Schulverweigerung

Mit Erfolgserlebnissen Jugendliche gestärkt

Sabine Hinterberger

Sabine Hinterberger

Foto: Michael May/IKZ

Iserlohn. „  Nach drei Jahren Mitarbeit im Jugendhilfe-Projekt „Schulverweigerung - die zweite Chance“ verlässt Sabine Hinterberger diesen Aufgabenbereich, weil ihre Stelle befristet war. Die Arbeit wird aber fortgeführt von Kollegen des Jugendamtes nach dem Konzept „Gemeinsam unter einem Dach“.

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Als ich vor drei Jahren angesprochen wurde, mich für genau diese Stelle der ,Schulverweigerung - die zweite Chance’ zu bewerben, da habe ich das gemacht, weil ich an das genial gut durchdachte Konzept geglaubt habe“, sagt Sabine Hinterberger, wenn sie an ihre Anfangszeit in der Koordinierungsstelle Schulverweigerung im Jugendamt zurückdenkt. Die Diplom-Sozialarbeiterin verlässt nun ihren Aufgabenbereich, der ihr viel Spaß gemacht hat und in dem sie ihren Schützlingen, die an Schulen teilweise „einen gewissen Ruf weg hatten“, neue Erfolgserlebnisse vermitteln konnte.

Kreatives Schreiben ist wichtig für Jugendarbeit

Beispielsweise in der JUZ- und Fantasy-Schreibwerkstatt im Jugendzentrum am Karnacksweg. Dort habe sich gezeigt, wie wichtig kreatives Schreiben für die Jugendsozialarbeit ist. Gerade bei Jugendlichen, die „zeitweise aus der Spur geraten sind durch die Trennung oder den Tod von Eltern, Stress mit Lehrern, minderjährige Schwangerschaften oder falsche Freunde aus dem kriminellen Milieu“. Wie die Diplom-Sozialarbeiterin und begeisterte Autorin im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet, fanden Jugendliche ab zwölf Jahre ganz neue eigene Ausdrucksmöglichkeiten und machten kreative und fantasievolle Schreiberfahrungen – ganz anders als sie das in der als stressig erlebten Schule bisher machen konnten.

Ein Ergebnis stellten sie in dem Büchlein „Fantasy-Geschichten aus dem JUZ“ vor: „Das Buch war das Highlight“, blickt sie zurück und erinnert sich an die Präsentation im Rahmen der Fantasy-Tage im Literaturhotel Franzosenhohl. Die Schreibwerkstatt werde auch in diesem Jahr einmal im Monat weiter gehen.

In der Rückschau hält sie es für segensreich, die Jugendarbeitsberatungsstellen an die drei Standorte in den jeweiligen Jugendzentren in Iserlohn, der Iserlohnerheide und nach Letmathe zu platzieren, zu denen Jugendliche gehen, wo sie ihre Freizeit verbringen. Wie sie aus der Arbeit mit den Jugendlichen weiß, „sind diese niederschwelligen Anlaufstellen für sie längst und oft ein zweites Zuhause geworden, in denen seit Jahrzehnten verdammt gute und viel zu oft noch unterschätzte Arbeit geleistet wird, sowohl in der Offenen als auch in der Mobilen Arbeit!“

„Die zweite Chance“ und weitere Projekte gehen weiter

„Die zweite Chance und weitere Projekte aber gehen weiter“, verrät Günter Meyer, Leiter des städtischen Bereiches Jugend, Jugendarbeit und Betreuungsmaßnahmen an Schulen, im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch weiterhin biete das Jugendamt jungen Menschen unbürokratische Anlaufpunkte in den Stadtteilen, wo Sozialpädagogen, Streetworker und Schul-Sozialarbeiter noch enger standortgreifend zusammenwirken. Nach dem Wegfall der Fördergelder aus dem Europäischen Sozialfonds gelte die Devise „Gemeinsam unter einem Dach“. Auch wenn einige Stellen weniger dafür zur Verfügung stehen, weil die europäischen Fördergelder nur befristet waren und dadurch nunmehr auch 50 Jugendliche weniger betreut werden als in der Vergangenheit, wo im Jahr 214 Jugendliche betreut wurden.

„Gemeinsam unter einem Dach“ solle die Jugendsozialarbeit in den Einrichtungen der Jugendarbeit für die Projekte Kompetenzagentur, zweite Chance und „Aktiv in der Region – Jugend stärken“ verstetigt werden. „Die Tagesstrukturierenden Dienste, das Dirt-Bike-Projekt in Letmathe sowie das Übergangsmanagement Schule und Beruf und weitere Mikroprojekte gehen weiter“, erklärte der städtische Bereichsleiter Günter Meyer.

Er verweist auch auf „Mikroprojekte“, die im Rahmen von „Jugend stärken“ entstanden sind und besonders im Bereich der Lernförderung, des sozialen Lernens und der Erlebnispädagogik stattfanden. Wie bereits im Jugendhilfeausschluss vorgestellt, haben durch die Lernförderungen an den Standorten in Letmathe und Heide-Hombruch alle Jugendlichen des Projektes ihre Versetzung erreicht. Ähnlich erfolgreich war auch die Hausaufgabenbetreuung in Heide-Hombruch.

90 Prozent der Schulverweigerer konnten erfolgreich in die Schule reintegriert oder vermittelt werden werden konnten, heißt es in einer bisherigen Bilanz des Jugendhilfe-Netzwerkes in dem Programm „Jugend stärken“.

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