiz

Lisa-Marie Vetter vom Kinderhospiz „Balthasar“ nimmt die Spende der Klasse 7e des Märkischen Gymnasiums entgegen.

Lisa-Marie Vetter vom Kinderhospiz „Balthasar“ nimmt die Spende der Klasse 7e des Märkischen Gymnasiums entgegen.

Foto: Alexander Barth

Iserlohn.  MGI-Schüler der Klasse 7e haben als Balladenerzähler 160 Euro für das „Balthasar“ in Olpe gesammelt.

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In mehrstimmiger Besetzung lassen MGI-Schüler die „Schwalbe“ über den Erie-See fliegen. Die Beklemmung der Passagiere, als ein Brand auf dem Raddampfer ausbricht, wird bei ihrer Intonation der Ballade von Theodor Fontane fast spürbar. „Feuer!“ rufen sie im Chor und tragen die Textzeilen mit Tempo vor, während das Schiff dem rettenden Ufer immer näher kommt. Dank Steuermann John Maynard schaffen es alle lebend an Land – bis auf ihn selbst. Als Tausende dankbar zum Begräbnis des Helden strömen, wird es emotional.

Das passt zur Grundstimmung im Zimmer der Klasse 7e, denn die Schüler von Lehrerin Katharina Döring haben heute Besuch in einer ernsten Angelegenheit. Lisa-Marie Vetter vom Kinderhospiz Balthasar in Olpe ist gekommen, um sich für das Engagement der Jugendlichen zu bedanken: In der Stadtbücherei haben sie verschiedene einstudierte Balladen vorgetragen und auf diese Weise 160 Euro für die Einrichtung gesammelt. Mitgebracht hat sie einen Film, der einen Eindruck vom Leben im Hospiz vermittelt und Antworten auf viele Fragen gibt. Nach anfänglichem Zögern wird das Interesse an dem Thema immer deutlicher. „Nehmen Sie jeden auf?“, wollen die Schüler etwa wissen, und wie weit eine Krankheit fortgeschritten sein müsse. „Ja, wir nehmen jeden auf und zwar ab dem ersten Tag nach der Diagnose.

Zum Leben im Hospiz haben die Schüler viele Fragen

„Oft ist dann noch gar nicht klar, wie hoch die Lebenserwartung ist“, erklärt Lisa-Marie Vetter. Um die 20 Zimmer, 60 Mitarbeiter, Kontakt zu rund 300 Familien im Jahr, nennt sie auf entsprechende Nachfragen die Rahmendaten für das „Balthasar“ in Olpe. Die Kinder und Jugendlichen im Hospiz hätten eigene Zimmer, die sie selbst einrichten könnten, für die Eltern gebe es separate Räume zum Übernachten, erklärt sie weiter. Dann fasst sich auch jemand ein Herz und fragt, ob dort über den Tod gesprochen würde. „Das ist unterschiedlich, das Angebot besteht von unserer Seite immer. Die Jugendlichen möchten sich meistens weniger damit beschäftigen, Kinder haben eine eigene Sicht“, lautet ihre Erfahrung. Als die Schüler merken, wie offen die Hospizvertreterin über ihre Arbeit spricht, stellen sie auch persönliche Fragen. „Ist man traurig, wenn welche sterben?“, will einer der Jungs wissen. Lisa-Marie Vetter hält kurz inne und nickt dann. „Es kommt oft dazu, dass man eine persönliche Beziehung aufbaut, das gehört bei uns auch dazu.“

Auf den Beruf habe ihre Mutter sie gebracht, erklärt sie einer Schülerin. Für sie ist es eine schöne Tätigkeit: „Es ist erfüllend und bei uns viel fröhlicher, als die Leute denken.“ Dass Menschen im Balthasar so behütet Abschied nehmen könnten, sei der großen Hilfsbereitschaft zu verdanken: „Ohne Spenden wie Eure wäre das nicht möglich.“

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